Statt Geburtstagsgeschenken Bücher für die Schulbibliothek

Die Leibniz-Sekundarschule in Wolmirstedt, in der Nähe von Magdeburg, hat jetzt eine Bibliothek, in der ehemaligen Hausmeisterwohnung. Wie üblich in unserem Land, in dem die Investition in Bildung angeblich an erster Stelle steht, geschah das durch Spenden, von der Sparkasse über den Lions Club bis zum Versicherungskonzern.

Nun ist es nicht Basedow1764´s Ehrgeiz jede Eröffnung in Deutschland zu vermelden. Aber hier gibt es etwas Bemerkenswertes: Der Mathe- und Physiklehrer(!) hatte den Stein ins Rollen gebracht. Er bat aus Anlass seines 50. Geburtstages um Spenden für die Bibliothek.

 via Volksstimme Magdeburg

SKILLs-Act in USA

Ein Gesetzentwurf zur Verbesserung schulischen Lernens und der Arbeit der Schulbibliotheken wird in diesen Tagen erneut im Repräsentantenhaus eingebracht. Es ist der zweite Anlauf. Er war im Sommer schon einmal wegen fehlender parlamentarischer Unterstützung zurückgezogen wurden. Damals wurde ein Gesetz zur Verbesserung der Schule verabschiedet (ESEA), ohne dass das SKILLs-Act darin eingeschlossen war.

Irgendwie ist Bildungspolitik in USA auch nicht kohärenter als in Deutschland. Immerhin werden Schulbibliotheken als Bestandteil von Schulgesetzen und Schulfinanzierungsgesetzen gesehen.

Hilfe! Die Hilfeindustrie frisst die Etats

Seit ich mich für Schulbibliotheken einsetze, höre ich die Killerphrase: “Geld haben wir keines!” Meine Antwort, dass Geld da sei, es nur falsch ausgegeben werde, überzeugt nicht. Nun weiß ich selbst, wie Haushaltsposten zustande kommen, wie restriktiv Haushaltsrecht sein kann. Und dann gibt es neben Schulbibliotheken noch so viel anderes Wünschenswerte.

Dennoch mache ich gerne Milchmädchenrechnungen auf. Heute wurde ich wieder fündig: Es geht um die “Hilfeindustrie”. Gemeint sind die Einrichtungen, Vereine, Gesellschaften, die im weitesten Sinne Gutes tun und dafür Spenden und Steuergelder erhalten. So tummeln sich in Afghanistan angeblich 3000 private Einrichtungen, die über riesige Beträge verfügen.

Der Berliner Tagesspiegel hatte am Wochenende eine Reportage über die Berliner Hilfeindustrie im Blatt, die Träger, die jedes Jahr ein halbe Milliarde ausgeben für Hilfen zur Erziehung, für die Unterstützung allein erziehender Mütter, einkommensschwacher Familien und Hartz IV-Empfänger.

Da ist zu lesen: Alleinerziehende Mutter mit fünf Kindern von fünf verschiedenen Vätern. Zwei Sozialarbeiter verbringen jede Woche zehn Stunden in der Dreizimmerwohnung . Die Frau wehrte sich gegen die Familienhilfe. Das Jugendamt überging das. Die beiden Sozialarbeiter gehen mit den Kindern in den Jugendclub, begleiten die Mutter zum Jobcenter, betreuen die Kinder. Diese Hilfe läuft seit 18 Monaten und kostet bisher 36000 €.

Die Beschwichtigungsformel wird wohl lauten: Bedauerlicher Einzelfall und aus dem Zusammenhang gerissen. Es gibt noch mehrere Fälle dieser Art. Und es scheint System zu haben: Ein Träger, der eine Maßnahme ausarbeitet, darf sie selbst nicht durchführen. Man wechselt sich also ab: Ein Träger plant, ein anderer  erhält den Auftrag, das nächste Mal ist es umgekehrt. Das Jugendamt überweist nur noch das Geld.

Die Jugendämter werden personell knapp gehalten. Sie können selbst gar nicht mehr therapeutisch arbeiten, sie lagern die Fälle aus. Rechtsprechung und Öffentlichkeit sind schnell dabei, Jugendämter wegen Versäumnissen zu verurteilen, daher ist man großzügig geworden.

Wenn ein ausführender Sozialarbeiter vorschlägt, die Maßnahme zu beenden, wird er von seinem Träger darauf hingewiesen, dass eine Verlängerung sinnvoller wäre, schließlich hänge der ganze Apparat des Trägers an solchen Maßnahmen.

Der Neuköllner Bürgermeister Buschkowsky, bekannt dafür, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt, hat sein Jugendamt schon öfter gerügt. Er sagt, dass es 40% des Haushalts in Anspruch nähme, dass alle anderen Abteilungen sparen müssten, weil das Jugendamt seine Ausgaben heillos überziehe. (Vom Bundeshaushalt fließen sogar 55% in die Sozialausgaben.)

Ich habe immer mit Jugend- und Sozialämtern zusammengearbeitet. Da kam Handfestes dabei heraus, Die Mitarbeiter waren sehr professionell, sie waren auch kostenbewusst. Berliner Zustände, wie sie in dem Artikel geschildert werden, habe ich nie kennengelernt.

Nun ist es brisant, Kritik an diesem Bereich zu äußern. Gefordert wird ja, dass (noch) mehr Geld ausgegeben wird, um Schulen besser zu machen, Migranten zu integrieren, bildungsfernen und einkommensschwachen Familien gesellschaftliche Teilhabe und Bildung zu ermöglichen. Zu sagen, dass eine Industrie entstanden ist, die sich ihre Lobby geschaffen hat und Kommunikationsmanager/-innen bezahlt, die die Medien füttert, ist politisch nicht korrekt.

Ein Vorschlag: Wie wäre es mit Evaluation? Alle Schulen in Deutschland werden regelmäßig  überprüft, stichprobenhaft übrigens auch von den Landesrechnungshöfen. (Das ist wie eine Betriebsprüfung des Finanzamts.) Warum mutet man das nicht den Jugendämtern und den privaten Einrichtungen der Hilfeindustrie zu?

Und jetzt zur Milchmädchenrechnung: 7,2 Mrd € erhält die Erziehungshilfeindustrie laut Herrn Buschkowsky jährlich in Deutschland (jährliche Steigerungsrate 10%). 1% sind 72 Mio. Blieben noch 7,128 Mrd. Das fällt kaum auf. 1%, 72 Mio €, für das Schulbibliothekswesen aber wären Manna in der Wüste. Das wären 2000 € Zuschuss für jede Schule oder 3 Vollzeit-Dipl. Bibl´innen bei jedem der ca. 430 staatlichen Schulträger. Vielleicht könnte man Geld für ein Feuerwerk abzweigen.

  • Der Tagesspiegel-Artikel von Barbara Schönherr
  • Ihr Interview mit Heinz Buschkowsky

Ganz daneben ist die Rechnung sicher nicht: Zu den Zielen, die z. B. Frau von der Leyen mit dem Bildungspaket ansteuert, Rot-Rot in Brandenburg mit dem zusätzlichen Abiturienten-Taschengeld könnten auch Schulbibliotheken beitragen: Hilfen beim Lernen, Angebote für die Freizeitbeschäftigung, Erweiterung des Wissens, Zugang zu Büchern und anderen Medien.

Nicht schaden würde es auch denen, die aus der Förderung herausfallen, aber die Schulbibliotheken auch benutzen dürften.

Zur Einrichtung von Schulbibliotheken 20: Tipps und Tricks zur Finanzierung

Beim Wiederlesen der Broschüre “Wer soll das bezahlen?” merke ich, dass mancher Tipp immer noch brauchbar ist. Daher hier und als pdf (75 kb) ein paar Tipps.

In Zeiten hoher Verschuldung der staatlichen und kommunalen Körperschaften ist nicht damit zu rechnen, dass es für Schulbibliotheken Haushaltsmittel geben wird.  Da ist es gut, sich verstärkt auf eigene Möglichkeiten zu besinnen.

Was in der Schule geht. (Hat sich bei mir bewährt.):

  • Restbeträge aufgelöster Klassensparbücher für die Bibliothek spenden
  • Verkauf von Basteleien (Bücherstützen, Lesezeichen)
  • Erlöse des Weihnachtsbasars
  • Eintrittskosten für eine Autorenlesung*
  • Bücherflohmarkt im Lehrer/innenzimmer(!)
  • Sammlung im Kollegium, z.B. für Literatur zu einem aktuellen Ereignis oder für einen Weihnachtsbaum in der Bibliothek
  • Aufstellen eines kostenpflichtigen Fotokopierers in der Bibliothek*
  • Buchpatenschaften, Patenschaftsabonnements
  • Erlöse aus dem Verkauf des Videos über die Skifreizeit
  • Verkauf von Kaffee und Kuchen während Konferenzen und Schulveranstaltungen („Café Leseratte“)*
  • Verkauf von „Bibliothekssouvenirs“: T-Shirts, Puzzles, Kalender, Broschüren*
  • Erlöse eines Schulfestes*
  • Hefte- und Papierverkauf*
  • Elternspende
  • Weihnachtswunschzettel“ der Bibliothek: Welche Bücher Eltern ihren Sprösslingen auf den Gabentisch legen können, verbunden mit einem Spendenaufruf.

Was “draußen” geht:

  • Handel, Banken, Industriefirmen am Schulort ansprechen
  • Politik-Prominenz ansprechen: Bürgermeister, Minister/innen, Abgeordnete. Sie alle haben einen „Reptilienfonds“ aus Lotto- und Spielbank-Mitteln.
  • Bußgeldstelle des Amtsgerichts (über den Schulförderverein)
  • Stand auf Flohmärkten (Verkauf antiquarischer Bücher von Eltern und
    Kollegen)
  • Zuschuss beim Magistrat der Stadt beantragen (Projektbeschreibung ist hilfreich.)
  • Spende der Sparkasse (Sparkassen müssen einen Teil ihrer Erträge zur Unterstützung von sportlichen und kulturellen Aktivitäten verwenden.) An Bürgermeister/Landrat oder Sparkassenvorstand wenden.
  • Zusammenarbeit mit der öffentlichen Bücherei: Reden Sie mit Ihrer Bürgermeisterin/Ihrem Bürgermeister oder der Bibliothekarin. Über die Fachstellen für (kleinere) Büchereien erhalten Sie Mittel aus dem kommunalen Finanzausgleich (KFA) als Gegenmittel zu Beträgen, die die Kommune für die Bücherei aufwendet. Das kann vier- bis fünfstellig werden, wenn die Stadtväter und -mütter mitspielen. Ihre Schulbibliothek muss Zweigstelle der Stadtbücherei werden oder die Stadtbücherei in die Schule einziehen. Das sind sog. „Kombiprojekte“.
    Ein (nicht-fiktives) Beispiel: Eine Gemeinde schließt ihre Stadtbücherei. Die Schule schlägt vor, dass die Schulbibliothek die Aufgabe einer öffentlichen Jugendbücherei übernimmt und dafür an einem Nachmittag für außerschulische Nutzung öffnet, wenn die Kommune sich finanziell beteiligt (Mittel für den Bestandsaufbau und eine Honorarkraft). Damit ist beiden gedient: Die Gemeinde ist nicht ganz büchereilos und die Schulbibliothek kann ein bisschen wachsen.
  • Sehr vorteilhaft ist ein Schul- oder Bibliotheksförderverein. Er kann Spenden-quittungen ausstellen. (Information: Steuerwegweiser für gemeinnützige Vereine, hrsg. v. hessischen Finanzministerium, oder das gleichnamige dtv-Beck-Taschenbuch 5231 ) Evtl. kann auch die Schule Spenden bescheinigen. Das ist in einem Spendenerlass geregelt.
  • Die Chance, eine Spende zu erhalten, ist größer, wenn Sie Ihrem Brief ein gutes
    Foto der Bibliothek oder einen Zeitungsbericht beilegen.

* Beim dieser Art des Geldeinnehmens Vorsicht! Unbedingt Rücksprache mit der Schulleitung bzw. der Schulverwaltung halten!

Vergessen Sie beim Aufruf zur Elternspende das Überweisungsformular nicht! Es
geht noch nicht alles elektronisch. Ein Foto von der Scheckübergabe, ein Dankeschön der Schule im “Blättchen” sorgen dafür, dass nicht nur das Nehmen, sondern auch das Geben zu einer angenehmen Sache wird.
Können Sie auch etwas bieten? Schicken Sie den Eltern eine Liste mit Sommerferienlesetipps für ihre Kinder! Bieten Sie der Sparkasse die Buchobjekte vom
Kunstkurs für eine Ausstellung in deren Räumen an.
Für einen Riesenglobus, für alle Bücher von Dagmar Chidolue oder für Bücher
über Kinder aus der 3. Welt, – also für ein konkretes Projekt – spendet man eher als
für „Neuanschaffungen“ oder „Bücher“.

Schreiben Sie keinen Bettelbrief an Buchhandlungen und Verlage! (Sie tun´s ja
doch, ich weiß. Und haben manchmal sogar Erfolg.) Verlage und Buchhandel
wenden Mittel für Aktionen der Leseförderung auf. Wenn es um ein konkretes öffentlichkeitswirksames Ereignis geht (Lesung, Buchausstellung, Lesefest, …) ist man meist bereit, ein Bücherpaket zusammenzustellen.

Bei manchen Verlagen gibt es Remittenden-Buchpakete, die sich durchaus lohnen
(z. B. http://www.zweitausendundeins.de; http://www.beltz.de ). Sie sollten aber nicht aus den
Augen verlieren, was Sie wollen: Einen Bestand, der sich an bestimmten
(didaktischen) Überlegungen orientiert oder eine Büchersammlung mit Schnäpp-
chen vom Flohmarkt, Mängelexemplaren und milden Gaben vom xyz-Verlag.
Das schließt nicht aus, dass Sie mit Ihrer Buchhandlung reden sollten; z. B. über einen – Rabatt analog zum Schulbuchrabatt.
Auf Buchmessen können Sie meist am letzten Messetag an vielen Ständen Ausstellungsexemplare zu Verlagspreisen kaufen. (In der Regel nur, wenn Sie nachweisen, dass Sie Buchhandelskollege/-kollegin sind.) Eine Fachbesucherkarte erhalten Sie, wenn Sie nachweisen, dass Sie die
Schulbibliothek betreuen.

Crowdfunding ist ein Zauberwort aus den USA und funktioniert auch hierzulande! (Anders als “wisdom of the crowd”.) Man sammelt auf einer Internet-Plattform für ein konkretes Projekt. Die Berliner AGSBB hat so den Druck einer Broschüre finanziert.

Kostenlos oder für wenig Geld bekommen Sie Bücher bei Landes- und Bundeszentrale für politische Bildung, bei Regierungen, Parteien, Verbänden und internationalen
Organisationen. Natürlich erklärt auch die Wirtschaft gerne selbst, wie Wirtschaft
funktioniert.
Manche Materialien werden den Schulen unaufgefordert von dubiosen Adressen
zugeschickt (Scientology, Europäische Arbeiterpartei, ….). Aber Schulbibliotheks-
menschen besitzen ja Informationskompetenz.
Sprechen Sie Zeitungsredaktionen wegen der Rezensionsexemplare an. Meist
werden die aber schon anderweitig verteilt oder gar verkauft. auch die Tageszeitung könnte es kostenlos, verbilligt oder über ein Patenschaftsabonnement geben

Das Kulturamt der Stadt organisiert eine Autorenlesung, die in Ihrer Bibliothek
stattfindet. Sie sparen das Honorar für den Autor.
Verbünden Sie sich mit der Stadtbüchereileiterin, falls es eine gibt! Eine Lesung
vormittags in der Schule, eine nachmittags in der Bücherei.                                                      Die örtliche Buchhandlung holt mit ihrem Kleintransporter die Kisten einer
Börsenvereins-Ausstellung in die Schule.
Der italienische Kulturverein stiftet ein Dutzend Kochbücher über die cucina
italiana, damit es beim Schulfest etwas Gutes zu essen gibt.

Lassen Sie sich Bücher aus der öffentlichen Bücherei als Blockausleihe für ein
paar Wochen geben. So haben Sie immer wieder neue Bücher im Angebot und die Stadtbibliothek erhöht ihre Ausleihzahlen.

Die Stadtverordnetenversammlung in Schwalbach a. Ts. griff meinen Vorschlag einer städtischen Leseförderung in Zusammenarbeit mit den Schulen auf und bewilligte Mittel für eine Honorarkraft und Veranstaltungen. Eine ganze Reihe von Aktivitäten in der Schulbibliothek ist so erst möglich geworden. Und die Stadt setzte ein Zeichen: Lesekultur ist Teil ihrer Jugendarbeit.

Leider nur einmal von einer einzigen Bibliothek anwendbar: Die Rundfunkanstalten
haben ein Herz für ihre Hörer und Seher: In Brandenburg hat der rbb erreicht, dass
eine befristete Stelle in einer Schulbibliothek in eine unbefristete umgewandelt
wurde. Beim Hessischen Rundfunk gab es die Aktion „Das schaffen wir“. Dort rief
eine Lehrerin an und schilderte das Problem, dass die Schule einen Anbau mit
einem Büchereiraum bekommen habe, aber keine Bücher. Im Laufe einer Stunde
spendete eine Hörerin drei Bände „Harry Potter“, die Buchhandlung Hugendubel
500 € und Amazon gar 2500 €, Dagmar Chidolue schenkte eine Lesung und
Paul Maar eine Zeichnung.

Diese Liste stammt  fast vollständig aus den frühen 90er Jahren und verdankt sich dem dem hessischen “Wildwuchs” im Schulbibliothekswesen, wie es ein Bibliotheksfachmann einmal nannte.
Ein Schulbibliotheksgesetz und institutionelle Förderung über Länder- und Kommunalhaushalte wären auch nicht schlecht.

Kein Geld für Schulbibliotheken?

In diesen Tagen kriege ich es mal wieder ganz dick: Aus Wiesbaden, der hessischen Landeshauptstadt, ist zu hören, dass die LAG-Vorschläge zum Hessischen Schulgesetz ja gut und schön seien, aber erst müsse mal Geld her.

In Potsdam höre ich das auch, sowohl in der Stadtverwaltung wie im Land. Mein Vorschlag war, statt mit Schüler-BaföG bedürftigen Abiturienten Geld für Bücher und Laptops zu geben, sollte es in Schulbibliotheken gesteckt werden. Die Linksparteifraktion schreibt mir, dass sie sich nun mal anders entschieden hätten. Der jugendpolitische Sprecher der Postkommunisten findet, mit dem Schüler-BaföG-Taschengeld könnten auch Kinokarten gekauft werden. Mal abschalten fördere die Schülerleistung. Wenn Geld da wäre, würden sie aber drauf zurückkommen. Die Grünen haben sehr ausführlich zurückgeschrieben, ohne sich zu sehr auf das Schulbliotheksthema einzulassen. Die CDU hat bisher nicht  geantwortet.

Mein zweiter, ebenfalls bescheidener Vorschlag im Rahmen des Potsdamer Bürgerhaushalts tauchte noch nicht mal in der Liste der ausgeschiedenen Vorschläge auf! Das “linksalternative” Jugendzentrum “Freiland” wird von der Stadtverwaltung mit jährlich 120.000€ unterstützt und von der Stadtwerke-GmbH(!) mit einer Dreiviertelmillion gesponsert.

15.000€ Schulbibliothekspauschale nur für die Schulen, die aus eigener Kraft eine Bibliothek eingerichtet haben, gehen dagegen nicht.

Ich sehe mich beim Schüler-BaföG durch den Chef der Bundes-Arbeitsagentur bestätigt, der vom Spiegel zitiert wird: Er empfiehlt Sachleistungen und Investitionen in die Infrastruktur, die über den Kreis der Hartz-IV-Bezieher hinaus Wirkung entfalten könnten.

Wenn ich dann lese, dass die Bundesregierung fast 1000 neue Stellen braucht, um regieren zu können, muss ich doch die Stirn runzeln. Sie behaupten, netto wären es nur 600. Aber ist das weniger schlimm?

So sehr ich die FDP in Schutz nehme, weil sie wegen der Hotelübernachtungsmehrwertsteuerkürzung  Ärger kriegt – Schließlich wollten das alle, auch die SPD und die Linkspartei -,  aber dass Herr Niebel sein Ministerium nicht nur nicht auflöst, sondern aufstockt, das ist unpassend.

Weitere “Geldquellen” im Posting vom 29.4.2008 und in weiteren Beiträgen.

Update zu “Freiland”, 17.3.10:

Was mich an dem Projekt stört, ist, dass eine aktive Gruppe unkritisch als Vertretung aller Jugendlicher gesehen wird. Der zukünftige Chef des Projekts hat das Konzept geschrieben, sitzt im Jugendausschuss und stimmt im Stadtparlament über seinen Vorschlag auch ab.

Die Stadtwerke, die immer mal wieder als Potsdamer “Schattenhaushalt” fungieren, steuern für ca. 800000 € ein Grundstück bei und die Stadt finanziert laufende Kosten mit ca. 120000 € jährlich.

Wenn für eine Schulbibliothekspauschale 15000 € vorgeschlagen werden, heißt es, kein Geld da.

Eine merkwürdige Notiz tauchte in den PNN, den Potsdamer Neuesten Nachrichten, jetzt auf: Der Oberbürgermeister Jann Jakobs habe sich kritisch über das millionenteure „Freiland“-Projekt der „linksalternativen“ Jugendfunktionäre geäußert. Es sei keine Bedarfsanalyse der gesamten Potsdamer Jugendkultur gemacht worden. Einzelne Jugendvertreter hätten beansprucht, für alle zu reden. Und das meiste davon wird von der Zeitung als wörtliche Rede zitiert.

Am nächsten Tag dann das Dementi. Er sei missverstanden worden.  Er stehe zu dem Projekt. Die Potsdamer Linkspartei drängt ihn daraufhin, es möglichst schnell umzusetzen.

Aus Erfurt ist zu hören, dass die „Linke“ ein Wahlkreisbüro im dortigen linksalternativen Jugendzentrum unterhält. Die Polizei klagt, dass ihr bei der Verfolgung von Straftätern der Zutritt zum Jugendzentrum verwehrt werde. Mit dem Hinweis auf die parlamentarische Immunität des Ortes  habe die “Linke”-Abgeordnete den Ordnungshütern den Zugang verwehrt.

Schulgesetz oder Bibliotheksgesetz?

Man sollte nochmal ins Gedächtnis rufen: Schulbibliotheken stehen mehr oder weniger explizit in jedem der 16 deutschen Schulgesetze. (Zumindest Stichproben habe ich gezogen.) Das Problem ist “nur”, dass das an der Realität nichts ändert. Man kann ja nicht den ganzen Tag mit dem Schulgesetz unter dem Arm herumlaufen (So ähnlich hat es ein Innenminister einmal gesagt, als die Regierung gegen das Grundgesetz verstoßen hatte.) Es wäre also “nur” nötig, die Schulträger dazu zu bewegen, ihrer gesetzlichen Pflicht, die sie als freiwillige Aufgabe betrachten, nachzukommen.

Die gesetzliche Verankerung der Schulbibliothek in den Schulgesetzen der Länder spielt in der aktuellen Diskussion um Bibliotheksgesetze (z. B. Hessen und z. B. Thüringen) keine Rolle. Wahrscheinlich weiß das auch kaum jemand. Oder will es nicht wissen. Die Erwähnung der Schulbibliothek im Bibliotheksgesetz scheint dagegen als Errungenschaft betrachtet zu werden. (Ob der dbv sie wirklich drin haben will, ist nicht ausgemacht. In seinem Musterentwurf steht sie jedenfalls nicht drin.)

Ich freue mich schon auf verschmitzt lächelnde Politiker, die auf die doppelte gesetzliche Erwähnung der Schulbibliothek hinweisen. Mehr könne man doch wirklich nicht tun.

Es mag sein, dass Bibliotheksgesetze für das Bibliothekswesen wichtig sind. Obwohl auch das von manchen Fachleuten anders gesehen wird.

Für die Schulbibliotheken könnte das fatal im Wortsinne werden. Warum sollten sie dann noch im Schulgesetz stehen? Die Juristen der Landkreis- und Städtetage werden sich die Hände reiben. Sie haben es in Hessen schon geschafft, das Recht der Landesregierung zu einer Schulbibliotheksverordnung  aus dem Schulgesetz zu kippen. Jetzt könnten sie die ungeliebte “Schulbücherei” gleich ganz streichen. Sie wäre ja im Bibliotheksgesetz näher an die öffentlichen Bibliotheken gerückt. Der Verweis auf die Zuständigkeit der öffentlichen Bücherei geht den Kultusministern im Zeitalter der Kooperationsverträge ja auch schon locker von den Lippen.

Mir ist bewusst, dass das überzogen ist, was ich hier schreibe. Der hessische Bibliotheksgesetzentwurf schreibt die bestehenden Zuständigkeiten für Schulbibliotheken ja fest.

Wie viel besser wäre der Versuch, der Vorschrift des Schulgesetzes Geltung zu verschaffen.

Es ist doch schon einiges da: Die Schulbibliotheken sind gesetzlich verankert. Bau und Unterhaltung gehören zu den Aufgaben des Schulträgers. Im Rahmen der verschiedenen Haushaltsstellen in der Zuweisung des Schulträgers an die Schule können Einrichtungsgegenstände bestellt werden: Regale, Zeitschriftenschränke, Ausleihtheken. Es können Folien, Etiketten und Bücher bestellt werden, Laptops angeschafft werden. Das muss nicht mehr geregelt werden.

Es gibt genügend Beispiele in Hessen, die belegen, dass so gut ausgestattete Schulbibliotheken entstanden sind.

Knackpunkte sind:

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