Ansehen des Lehrerberufs

Allensbach fragt alle paar Jahre eine Bevölkerungsstichprobe nach dem Ansehen der Berufe. Die Ergebnisse sind amüsant: Buchhändler stehen ganz unten in der Beliebtheitsskala. Wer kennt schon Buchhändler? Atomphysiker sind in der Beliebtheit gestiegen. Unternehmer haben zwischen 2005 und 2008 um 50% zugelegt (Von 21 auf 31%).

Grundschullehrer/innen rangieren beständig weit oben, hinter Arzt, Pfarrer und Professor.

Einen Prozentpunkt besser als Buchhändler schneiden Politiker/innen ab (Für 6% höchstes Ansehen) und landen damit auf dem vorletzten Platz in der Liste der von Allensbach ausgewählten Berufe.

Hämische Kommentare von Politikern über Lehrer sind vor diesem Hintergrund nur zu gut zu verstehen: Für Gerhard Schröder waren Lehrer „faule Säcke“ (Er hat sich dafür mehrfach entschuldigt), für Günter Oettinger „faule Hunde“ und Kurt Beck will bereits am Dienstag so viel gearbeitet wie ein Lehrer in der ganzen Woche.

Update 25.2.09

Nicht nur die Lehrerhasser unter den Politikern tragen zum Ansehensverlust der Lehrerschaft bei. Jetzt zieht die Wissenschaft nach: Ludger Wößmann, Bildungsökonom, will herausgefunden haben, dass Lehrer/innen die schlechteren Schüler/innen waren:

Demnach hatten junge Lehrer an Grundschulen und in der Sekundarstufe I im Durchschnitt die Abiturnote 2,5. Akademiker, die einen Magister-Abschluss haben, schafften im Abitur im Durchschnitt die Note 2,3. Und Absolventen  zum Beispiel in Medizin oder Jura, kommen auf einen Schnitt von 2,0. Gymnasiallehrer liegen mit 2,1 in einer mittleren Position.

Die Daten stammen von 1997, aber sie sollen eher noch schlechter für die Lehrer/innen geworden sein.

Ein Interview mit dem Wissenschaftler Ludger Wößmann hier.

Was wäre gewonnen, wenn die Einser-Abiturient/-innen nicht Unternehmensberater/innen oder Investmentbanker/innen geworden wären, sondern Lehrer/innen?

Wir haben es schon immer geahnt: Der Prognosewert deutscher Schulnoten verdient ein Gütesiegel. Ich dachte, dass Wissenschaftler von Berufswegen kritisch sind.

Da die Lehrer angeblich nachmittags frei haben, lange Ferien und im weltweiten Vergleich ein Spitzeneinkommen, sind die dümmeren Abiturienten anscheinend doch die klügeren, wenn sie Lehrer werden.

Sicherheitshalber werde ich meinen Zahnarzt beim nächsten Besuch nach seiner Abiturnote fragen.

Update 26.03.09

Heike Schmoll zitiert in der FAZ v. 24.3. eine Untersuchung des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung an einer allerdings sehr kleinen Abiturientenstichprobe, die aber sehr viel solider angelegt ist als die publikumswirksame Wößmann-Studie und die auch mit anderen populären Annahmen (Burn-Out-Neigung) aufräumt.

Demnach handelt es sich bei Lehramtsstudenten nicht um eine Negativauslese deutscher Abiturienten. Zukünftige Gymnasiallehrer schneiden beim Abitur nicht schlechter als andere Studenten ab, besonders die nichtgymnasialen Lehramtsstudenten sind sozial stärker interessiert und engagiert. Sie wollen den Umgang mit Menschen und nicht konstruieren, verwalten oder verkaufen.

Selten bin ich mit Frau Schmoll einer Meinung. Was Wößmann angeht, hat sie meine Zustimmung. Auch ein ZEIT-Artikel ist dazu erschienen.

Ein weitere, brandaktuelle Studie besagt, dass die Lehrer/innen Schüler/innen schlecht auf die Berufswelt vorbereiten würden. Ich bin gespannt auf die Untersuchung, wer mehr Mundgeruch hat: Grundschullehrer oder Berufsschullehrer.

Zu empirischer schulpädagogischer Forschung siehe auch hier!

Zur Widerlegung Wößmanns durch Baumert.

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