Fotos vom anderen Ende der Welt

Auf dem Globus liegt Australien am anderen Ende der Welt, genau gegenüber von Deutschland. Die Australier könnten dasselbe also über uns sagen. Womöglich mit größerer Berechtigung, zumindest was Schulbibliotheken angeht.

Judy O`Connell, Head of Library and Information Services im St Joseph’s College, einer katholischen Jungenschule in Sydney, Australien, Beraterin für die 80 Schulen des Bistums, Mitherausgeberin des IASL-Magazins “School Libraries Worldwide”, Autorin des Schulbibliotheksweblogs “HeyJude”, wechselt als wiss. Mitarbeiterin an die erziehungswissenschaftliche Fakultät der Charles-Sturt-Universität in Sydney, Bereich “School of Information Studies”.

(Dieser Vorspann auch deswegen, um zu zeigen, was es auf der Welt so alles gibt.)

Sie hat Fotos von Ihrer Schulbibliothek in Flickr gestellt. Am besten gleich auf Seite 2 gehen und dort die zweite Hälfte der Fotos betrachten. Die vorhergehenden zeigen den alten Zustand und die Umbauphase.

Foto: Judy O´Connell, St. Joseph´s College, Sydney

Die australischen Privatschulen, die weit verbreitet sind, geben für ihre Mediatheken dreimal so viel aus wie die Staatsschulen und haben durchschnittlich zwei teacher-librarians. Die  Staatsschulen bauen Personal in den Schulbibliotheken ab.

Schulbibliothekare für das 21. Jahrhundert

Auf dem Bibliotheksforum Südtirol in Bozen Ende November 2010 durfte ich den Einführungsvortrag halten . Man feierte man den 20. Geburtstag des Südtiroler Schulbibliotheksgesetzes:
Mit dem letzten Button rechts auf der Unterkante kann der Text auf Bildschirmgröße gestellt werden.
Hier ein Auszug:
Gesucht wird von einem College in Sydney, Klassen 5 – 12, ein:
Abteilungsleiter digitales Lernen und Informationsdienstleistungen
Aufgabe:
  • Leitung der Collegebibliothek und der Mitarbeiter/innen im Bereich Informationsdienstleistungen. Beide Bereiche (also Bibliothek und Information) sind für pädagogische, fachliche und digitale Dienstleistungen  zuständig.
  • Zusammenarbeit mit dem Abteilungsleiter EDV beim Auswählen, Entwerfen, Entwickeln von digitalen Lernprogrammen.
  • Zusammenarbeit mit Fachbereichsleitern beim digitalen Lernen
  • Sicherstellen, dass Schüler und Lehrer digitale Ressourcen zur Verfügung haben und beim Medieneinsatz kompetente Unterstützung finden,
  • … dass die Bibliothek auf die Bedürfnisse der Lehrenden und Lernenden zugeschnitten ist…
  • Die Unterrichtsverpflichtung beträgt 20% der Arbeitszeit.
Voraussetzungen:
  • Ausbildung als teacher-librarian,
  • Unterrichtspraxis (classroom teacher),
  • Erfahrung im Bereich digitales Lernen
Erwünscht:
  • Qualifikation in EDV und Lehrplanentwicklung
Eigenschaften:
Das muss man in Englisch lesen! :-)  Innovative, excellent communication skills, leadership, excellent management skills. Der Abteilungsleiter untersteht (direkt) dem Schulleiter. Wie alle Collegemitarbeiter/innen wird der Abteilungsleiter regelmäßig beurteilt.
Zur  Quelle

Kaum bin ich aus Bozen zurück, finde ich bei Joyce Velenza das “Handbuch” für meine Vision des Schulbibliothekars des 21. Jahrhunderts.

Schulbibliotheken: Ein deutscher Sonderweg

Ein hochaktueller Text aus dem Jahr 1993:

Ein Blick über die Grenze. “Dreams and Dynamics” – Schulbibliothekare international

Vom 26. bis 30. September 1993 fand in Adelaide (Australien) die 22. Konferenz der IASL, des Internationalen Schulbibliotheks­verbandes, statt. Unter dem Titel “Dreams and Dynamics” wurde die diesjährige Konfe­renz als gemeinsame Jahrestagung mit dem australischen Schulbibliotheksverband durch­geführt. Mehr als 400 Delegierte aus 23 Ländern waren als Teilnehmer registriert, denen ein dichtes, oft allzu komprimiertes Programm geboten wurde. Von einem Teil­nehmer, den sowohl die internationale Ent­wicklung wie Informationen über das austra­lische Schulbibliothekswesen interessierten, forderte das Programm mit vielen parallel stattfindenden Veranstaltungen immer wie­der sich pro und zugleich contra zu entschei­den.

“Dreams and Dynamics”: Wie kann aus Vorstellungen von einer schülergerechten, offenen Schule aktives Handeln zur Rea­lisierung einer modernen Schule werden, zu der selbstverständlich auch eine angemessen ausgestattete Schulbibliothek gehört? Wel­che gemeinsamen Ideen und Erfahrungen sind vorhanden? Welche Handlungsstrategi­en müssen entwickelt werden, um aus Wunschvorstellungen Realität werden zu las­sen?

In Australien ist es offensichtlich weitge­hend gelungen, theoretische Überlegungen zur Schulbibliothek in der schulischen Praxis auch zu realisieren und funktionsgerecht aus­gestattete Schulbibliotheken zur selbstver­ständlichen Einrichtung an jeder Schule ‑ mit Ausnahme einiger Zwergschulen im Outback ‑ zu machen. Nicht jede als kombinierte Öffentliche und Schulbibliothek oder als schu­linterne Bibliothek geführte Einrichtung könn­te wohl auch nach unseren Kriterien Schulbi­bliothek genannt werden. Es gibt aber immer einen regelmäßigen Etat für die Bibliothek, es gibt einen nennenswerten Buchbestand und es gibt Personal, in aller Regel Lehrer, die bibliothekarische Kenntnisse in einem Fortbildungsprogramm erworben haben. Die Ausstattung der Schulbibliotheken in Austra­lien und ihre Integration in den schulischen Unterricht und in das Schulleben ist sicherlich vergleichbar mit den Gegebenheiten in Dänemark, das für uns in der Bundesrepublik immer noch als Schulbibliotheksparadies gilt.

Schulbibliotheken stehen in Australien nicht nur auf einem hohen Niveau, auch ihr Stellenwert bei Lehrern, Bibliothekaren und Eltern ist offensichtlich sehr hoch. Auf der Tagung referierte beispielsweise der Direk­tor der australischen Nationalbibliothek. Wäre Vergleichbares bei uns denkbar? Au­stralien schickt Schulbibliothekare für mehr­jährige Projekte in Länder im Pazifik, die dort beim Aufbau von Schulbibliotheken Hilfestel­lung geben sollen, jeder bei uns weiß, dass an vergleichbare Projekte der Bundesrepublik, etwa für osteuropäische Länder, nicht zu denken ist.

In der internationalen Diskussion ‑ das machte diese Tagung erneut deutlich ‑ gelten einige Fragen, die in der Bundesrepublik nach wie vor kontrovers diskutiert werden, längst als geklärt. Insbesondere fällt immer wieder auf, dass international die pädagogischen Aspekte schulbibliothekarischer Arbeit stark betont werden. Die Schulbibliothek ist keine Ausleih‑Bibliothek mit traditionellen biblio­thekarischen Funktionen. Sie besteht viel mehr aus einer Zahl von pädagogischen Funk­tionen, so ist sie ein “social‑center” für Schüler und Lehrer, aber auch für Eltern und Vorschulkinder. Dementsprechend stehen nicht Katalogisierungsfragen und andere bi­bliothekstechnische Fragen im Vordergrund der Diskussion, sondern praktische Proble­me der Zusammenarbeit von Lehrer und Schulbibliothekar mit der Frage “Wie wird der Schulbibliothekar den Bedürfnissen der Lehrer gerecht?” oder “Wie kann eine ge­meinsame Unterrichtsplanung, von Lehrer und Schulbibliothekar, reibungslos und erfolgreich sein?”

Aus diesem Verständnis von Schulbi­bliothek als einer pädagogischen Einrichtung ergibt sich ‑ auch hier besteht international große Einigkeit ‑, dass der Schulbibliothekar in erster Linie Lehrer sein muss, der zwar biblio­thekarische Kenntnisse, aber keine entspre­chende Vollausbildung benötigt. Wie jeder weiß, wird demgegenüber bei uns die biblio­thekarische Komponente der Schulbiblio­theksarbeit stark betont. Ein Weg, der nicht sehr erfolgreich war. wie man nach nahezu 25 Jahren Schulbibliotheks‑”entwicklung” in der Bundesrepublik wohl konstatieren muss. Wann probieren wir, andere Wege zu ge­hen?

Reinhold Heckmann

aus: Arbeitshilfen – Schriftenreihe für die Zentralen Schulbibliotheken in Rheinland-Pfalz, Heft 24, Mai 1994 (Zuerst 1993 in der heute nicht mehr existierenden “schulbibliothek aktuell” veröffentlicht.) Kurt Cron war so freundlich, den Text zu scannen, da meine Papierkopie nach 15 Jahren etwas verblichen aussieht.)

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