Aus meinem Archiv (8)

Der Dichter Günter Grass, der sich auch als Berater Willy Brandts sah, erwähnt in seinem “Loblied auf Willy” eine Idee der SPD im Wahljahr 1965: “Während sich Herr Erhard – der damalige Bundeskanzler – nicht scheut, seine Wahlannoncen in deutschen Zeitungen und Zeitschriften vom Presse- und Informationsamt der Bundesregierung finanzieren zu lassen, haben die Sozialdemokraten ein Beispiel gegeben, wie verantwortlich und legal mit Steuergeldern umzugehen ist: … alle staatliche Wahlfinanzierung (soll) an Bürger zurück in Gestalt von Schulbibliotheken zurückfließen.”

(aus: Tatsachen - Argumente Nr. 164/65, hrsg. v. Vorstand der SPD, Bonn)

Aus meinem Archiv (2)

Unter der Schlagzeile “In den Kindergärten viel zuwenig Bücher” wird die Stiftung Lesen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung v. 27.9. 1998 zitiert. Es geht, wie die Schlagzeile schon besagt, um Bücher in Kindergärten. Am Schluß heißt es: “Unumgänglich sei auch der Ausbau des Bibliothekswesens an(!) den Schulen. Ziel müsse sein, dass jede Schule eine eigene Bibliothek bekomme. In den unteren Klassen sollten darüber hinaus kleine Präsenzbibliotheken eingerichtet werden. Für die Betreuung der Bibliotheken benötige man kein ausgebildetes Personal, sagte (der damalige Geschäftsführer Prof. Dr.) Ring. Diese Aufgabe könnten auch Eltern oder ein Lehrer nebenbei übernehmen.”

Viel mehr kam auch später nicht von der Stiftung Lesen.

Ich hatte Prof. Ring nach dieser Pressemitteilung in meine damalige Schulbibliothek eingeladen, um ihm zu zeigen, dass ein solcher Betrieb nicht nebenbei von Eltern gemanagt werden kann. Vielleicht war es eine Folge dieses Besuches, dass man bei der Stiftung zukünftig wenigstens nicht mehr von Schülerbüchereien, sondern von Schulbibliotheken sprach.

Neue schweizerische “Richtlinien für Schulbibliotheken” jetzt auch online

Die “Richtlinien für Schulbibliotheken” der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der allgemeinen öffentlichen Bibliotheken (SAB) sind in ihrer dritten Aufkage 2014 online.

2009 schrieb ich über die 2. Auflage: “Das empfehlenswerteste Handbuch weit und breit.” Für meine Beratungsarbeit in den Schulen war es unentbehrlich.

(via digithek.ch)

Newsletter 7 der LAG Schulbibliotheken in Hessen e. V. versandt

Der hids-Newsletter 07 2014

Zu den Newslettern 1-7

Die jüngste Mitgliederbefragung hatte ergeben, dass mehr Information gewünscht wurde. Die bisherige Kommunikation umfasste den jährlichen Rechenschaftsbericht des Vorstands, der auch auf die LAG-Homepage gestellt wurde, und die Mailing List “hids” (Hessischer Informationsdienst Schulbibliotheken). Letztere wurde nach 16 Jahren eingestellt und 2013 durch die hids-news ersetzt, die ca. dreimal im Jahr vom Vorstand an alle Schulen und alle Abonnenten versandt werden.

Virtuelle Tour durch australische Schulbibliotheken

Karen Bonanno, die unermüdliche Lobbyistin für Schulbibliotheken verweist auf die Webseite historypin . Dort ist eine virtuelle Rundreise durch australische Schulbibliotheken möglich. 94 Adressen sind versammelt, hinter jedem Startfoto verbirgt sich ein Album mit weiteren Fotos. Da kann man neidisch werden oder eine Studienfahrt planen.

historypin zeigt übrigens Bildersammlungen zu weltweiten architektonischen Sehenswürdigkeiten und historischen Orten.

Neue Schulbibliotheken in Berlin

Der Vorsitzende der Berlin-Brandenburger Schulbibliotheks-AG (AGSBB), Victor Wolter, hat in der Zeitschrift b:sl, Betrifft: Schulleitung, einen Beitrag zu Situation der Berliner Schulbibliothekslandschaft geschrieben und darin mehrere vorbildliche Projekte vorgestellt. Er kommt auf ca. 60 Schulbibliotheken, die in den vergangenen zehn Jahren entstanden sind.

Aus aktuellem Anlass: Killerphrasen

Wir versuchen es unverdrossen immer wieder: Mit Parteien und Regierung über Schulbibliotheken zu reden. Manchmal ist es ein gutes Gespräch, wir stoßen auf Interesse, es ergibt sich eine parlamentarische Anfrage. Es gibt Politiker/-innen, die zuhören können und Fraktionsmitarbeiter/-innen, die mitschreiben. Im Großen und Ganzen aber beißen wir auf Granit. Zu den beiden vorhergehenden Ministerinnen bekamen wir gar keinen Kontakt mehr, der neue Minister bietet uns seinen Staatssekretär als Gesprächspartner an.

Wir wollen Schulbibliotheken als innerschulische Einrichtungen fördern. Das wäre ein fundamentaler Wandel des Ist-Zustandes.

Es gibt in den Gesprächen durchaus Nuancen der Ablehnung und unterschiedliche Grade des Interesses für unser Anliegen. Abgewimmelt werden wir jedoch nahezu immer mit dem Verweis auf die Vereinbarung der Zusammenarbeit des Kultusministeriums mit dem dbv zu Gunsten der öffentlichen Bibliotheken und auf das einzig mögliche Ziel, nämlich mehr kombinierte Stadt- und Schulbüchereien. Das fällt – zur Erleichterung der Gesprächspartner – nicht in die Zuständigkeit des Landes.

Das Sprachrohr dieser Vereinbarung ist das sog. “Forum Schulbibliothek”. Dessen Sprecher, ein Bibliothekar der Landesfachstelle für öffentliche Bibliotheken, versucht, die hessischen Landkreisverwaltungen zu überreden, die eine oder andere Kombibibliothek zu planen.

Wie die Fraktionsgespräche ausgehen, können wir im Schlaf aufsagen. Ein Freund und Mitstreiter hat die Antworten, die wir seit 25 Jahren – wörtlich! – hören, einmal zusammengestellt:

a) Wir sind nicht zuständig

b) Davon steht nichts im Schulgesetz

c) Wir machen doch schon freiwillig so viel

d) Wir haben euch doch schon immer unterstützt

e) Für die Ausstattung sind doch die Schulträger zuständig

f) Der Landkreistag macht uns die Hölle heiß, wenn wir uns einmischen

g) Wir müssen Lehrerstunden für den Unterricht einsetzen, nicht für die Verwaltung

h) Wir sind sehr für die Unterstützung der ehrenamtlichen Arbeit der Eltern in den SBs

i) Wir müssen Rücksicht auf die öBs nehmen

j) Wir unterstützen doch die Kooperation von SBs und öBs

k) Wir haben doch das “Forum”, in dem alles geregelt wird

l) Brauchen wir SBs, wo es doch öffentliche Bibliotheken gibt?

m) Wir haben eine Haushaltssperre bzw. Das Land ist sowieso schon verschuldet.

n) Die bisherige Praxis und Aufgabenverteilung hat sich bewährt

o) Projekte und die Medienausstattung werden doch aus dem Lernmittelbudget als freiwillige Leistung gefördert

p) Zum Zweck der Beratung von Schulen werden doch entsprechende Abordnungsstunden zur Verfügung gestellt

q) Mit dem zuständigen Fachreferat für Lernmittel und Medien im HKM existiert doch der Ansprechpartner

r) Die Schulen können doch ihre Deputatstunden verstärkt für Schulbibliotheken einsetzen

s) Die Lehrerversorgung von 105 % schafft doch ausgezeichnete Rahmenbedingungen

t) Die weitreichende Selbständigkeit und Handlungsfreiheit der Schulen gibt doch einen ausgezeichneten Rahmen

u) Die Schulbibliotheken sind doch im Hessischen Bibliotheksgesetz “verankert”

v) Das ist alles sorgsam austariert

Vor langer, langer Zeit hatte ich ein Gespräch mit dem seinerzeitigen Wissenschaftsstaatssekretär. Dessen Ministerium stellte sich beim Thema Schulbibliotheken immer tot. Der Staatssekretär war für einen Politiker vergleichsweise jung, galt als burschikos und aufgeschlossen. Wir vereinbarten, weiteren Kontakt zu halten. Das hatte er offenbar vergessen, als ich brieflich das Gespräch nachbereitete. Ich kam mir vorgeführt vor, weil er unseren Gesprächsinhalt, den ich zusammengefasst hatte, völlig zu vergessen haben schien. Daraufhin schickte ich ihm ein Blatt mit dreien der obigen Antworten. Er möge eine ankreuzen und mir zusenden. Das empfand er wiederum als Majestätsbeleidigung.