Antifaschistische Linke und andere Sprachspiele

Im Potsdamer Rathaus war kürzlich eine Ausstellung über die Geschichte der Stadtverordnetenversammlung zu besichtigen. Für die Zeit nach 1945 war da  von einem antifaschistisch-demokratischen Neubeginn zu lesen. Nicht etwa als Zitat, sondern im Begleittext der heutigen Ausstellungsmacher.

In der Zeitung lese ich, dass die SPD neuerdings von demokratischer Marktwirtschaft spricht.

Im ersten Falle wird, ganz im Sinne der Erfinder des Doppel-Attributs die Demokratie relativiert. Ein demokratischer Neubeginn reicht nicht. Demokratie an und für sich ist wohl nicht von vornherein antifaschistisch. Demokratie klingt nach Parlament, nach Bürgertum, nach Gewaltenteilung, ist also für Kommunisten ein problematischer Begriff. Schon bei Volksrepublik hat man ja doppelt gemoppelt.

Dass demokratischer Sozialismus in der DDR in den 50ern ein strafbewehrter Begriff war, ist heute vergessen. Sozialismus war die Überwindung, bestenfalls Weiterentwicklung der (bürgerlichen) Demokratie. Er brauchte dieses Attribut nicht, sondern war dialektisch gesehen Demokratie auf höherem Niveau. Über demokratischen Sozialismus macht sich heute noch Linkspartei-MdB Ulla Jelpke lustig, nachzulesen in abgeordnetenwatch.de. Dass das Wort einmal im Namen ihrer Partei stand, lässt aber vermuten, dass auch Sozialisten mehrheitlich der Meinung sind, Sozialismus an und für sich sei nicht demokratisch.

Im zweiten Fall wird mit der Einführung des Attributs klar gemacht, dass Marktwirtschaft erst einmal undemokratisch ist.

Wie liest sich “demokratische Planwirtschaft?”  Das wäre dann wieder ein Pleonasmus.  Sozialismus wäre ja schon demokratisch. Planwirtschaft ist etwas Sozialistisches. Also ist Planwirtschaft schon eo ipso demokratisch, man muss es nicht extra davor schreiben.

Wie ich das so schreibe, fällt mir noch “Bürgerhaushalt” ein. In Potsdam dürfen Bürger einen “Haushalt” beschließen, neben dem Haushalt, den das Stadtparlament beschließt. Der Parlamentshaushalt ist wohl nicht bürgernah genug. Vielleicht gibt es demnächst ein Bürgerparlament?

In Potsdam gibt es auch eine “Antifaschistische Linke“! Dann muss es wohl auch eine faschistische Linke geben? Ist etwa die SPD damit gemeint sein? So wie in der Wemarer Republik? Da waren sie aus kommunistischer Sicht  “Linksfaschisten”. Die Kirche, das waren die “Klerikalfaschisten”.

Die Potsdamer Antifa bekämpft die touristischen preußischen Rekrutenvereidigungen mit schrillen Demonstrationen. Ist das der “Preußenfaschismus”? Bei der Antimietwucherdemo werden sie wohl auch dabei sein, (“Spekulantenfaschismus”?), so wie sie gegen die Demonstration der Rot-Rot-Gegner in Brandenburg demonstriert haben und dabei mit Liedern SED-Opfer verhöhnt haben (“SED-Opfer-Faschisten”?).

Antifaschismus ist eine politische Allzweckwaffe mit Blendcharakter, hat ein Politikwissenschaftler einmal gesagt.

Welche Informationskompetenz brauchen Schüler/innen, um diesen sprachlichen Humbug zu durchschauen? Weiterlesen