Zweiter Kooperationsvertrag in Brandenburg?

Einer Pressemitteilung (zuletzt angesehen am 15.7.) des Ministeriums ist zu entnehmen, dass erneut eine Kooperationsvereinbarung zwischen dbv und dem Bildungsministerium unterzeichnet wurde.

Wie schon in dem Vertrag von 2002 ist das Ziel, dass die öffentliche Bibliotheken und Schulen zu “strategischen Partnern” beim Lesen lernen werden. Von Schulbibliotheken ist im Vertrag von 2002, wie bei derartigen Vereinbarungen zur Kooperation von Bibliothek und Schule fast üblich, nicht die Rede. Aber das Ministerium weist in der Pressemitteilung darauf hin, dass es den Preis “Brandenburger Schulbibliothek des Jahres” gibt und in 490 von 750 Schulen eine Bibliothek.

Der neue Vertrag ist bisher weder beim dbv noch beim Ministerium online einsehbar. Der erste Vertrag hatte anscheinend keine messbaren Auswirkungen auf das PISA-Lesekompetenzenergebnis der Brandenburger Schülerinnen und Schüler.

Das Konzept solle im kommenden Schuljahr greifen. Es sähe unter anderem Besuche von Klassen in Bibliotheken und das Organisieren von Leseveranstaltungen in Schulen vor. Wo da jetzt das Neue ist, vermag ich noch nicht zu erkennen.

War die Vereinbarung von 2002 so schlecht, dass sie jetzt erneuert werden muss?

Vielleicht ist das das Neue: “Vor allem Kinder aus bildungsfernen Haushalten machen um die Bibliotheken eher einen Bogen und werden von den Eltern wenig oder gar nicht dazu angeregt, etwas zu lesen.»Wenn sie aber in der Klasse die Bibliothek besuchen, dann können wir sie fangen«, glaubt Cornelia Stabrodt vom Bibliotheksverband.” (ND v. 4.7.11)

Wiedervorlage 2020?

Update 5.7.: Die Pressestelle des Ministeriums antwortet erst einmal nicht auf meine Anfrage. Aber das “Neue Deutschland” weiß es genau: Dort wird von Aktualisierung der Vereinbarung von 2002 gesprochen. Das stand nicht in der Pressemitteilung des MBJS. Beim dbv-Landesverband gibt es online weder eine Pressemitteilung noch die Vereinbarung (Stand 5.7.11).

Update 9.7.: Der ND-Journalist antwortet mir , er hätte die Kenntnis aus einer Pressekonferenz der Ministerin. Warum steht das dann nicht in der Pressemitteilung und warum verkündet die Ministerin als Neuheit, was schon in der Vereinbarung von 2002 stand?

Update 13.7.: Im Ministerium wird mir geraten, ich solle doch den dbv nach dem neuen Vertrag fragen!

Update 1.8.: Das Ministerium stellt mir die neue Vereinbarung zur Verfügung.

Sie ist kürzer: 1,3 statt 3 Seiten. Unterstützungsangebote für die Lehrerfortbildung (Punkt 3.3 im Vertrag von 2002) und die Landesfachstelle f. Archive und öff. Bibliotheken (Punkt 3.4) werden nicht mehr erwähnt.

Jetzt gibt es einen Anhang, ein Formular für Vereinbarungen zwischen Schule und öffentlicher Bibliothek. Die Aufgaben der Schule umfassen 9 Punkte, die der öB 12 Punkte. Auch für Ganztagsschulen wird die Kooperation mit der öB empfohlen. Die Bibliothekar/-innen verpflichten sich zu ständiger Fortbildung, um die besonderen Anforderungen der Kooperation mit der Schule in hoher Qualität erfüllen zu können. Wo sie das tun, ist nicht Gegenstand der Vereinbarung.

Es gilt für mich weiterhin: Viel heiße Luft. Der Zusammenhang zur PISA-Lesekompetenz, der als Begleitmusik immer erwähnt wird, ist naiv.

Auch wenn der dbv erneut, im Gegensatz zu den aktuelleren Beteuerungen seiner Funktionär/-innen die Schulbibliotheken nicht zur Kenntnis nimmt, weiß das MBJS sehr wohl, dass es sie gibt. Das gibt Anlass, optimistisch zu sein.

Generell noch ein Wort zu den Kooperationsvereinbarungen: Eigentlich müssten die Kommunen diese Vereinbarung unterschreiben. Das Ministerium verweist darauf, dass die Schulen und die Bibliotheken kooperieren. Das Land ist nicht zuständig, das hat mir MP Platzeck schon vor Jahren schreiben lassen. Dem Land kann egal sein, was in dem Kooperationsvertrag steht. Es ist ja nicht zuständig.

Vielleicht hätten die die Kommunen solche “Verträge” auch gar nicht erst abgeschlossen. Es gibt Verwaltungsrechtler, die den Kopf schütteln, wenn zwei nicht bzw. beschränkt rechtsfähige Einrichtungen wie  Schule und Stadtbibliothek Verträge abschließen.

 

Brandenburg: Landtagsanfrage zu Schulbibliotheken

Das Bildungsministerium in Potsdam hat eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Jens Lipsdorf zu Schulbibliotheken beantwortet. Damit wurden immerhin zum zweiten Mal in 20 Jahren Schulbibliotheken im brandenburgischen Landtag erwähnt.

Fragen und Antworten in der Landtagsdokumentation unter 5/354 als pdf-download.

Die Antwort enthält nichts Neues:

Das Ministerium ist nicht zuständig.

Die Schulträger entscheiden, ob sie tätig werden oder nicht.

Der Beitrag der Schulbibliothek zur Verbesserung von Schülerleistungen sei nur ein Faktor unter vielen.

Von Interesse könnte die Verbindung von Schulbibliothek und Lernmanagementsystemen sein.

Nebenbei gefragt: Gibt es eigentlich eine Untersuchung, die eine signifikant  leistungsfördernde Wirkung der Computeraustattung der Schulen in den vergangenen 25 Jahren (Ich schätze mal: 10 Milliarden €) herausgefunden hat?  (Es gibt. Aber es gibt genauso viele, die das Gegenteil herausgefunden haben.)

Immerhin beschreibt das Haus, dass es im Zusammenhang mit der Ausschüttung der verschiedenen EU- und IZBB-Mittel deutlich auf Investitionsmöglichkeiten im Schulbiblio- und Schulmediotheksbereich hingewiesen und Anregungen gegeben hat.

Mehr DDR-Geschichte in der Brandenburger Schule

Eine Schülerin aus Fürstenwalde beklagte sich bei Bildungsminister Rupprecht, dass dieser Teil der Geschichte kaum im Unterricht vorkomme. Rupprecht wies die Vorwürfe zurück.
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