Trends in der Arbeitswelt

Das Bundesinstitut für Berufsbildung, die Wissenschaftssektion der Agenturen für Arbeit, hat durch Befragung von 20.000 Arbeitnehmern herausgefunden, dass zunehmend diese Kompetenzen verlangt werden: IT-Kenntnisse, soft skills (Verhandlungsführung usw.) und Fremdsprachen. Wer hätte das gedacht? Dazu „Die Zeit“ 33/2008.

Da müssen sich die Hauptschüler/innen noch wärmer anziehen.

In Hessen kann man schon sehr lange ein freiwilliges 10. Hauptschuljahr absolvieren und den erweiterten Hauptschulabschluss (erw. HA) machen. Dann gibt es da noch den qualifizierenden HA (Prüfung nach Klasse 9 oder 10). Wer den qualifizierenden HA in Klasse 9 erlangt hat, kann in Klasse 10 den Realschulabschluss machen. In Baden-Württemberg können die Hauptschüler jetzt nach 10 Jahren einen Werkrealschulabschluss anstreben. (Um das alles zu verstehen, muss man wohl Abitur haben.)

Mich wundert, dass Hessen sich so schlecht verkauft. Alle reden von der Stuttgarter Schulreform, als ob das der Stein der Weisen für die Rettung der Hauptschule wäre. Es wird dort jetzt Realschulabschlüsse erster und zweiter Klasse geben.

Hessen hat übrigens noch etwas zu bieten: SchuB-Klassen (Schule und Betrieb). In denen werden abschlussgefährdete Hauptschüler/innen in Klasse 8 und 9 schulübergreifend in Kleingruppen durch Lehrerteams betreut. Wen wundert´s, dass das nicht ohne Erfolg bleibt?

Als Klassenlehrer einer 7. Hauptschulklasse mit 14 Schülern sieht man es mit gemischten Gefühlen, wenn in der 8 vier in die SchuB-Klasse abgehen und 2 Realschulabbrecher hinzukommen. Als Schulleiter kommt man womöglich auf die Idee, zwei Klassen zusammenzulegen oder die 12 Schüler aus der H8 auf die vier Realschulklassen zu verteilen.

Hessens Landesregierungen retten seit 30 Jahren die Hauptschule. Die zahlreichen Hauptschul-Sonderprogramme (HSOP) haben wenig gebracht. (In manchen Schulkellern stehen noch die damals angeschafften Maschinen für den Werkunterricht herum.)

Man sollte mit dem Geld und den Lehrerstunden ab Klasse 5 alle Schüler in kleineren Klassen und mit mehr Lehrern und Sozialpädagogen wie in SchuB betreuen, statt diese Reparaturklassen kurz vor Schluss einzurichten.

Wie lautet der berühmte Ausspruch der Dakota-Indianer? „Wenn Du merkst, dass Du ein totes Pferd reitest, gib ihm weder die Peitsche noch besonders gutes Heu, sondern steige ab.“

Warum gehe ich darauf in einem Schulbibliotheks-Weblog ein?  Ganz sicher hat das einen biographischen Grund: Ich habe nicht nur in Realschul- und Gymnasialklassen als Fach- und Klassenlehrer unterrichtet, sondern viele – besonders anstrengende – Jahre in Hauptschulklassen.

Es ist kein Zufall, dass ich ausgerechnet von einer Hauptschulklasse noch nach 25 Jahren zum Klassentreffen eingeladen werde. (Die jungen Mütter erzählen mir, dass ihre Kinder ins Gymnasium gingen.)

In der Schulbibliothek versuchte ich insbesondere die Hauptschüler durch einen attraktiven belletristischen und Sachbuchbestand anzulocken. Dieser Bestand passte dann gut zu den später eingeführten Projektprüfungen für Hauptschüler.

Bevor es die Berufsinformationszentren der Arbeitämter (BIZ) gab, hatte die Bibliothek auch einen umfassenden Bestand (z. T. Klassensätze) an berufsorientierenden Medien (Trainingsbücher für die Abschlussprüfungen, Bewerbungstraining, Berufsinformationen, Berufstrends usw.)

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Ein Gedanke zu „Trends in der Arbeitswelt

  1. Pingback: Hessen schafft die Hauptschule ab. Doch, wirklich, endgültig! | Basedow1764's Weblog

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