In jedem brandenburgischen Landkreis gibt es einen Superlehrer

Die brandenburgische Landesregierung kürte wieder die Superlehrerinnen bzw. Superlehrer des Jahres. Pädagogen hätten einen der schwierigsten und verantwortungsvollsten Berufe, erklärte Ministerpräsident Platzeck anlässlich der Ehrung. Weiterlesen

Preisgekrönte Pädagogen

überschreibt die Märkische Allgemeine einen Bericht über die erstmalige Auszeichnung von Lehrer/-innen durch das  brandenburgische Bildungsministerium, den Landeslehrer/-innenpreis. Aus jedem Landkreis eine Person.

Ich sehe das mit gemischten Gefühlen. Zum einen erinnert es mich an einen Schaukasten auf dem Frauenplan in Weimar. Dort las ich 1986: “Der Rat des Kreises verleiht Rektor XY einen Verdienstorden, weil er in hervorragender Weise sein Pädagogenkollektiv geformt hat.” Zum anderen: Wenn die, die für Arbeitsbedingungen, Arbeitszeit und Bezahlung von Lehrern verantwortlich sind, Wettbewerbe ausschreiben, Preise, oder Ehrenurkunden verteilen, anstatt die Arbeitsbedingungen zu verbessern, machen Sie, bzw. ihre Kommunikationsabteilungen, es sich einfach. PR-Kampagnen sind billiger als die Verbesserung der Infrastruktur. “Lehrer ist ein schöner, aber schwerer Beruf”, zitiert die Zeitung Ministerpräsident Platzeck. Er verspricht sich von der Urkundenverteilung eine Imageverbesserung für die Lehrkräfte. Mehrere Preisgekrönte weisen daraufhin, dass an ihrer Schule viele diese Ehrung verdient hätten.

Mir wird gesagt, in Hessen hätte es das auch schon gegeben. Das  muss an mir vorbeigegangen sein. (Nicht nur die Urkunde, sondern auch das Nominierungsverfahren.) In Hessen erinnert jedes Jahr in den Sommerferien erneut eine Pressemitteilung der Jugendorganisation der FDP daran, endlich Leistungszulagen für Lehrkräfte einzuführen. Was die JiLis anscheinend übersehen: Das Ministerium ist dazu seit bald einem Jahrzehnt berechtigt. Was hindert die Verteilung? Die Erfahrungen in Bayern? Die Schwierigkeit der Objektivierung von Lehrerleistung?

Da ich als Nachfolge des Preises für die beste Schulbibliothek gerne einen Preis für die/den beste/n Schulbibliothekar/-in ausloben würde, frage ich mich, ob die o.a. Kritik dazu im Widerspruch steht. Ich sehe das nicht: Der Auslober wäre nicht der Arbeitgeber. Absicht wäre nicht zuletzt, die Arbeit in Schulbibliotheken dadurch bekannt zu machen. Bei Lehrern hat jeder eine Vorstellung von dem, was sie tun bzw. nicht tun.

Lehrerarbeitszeit in den Bundesländern im Vergleich

Die aktuelle KMK-Übersicht, übernommen vom Blog “Lehrerfreund“.

29 Stunden in der Grundschule, 28 in der Realschule, es ist unfassbar.

Arbeitszeitmodelle wie in Dänemark, mit denen man flexibel und differenziert den Lehrereinsatz in der Schule gestalten könnte, hatten in Deutschland keine Chance. (Ausnahme s. u.) “Eine Stunde weniger für alle” war schon vor 40 Jahren die Parole der GEW.

Ich bin mal gespannt, wie man angesichts der Pensionierungswelle in diesem Jahrzehnt Nachwuchs gewinnen will. Gegenseitig wegnehmen hilft auf Dauer wohl nicht.

Ähnlich wie bei den Schulbibliotheken ist Hamburg auch bei der Lehrerarbeitszeit innovativ. Die Unternehmensberatung, die das Hamburger Arbeitszeitmodell von 2003 evaluierte, kommt zu diesem Schluss:

“Die stärkere Einbeziehung der früher „nicht sichtbaren“ Zeiten in eine explizite Definition und Strukturierung von Lehrerarbeitszeit hat sie der bewussten Disposition durch die Schulleitung zugänglich gemacht. Damit haben Aufgaben, die früher von einigen Lehrkräften freiwillig neben ihrem Unterrichtsdeputat erledigt worden sind, nun einen Platz in der regulären Arbeitszeit gefunden. Das „Sichtbar-Machen“ der über die reine Unterrichtszeit hinausgehenden Arbeitszeitanteile hat zu einer angemesseneren Gleichverteilung der Gesamtarbeitszeit bei einer entsprechenden Umverteilung der Unterrichtsaufgaben geführt.

Die tatsächliche durchschnittliche Unterrichtsbelastung liegt damit in Hamburg wesentlich unter den offiziellen Pflichtwochenstunden für Lehrkräfte anderer Bundesländer.”

In keinem europäischen Land ist die Unterrichtsverpflichtung so hoch wie in Deutschland. Siehe auch im Basedow1764 hier und hier!

Lehrerarbeitszeit in Österreich

Lehrer/innen in Österreich (auch in Dänemark) haben das Arbeitszeitmodell das schon Hessens früherer Kultusminister Holzapfel gerne eingeführt hätte, die GEW aber mit ihrer Parole “Eine Stunde weniger für alle” zu verhindern wusste:

Für Volksschullehrer gilt eine Arbeitszeit von 1.800 Stunden pro Jahr. Davon entfallen 792 Stunden auf den Unterricht (22 Wochenstunden), rund 660 Stunden sind als Vor- und Nachbereitungszeit ausgewiesen. Die verbleibenden etwa 400 Stunden sind variabel und beinhalten zusätzliche Aufwandstunden, Zeit für besondere Projekte, Betreuung der Schulbibliothek oder der EDV.

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen.

Arbeitszeit und -belastung der Lehrer/innen werden transparent und individuell gerechter. Korrekturaufwand, Experimentieraufwand in NaWi können endlich angerechnet werden.

Aufgeschlossene Schulleiter/innen können jemanden z.B.  mit 300 Stunden in der Bibliothek einsetzen, d. h. 300 : 40 = 7,5 Zeitstunden pro Schulwoche. Fast ein Arbeitstag und damit 10x länger als mit der bisherigen – wenn überhaupt – einen hessischen Anrechnungsstunde.