Digital oder analog: Wie lesen Schüler lieber?

In der hessischen LAG schieben wir die Idee, einer Schulbibliothek zwei Dutzend E-Reader zu geben, E-Books draufzuladen und zu beobachten, was passiert, schon lange vor uns her. Das liegt ausnahmsweise nicht am fehlenden Geld, sondern an den Copyrightfragen. Dieses Thema ist uns etwas zu unübersichtlich, außerdem hat niemand richtig Zeit, die Sache in die Hand zunehmen.

Für das Buch “Die Schulbibliothek im Zentrum” habe ich versucht, eine Schulbibliothek in Deutschland zu finden, die das schon macht. Einen Austausch zwischen Schulbibliotheken gibt es nicht ernsthaft, erfahren habe ich jedenfalls nichts. Im Buch stelle ich stattdessen “Brain Hive” vor, eine US-Firma, die ein Konzept für unbürokratische E-Book-Ausleihen ohne Warteliste entwickelt hat und in Schulen erfolgreich ist.

So viel als Einleitung. Weiterlesen

Mit Videoclips zum Lesen anstiften

Seit fünf Jahren sponsern amerikanische Verlage das Projekt “Storytubes”. Es geht um Book trailer, Videoclips, auf denen Kinder- und Jugendliche sagen, warum ihnen ein Buch gefällt. Hier die Gewinner des Wettbewerbes im Jahr 2012. Sehenswert, auch wenn man nicht jedes Wort versteht.

Mich freut, dass Susan Hinton und Norma Mazer noch immer gelesen werden.

Ob es einen Zusammenhang zu dem Book-Trailer-Projekt des umtriebigen School Library Journal gibt, auf das ich 2010 hingewiesen habe, ist mir nicht klar, wäre aber auch nicht wichtig.
Kleine Reminiszenz: Als 1996 zum ersten Mal Schulbibliothekslehrer auf einem Lehrgang der hessischen Lehrerfortbildung von den Medienpädagogen Hans Günther Brée und Jochen Hooss lernten, wie man Videdoclips zur Leseförderung selbst macht, wurde anfänglich gefragt: “Was hat denn Lesen mit Video zu tun?” oder: “Ich dachte, auf dem Lehrgang geht´s um Lesen.” Am Schluss hatten alle an einem Clip mitgearbeitet und konnten eine Kassette mit allen Videoclips mit nach Hause nehmen.

Lesen in den naturwissenschaftenschaftlichen Fächern

Das Berlin-Brandenburger Institut für Schule und Medien LISUM hat einen Projektbericht zum Lesen in den Naturwissenschaften veröffentlicht. Mehrere Schulen (Grundschule bis S II) haben Beispiele dafür erarbeitet, wie Lesen in naturwissenschaftlichen und mathematischen Zusammenhängen trainiert werden kann.

Vielleicht können fitte Schulbibliothekar/-innen Anregungen finden, wie sich die Schulbibliothek/-mediothek dabei nützlich machen kann. Auf den letzten drei Seiten, ab S. 70, finde ich beim Überfliegen Anhaltspunkte. Und wieder was gelernt: “Diagrammkompetenz”.

Danke an Frau Weyrauch für den Hinweis

Wichtige Kinder- und Jugendbücher der 50er bis 80er Jahre

Die Liste, die ich hier (endlich) digitalisiert habe, stammt von Helga Macht von der Katholischen Erziehergemeinschaft.

Basedow1764 ist für mich auch ein Archiv, in dem ich – hoffentlich – schneller fündig werde als in meinen Papierordnern. 

Die hessischen Schulbibliotheken des Jahres 2011

In drei Bundesländern findet 2011 der Wettbewerb um die kreativste Schulbibliothek statt: Hessen, Berlin und Brandenburg. Die Absicht ist, auf Schulbibliotheken und ihr Potential für gute Schule und besseren Unterricht aufmerksam zu machen.

Schulbibliotheksmenschen fördern nahezu täglich das Lesen. Wenn das Tivoli der prominenten Leseförderer, für die die Scheinwerfer angehen und der rote Teppich ausgerollt wird, längst wieder geschlossen ist, gehen die Aktionen in den Schulbibliotheken weiter: Antolin, Vorlesewettbewerb, Lesepatenschaften, Buchvorstellungen, Lesungen, Lesenächte, freie Lesezeit, Lesetagebücher, Leseportfolios, Recherchetraining, Hausaufgabenbetreuung.

Die Wettbewerbsbeiträge der hessischen Schulen aus den Jahren 2009 und 2011 zeigen, was alles stattfindet, wie viel Arbeit darin steckt. Sie lassen aber auch den Spaß an der Produktion der Präsentation erahnen und am Ende das Staunen darüber, was man alles zu bieten hat!

Die Botschaft des Wettbewerbs kommt an: Die Schulbibliotheken, Schulmediotheken, Informationszentren stehen jetzt auf der Schulhomepage. Der Wettbewerbsbeitrag macht die Bibliothek in der Schulgemeinde sichtbarer.

Hier eine Auswahl besonderer Akti­vitäten von hessischen Wettbewerbsschulen:

  • Lesepaten Oberstufe – Grundschule
  • Harry-Potter-Nacht
  • Das Kollegium liest vor, der Schulleiter liest vor
  • Die „Leseoase“ ist aufgeteilt in Fantasie-, Denker-, Konzentrations- und Wissensecke
  • Lesestelen auf dem Schulhof (Säulen mit Displays)
  • Lesemarathon
  • Lesefrühstück
  • Vorlesen im Krankenhaus
  • Monatsrätsel
  • Kuchen in Buchform backen
  • Internetauftritt wird von einer 6. Klasse gestaltet
  • Abitur-Regal
  • „Sofasektor“
  • Individuelle Beratung für Leser/-innen
  • 10. Schuljahr organisiert eine Autorenlesung
  • Zeitungswand
  • Intensive Kooperation mit der Stadtbücherei
  • „Schubi“ auf dem Schulhof
  • Feste tägliche Lesezeiten in den Klassen
  • Inszenierte Buchvorstellungen, Bücher-Talkshows
  • Bilinguale Lesungen (türkisch, serbisch, italienisch, englisch …)
  • Jugendliterarisches Bistro
  • „Leseband“: Vorlesen an öffentlichen Orten in der Gemeinde

Laptops und Smartboards sind nichts Besonderes mehr, WebOPACs gibt es schon in 80 hessischen Schulen und demnächst einen gemeinsamen Hessen-OPAC.) Auch die Aufgaben­beschreibung im Schulprogramm, im schulischen Lese- oder Förderkonzept wird zur Regel.

Öffentlichkeitsarbeit für Schulbibliotheken

Der Wettbewerb ist Öffentlichkeitsarbeit für Schulbibliotheken, auch innerhalb der Schule. Es geht nicht um Evaluation und Ranking. Daher wird auch kein Kriterienkatalog abgearbeitet und Einzelaspekten ein Prozentanteil zugeordnet. Es wird auch nicht nach Schulformen unterschieden, obwohl es Gründe dafür gäbe. Grundschulen entwickeln fanta­sie­volle Leseförderungsprojekte. Gymnasien realisieren anspruchsvolle Literaturprojekte. Erfreulich ist, dass die Teil­nehmer aus verschiedenen Schulformen kommen und das sogar ziemlich ausgewogen.

Beim Wettbewerb um die Schulbibliothek des Jahres sollten sich alle als Gewinner betrach­ten, auch wenn nur eine Schulbibliothek den Preis erhält. Es gewinnen alle Schul­biblio­theken, weil deutlich wird, welchen großartigen Beitrag sie zur Qualität von Schule und Unterricht leisten.

Jetzt ist die Entscheidung über die Preisträger gefallen. Es wurden zwei 1. Preise à 1000 € durch Losentscheid ermittelt.

Bei der hohen Qualität aller Einsendungen schien die Auswahl eines Preisträgers und die Ermittlung einer Rangfolge als nahezu unmöglich. Der LAG-Vorstand müsste abwägen zwischen Schulbibliotheken mit hauptamtlichen Mitarbei­terinnen und den von einer Eltern­gruppe organisierten, zwischen täglichen und gelegentlichen Öffnungszeiten, zwischen einem Bestand von 600 und von 20000 Medien, zwischen einem Gymnasium und einer Grund­schule. Die Meßlatte war, bei Beachtung unterschiedlicher Rahmenbedingungen (Schul­typ, Schulgröße, Kooperationen), was erreicht werden kann und was erreicht wurde. Besonders wichtig dabei war die Integration der Bibliothek in den Schul- und Unterrichts­betrieb. Indikatoren für diese Integration waren auch das Vorhandensein und die Auffind­barkeit der Schulbibliothek auf der Schulhomepage.

Die beiden Gewinner:

Steinwaldschule Neukirchen (IGS): Die Mediathek verfolgt ein ambitioniertes medienpädagogisches Konzept, das nicht nur die Bereitstellung von Medien umfasst, sondern auch Produktion und Präsentation. Ein wichtiges Arbeitsinstrument ist die digitale Schultasche, ein Stick, auf dem jeder Schüler Software findet, mit der er in der Mediathek und am häuslichen Computer arbeiten kann. Daneben wird die klassische Leseförderung nicht vernachlässigt: Es gibt eine Lesepause, in der aus Jugendbüchern vorgelesen wird.

Rudolf-Steiner-Schule Dietzenbach (K-12): Die Schule macht keinen Hehl aus ihren beschränkten Möglich­keiten: Lesen auf dem Flur, die Bücher lagern teilweise in Kisten und Schränken. Bald kann man in einen Anbau umziehen. Die Freude ist den engagierten Eltern anzusehen. Und dann steht ein leibhaftiger Schulleiter in dem leeren Anbau und schildert, was dort zukünftig stattfinden wird. Das alles als mutiger Videoclip.

Zur Preisübergabe lädt die Hessische Kultusministerin Dorothea Henzler am 5.5. ins Kultusministerium ein.

Die beiden Gewinner werden benachrichtigt. Die 12 “zweiten Preisträger” erhalten als Dankeschön fürs Mitmachen die “Fantasy-Bibliothek”  (Sekundarstufenschulen) oder die “Kinderhörbücher-Kassette” (Grundschulen) der Süddeutschen Zeitung.

Die Dokumentation des Wettbewerbs (pdf, 500kb)

Update 15.5.11: Es war eine freundliche Geste der Ministerin, selbst den Preis an die beiden Gewinnerschulen zu überreichen. Die Schulbibliotheken werden auf der Arbeitsebene des Ministeriums schon seit Jahrzehnten nicht vernachlässigt, bei aller Betonung der gesetzlichen Nichtzuständigkeit (In Stein gemeißelt ist die ja nun auch nicht gerade.) Aber dass die Ministerin einlädt, ist schon etwas Besonderes.

Basedow1764 gießt aber gleich wieder Wasser in den Wein:

Für die Ministerin ist die Schulbibliothek eine Institution der Leseförderung. Dort werden Bücher ausgeliehen und gelesen. Dass sie darüber hinaus eine Rolle als Lernort haben, als Ort der Vermittlung von Medien- und Recherchekompetenz ist über Fachöffentlichkeit hinaus wenig bekannt. Daran vermochte auch die LAG Hessen, die seit einem Vierteljahrhundert Schulbibliothek als Wissenszentrum, Lernort und pädagogische Werkstatt praktiziert und propagiert, nichts zu ändern. Wenn wir im Kopf eines Ministers waren, war die Legislaturperiode vorbei und ein neuer kam.

Dabei ist gerade die Steinwald-Mediathek ein hervorragendes Beispiel für ein Medien- und Informationzentrum.

Da müssen wir, bei aller Dankbarkeit für die Veranstaltung, noch mehr Überzeugungsarbeit leisten.

Hessische Schulbibliothek des Jahres 2011: Die Schätze werden gehoben

Es gab zwar weniger Einsendungen als beim ersten Mal im Jahre 2009. Alle 14 Einsender/-innen haben aber Wettbewerbsbeiträge geschickt, die es in sich haben. Wie viel Arbeit darin steckt, aber auch wie viel Spaß an der Produktion und am Schluss ist man erstaunt, was da alles in der Bibliothek stattfindet!

Die Botschaft des Wettbewerbs kommt an: Die Bibliotheken, Mediotheken, Informationszentren stehen auf der Schulhomepage! Das war vor zwei Jahren noch nicht bei allen der Fall. Sie sind für die Schulgemeinde sichtbarer geworden.

Einige werden erst einmal bloß genannt  oder sind mit Fotos vertreten. Aber der Anfang ist gemacht. Manche sind schon sehr beeindruckend. Sie enthalten die wesentlichen Informationen über Öffnungszeiten, den WebOPAC, die Medienausstattung, das Programm, die Lesetrainings- und Leseförderungsangebote, Neuerwerbungen und Veranstaltungshinweise. Aber auch Fotos und Berichte von Lesungen und anderen Veranstaltungen.

Der Wettbewerb könnte sich dahin entwickeln, dass die Bibliothekseiten oder Teile davon Gegenstand der Ausschreibung Wettbewerbs werden. Zwei Schulen haben das schon so gemacht. Bei ihnen ist der Wettbewerbsbeitrag teil der Schulbibliotheksseite auf der Schulhomepage.

Das wäre eine Idee für die anderen: Die ausnahmslos beeindruckenden Einsendungen oder Teile davon könnten zukünftig auf der Homepage davon künden, was für ein Leben in der Schulbibliothek herrscht. (Für die kombinierten Bibliotheken gilt das ohne Weiteres entsprechend. Zwei kombinierte Bibliotheken haben teilgenommen.)

Aber 2011 war die Nennung der Bibliothek auf der Homepage nur Teilnahmebedingung. Die Art und Weise ist nicht Teil der Bewertung.

Es lohnt, einmal einige Webseiten der Schulbibliotheken anzuklicken und sich anregen zu lassen.

IGS: Integrierte Gesamtschule,  KGS: Kooperative Gesamtschule, SII: Gymnasiale Oberstufe 11-13, RS: Realschule; K – 12: Kindergarten bis Abitur

Diese Miniaturfotos stammen aus den Wettbewerbsbeiträgen:

In Arbeit sind

  1. eine Aufstellung der Aktivitäten in den Wettbewerbsschulbibliotheken,
  2. und die Wahl eines Siegers.

Die Preisübergabe (2000 €) wird im Mai sein.

Der Wettbewerb wird unterstützt von “Der Bildungspate e.V.

Update: Die Entscheidung ist gefallen!