Broschüre “Innovative Schulbibliotheken” aus Südtirol

Die südtiroler Broschüre “Innovative Schulbibliotheken”, herausgegeben von Markus Fritz und Josef Watschinger, erschienen in der Reihe “Wege zu pädagogisch gestalteten Lehr- und Lernräumen Heft 3/2013, ist als Download verfügbar. Schwerpunkt ist die räumliche Gestaltung von Schulbibliotheksräumen. Für deutsche Leser/-innen sei hervorgehoben: Es kommt in Südtirol vor, dass Architekten diese Räume entwerfen.

Ich durfte eine Einführung in das Heft schreiben: “Schulbibliotheken der Zukunft – das Konzept “learning commons”.

“Bildungslandschaft” in der ETH Lausanne

Es gibt eine neue Pilgerstätte für für Schul- und Bibliotheksarchitektur:

Das Rolex-Lernzentrum der ETH Lausanne.

Die Architekturkritiker schwärmen: Kommunikationsarchitektur, Bildungslandschaft. “Ein Raum, der in seiner Vielfalt und Lebendigkeit allen virtuellen Räumen überlegen is.” schreibt Hanno Rauterberg in der ZEIT v. 4.3.10.

Das Lernzentrum beherbergt eine Bibliothek, eine Caféteria, Seminarräume und Hörsäle.

Man sollte sich für die Schulbibliotheken inspirieren lassen, das ist ein Learning Commons, wie es auch in der Schule wünschenswert wäre.

Der Film, eine Pressemitteilung, ein Foto, (Nachtrag 28.10.11:) Fotos im unteren Teil dieser Seite

Im Basedow1764 dazu auch: Schulbaukultur, die Entbibliothekarisierung der Schulbibliothek und die Schulbibliothek als Wissensallmende.

Bleibt zu hoffen, dass das Gebäude nicht nur gut aussieht, sondern die beabsichtigten Wirkungen erzielt.

Mehr Schulbaukultur!

Die Bundesstiftung Baukultur hat einen Aufruf “Baukultur für Bildungsbauten” veröffentlicht.

In Basedow1764 habe ich mich zum Thema mehrfach geäußert:

schulen-sehen-aus-wie-strafanstalten

zur einrichtung-von-schulbibliotheken-7-architektur-fur-eine-andere-schule

learning-commons-statt-schulbibliothek

die-entbibliothekarisierung-der-schulbibliothek

kulturrevolution-in-us-schulbibliotheken

Ich nehme die Gelegenheit gerne wahr, um Erinnerungen zu frönen: In “meinen” Schulbibliotheken habe ich mich bemüht, eine Atmosphäre zu schaffen, die sich von den restlichen Schulräumen wohltuend unterschied: Teppichboden, andere Möbel, andere Farben, Papierkörbe, Luftschlangen und Weihnachtssterne nicht das ganze Jahr über an Fenstern und Decken, saubere Tafel, aktuelles Schwarzes Brett, nicht beschmierte Tische, keine Kaugummireste auf den Stühlen, nicht nur fici benjamini und zentimeterdicke Staubschicht auf der Fensterbank…

Aktuelle Umfragen aus USA bestätigen, dass Collegestudenten Schulbibliotheken wegen ihrer hohen Aufenthaltsqualität schätzen. (Worüber auch nicht alle glücklich sind: Es werde nur noch gesimst, gechattet und Café Latte getrunken, die Bücherregale würden zur Dekoration.)

Die Schulbibliothek wird zur Lernwerkstatt

Schulbibliotheken als Lernräume werden zum Thema. Das ist gut so. Gewinnen sie dadurch doch an Bedeutung für die Schule, vor allem für die Reform der Schule.

Siehe dazu auch frühere Beiträge, hier, hier und hier!

Die beste Schulbibliothek ist dann nicht mehr die nach IFLA-Standards, die mit mindestens 5 oder 10000 Medieneinheiten oder die Zweigstelle der Stadtbibliothek in der Schule.

Die Schulbibliothek, das ist ihr wichtigstes Merkmal, wird Teil eines größeren Ganzen, einer pädagogischen Werkstatt.

Wer Basedow1764 kennt, weiß, dass jetzt eine historische Reminiszenz kommt. Hier ist sie: Wir haben in Hessen als Junglehrer/innen einige Berufsjahre dafür verwendet, die Förderstufe attraktiv zu machen, die Verlängerung der gemeinsamen Schulzeit in Klasse 5 und 6, bei gleichzeitiger differenzierter Organisation dieser Jahrgangsstufe. (Das blieb schulpolitisch eine Episode.)

Es gab damals Jahrgangsebenen, d. h. jeweils zwei 5. und 6. Klassen bekamen gegenüberliegende Klassenräume und der Platz dazwischen, fast so groß wie ein Klassenraum, wurde „möbliert“, so dass er als Lern- und Aufenthaltsraum genutzt werden konnte. (So weit der Brandschutz das erlaubte.)

30 Jahre später erfahre ich, was daraus werden kann, wenn Architekten, Schulleitung und Kollegium darüber gründlich nachdenken, ein Konzept entwickeln und das realisieren. Die Grundschule, in der das gelungen ist, steht in Welsberg/Südtirol. Mit Erlaubnis des Schulleiters, Herrn Josef Watschinger, darf ich ein paar Fotos zeigen. Eine Dokumentation wird von Schule und Architekten demnächst ins Internet gestellt.

Architekt Klaus Hellweger sagt: „Qualität entsteht dann,

  • wenn die Architektur das pädagogische Konzept der Schule spiegelt,
  • wenn die Räume und deren Gestaltung die Umsetzung der pädagogischen Philosophie unterstützen und
  • wenn die Räume und Raumgefüge vielfältig bespielbar sind und eine Weiterentwicklung von Schule zulassen.”

Die „Zwischenräume“ zwischen den Klassen sind zum „Herz“ der Schule geworden. Es sind Lernwerkstätten: Jede verfügt über eine interaktive (mobile) Tafel. Die Bibliothek ist in die Lernwerkstätten integriert. Es gibt Lesenischen mit Büchern zum Schmökern. Die Lernwerkstätten haben den Charakter eines Wohnraums. Die Klassenräume und die Lernwerkstätten sind mit flexiblem Mobiliar ausgestattet.

Sicher lassen sich Einwände finden. Den Brandschutz habe ich schon erwähnt. In einer kleinen Schule geht es eher als in einer großen. Wie viele Lernwerkstätten müssen es sein?

Nun, in fortgeschrittenen Grundschulen ist jeder Klassenraum eine Lernwerkstatt. Das hängt aber vom Engagement der jeweiligen Klassenlehrerin ab. Wenn es dagegen wie in Welsberg zu einem pädagogischen Raumkonzept kommt, muss nicht jede einzelne Lehrerin allein versuchen, in ihrem viereckigen Klassenraum eine Lernatmosphäre zu schaffen.

Wer in neuere Waldorf-Schulgebäude geht, sieht, dass es dort so etwas wie eine Piazza gibt, um die herum alle wichtigen Räume angeordnet sind.

Welsberg-Raumpläne und Fotos