Propagadakriege auf Twitter

Evgeny Moronzow ist bei Internet-Enthusiasten nicht sonderlich beliebt, weil er sich vorzugsweise mit den “dunklen Seiten des Internets” (So einer seiner Buchtitel) beschäftigt und weil er überdies von der FAZ gedruckt wird.

Kürzlich wies er dort (12.11.12) daraufhin, dass inzwischen Technologie existiert, mit der kritische Kommentare, für autoritäre Regimes unangenehme Hashtags, erkannt und durch Verbreitung massenhaften Spams konterkariert werden können. Man muss nicht mehr verbieten oder abschalten.

Er berichtet von der Erfahrung tibetischer Widerständler, dass Hashtags wie #freetibet einfach mit Junk-Tweets überflutet wurden.

Während der Parlamentswahlen im Dezember 2011 in Russland soll die Hälfte der ca. 50.000 Twitter-Accounts, die an der Diskussion der umstrittenen Wahlen beteiligt waren, von Computerprogrammen (Bots) erzeugt worden sein, die eine halbe Million Tweets versendet hätten.

Ist schon untersucht worden, wie Shitstorms entstehen?

Nachtrag zu Christoph Lauers Twitter-Blues

Der Lebenskünstler Johannes Ponader gibt die Geschäftsführung bei den Piraten auf. Für ihn ist die mangelhafte Kommunikation der Partei an ihrem derzeitigen Formtief mitschuldig: “Wir hätten besser kommunizieren müssen, nicht immer über Twitter.

Siehe “Christoph Lauer legt nach

Christoph Lauer legt nach

Fortsetzung von Die digitale Revolution frisst ihre Kinder.

Es war zuerst nur eine Bemerkung in einem Spiegel-Interview. Der Berliner Pirat Christoph Lauer twittert nicht mehr. Jetzt hat er das Thema in der FAZ vertieft: “Ich twittere nicht mehr” (20.2.13, p 27). Twitter koste ihn Nerven, er habe 500 Follower, die nur Beleidigungen und anderen Gedankenmüll absonderten, gesperrt. Vor allem Journalisten würden ihm ständig über Twitter Fragen stellen. Für Journalisten seien Tweets inzwischen der heilige Gral. Seine Kommunikation zerfasere usw. usw. Er “facebooke, google plusse, podcaste” noch, simse und sei über E-Mail erreichbar. Er will seinen Tagesablauf nicht weiter von Twitter bestimmen lassen und auch noch Angst haben müssen, dass ihm nach einem Jahr ein flüchtiger Tweet um die Ohren gehauen werde.

Als digitaler Normalbürger steht man grinsend daneben. Wer von Anfang an zögerlich ist, nicht vornedran ist, Bedenken hat, wird von den Internet-Fans für vorgestrig, bestenfalls unbedarft erklärt. Lehrer können ein Lied davon singen: Was, du bloggst nicht? Noch nie im Englischunterricht getwittert? Immer noch FWU-Filme statt Youtube?
Dann kommen die Renegaten und finden Gehör. Die digitale Crowd ist selbst schon zu Pinterest, Instagram und WhatsApp weitergezogen, auf jeden Fall immer an der Spitze des vermeintlichen Fortschritts. Auf einmal werden sie nicht mehr bewundert, sondern Fetischisten und Fanatiker genannt (Was Lauer nicht tut, aber andere.) Früher wurden Abtrünnige  physisch liquidiert, heute werden sie in digitalen Kommentaren hingerichtet.
Mal sehen, bei welcher Partei Christoph Lauer landen wird.
Ich freue mich schon auf das Buch von Sascha Lobo, in dem er bekennt, dass er Briefe am liebsten mit der Hand schreibt, auf handgeschöpftem Büttenpapier. Internetexperte Jeff Jarvis wird in seiner Biographie gestehen, dass er auf dem Klo heimlich gedruckte Zeitungen gelesen habe.
Was Lauer sagt.

Die digitale Revolution frisst ihre Kinder

Der Berliner Pirat Christopher Lauer, der auch in anderen Parteien bella figura machen würde und sich einen Namen gemacht hat, über sein neuestes Kommunikationsverhalten: “(Ich) klinke mich öfter aus dem ständigen Informationsfluss aus. Ich lese zum Beispiel kaum noch Twitter… Ich bin ja immer noch über E-Mail erreichbar… Man muss die Kommunikationskanäle so eindampfen, dass es am Ende der politischen Arbeit dient.”

In: Der Spiegel,8/2013, p 27
Was macht er mit der gewonnenen Zeit? Ob er ein Buch schreibt wie seine Parteifreundinnen Marina Weisband und Julia Schramm?
Das war auch schon beruhigend: Was machen führende Politikerinnen der Partei der digitalen Zukunft? Sie schreiben als erstes ein ganz normales Buch, statt Content mit CC-Lizenz auf eine Open-Access-Plattform zu stellen.

32 Tweets in 18 Stunden

32 Tweets hat Will Richardson, ein US-Netzaktivist, der sich digital und analog rastlos zu Bildung und Erziehung äußert, in den letzten 18 Stunden abgesetzt. Das ist auch für ihn, der i. d. R. stündlich tweetet, ein neuer Rekord. Da er nicht nur Statusmeldungen abgibt oder Fotos seiner Enkel hochlädt, sondern meist tiefe Einsichten hinausschickt, komme ich gar nicht mehr zum Nachdenken über seine Zeilen. Zeit, ihn zu entfollowen.

Aktualisierung November 2012: Neuer Rekord eines anderen Twitterers, dem ich bisher gefolgt bin: 78 in 24 Stunden.

Hilferuf: Wie gehen Netzaktivisten damit um? Die Technik “Überfliegendes Lesen” beherrsche ich schon. Vielleicht gibt es schon eine Software, die mir meinem Profil entsprechende Tweets markiert?

Unterdessen habe ich lesenswertere Tweets versäumt: Die sexuellen Phantasien einer Piratenparteipolitkerin während der Sitzung eines parlamenarischen Haushaltsausschusses.