Leseförderung bei der AJuM

Dass die KJL-Szene sich mit Literatur zu Kommunismus und DDR schwer tut, war mir schon bei der Verleihung des Jugendliteraturpreises im letzten Herbst aufgefallen.

Als bestes Jugendsachbuch wurde von der (erwachsenen) Kritikerjury gekürt: „Mutige Menschen. Widerstand im Dritten Reich“. Die Lektorin des Gabriel-Verlages bat im Jahre 64 nach 1945 ihren Autor Christian Nürnberger, dieses Buch zu schreiben und diese Lücke zu füllen.

Unter den von der Jugendjury nominierten war ein weiteres Buch, das vom Dritten Reich handelt.

In Nadia Buddes nominiertem Kindheitsbuch – „Such dir was aus, aber beeil dich!“ geht es ums Kindsein, nicht um die DDR, auch wenn die Kindheit sich dort ereignet hat!

Es war ein Schwerpunkt meines Lehrerlebens, Schülerinnen und Schüler über den Nationalsozialismus aufzuklären. Daher bin ich auch heute noch dankbar, wenn es dazu Literatur für die Hand der Schüler gibt. Ich hätte mir aber jetzt auch gewünscht, dass eine Lektorin gesagt hätte: Schreib´ doch mal ein Buch über mutige Menschen in der DDR!

Heute Nachmittag suche ich etwas in der AJuM-Rezensions-Datenbank.

Da überfällt mich plötzlich die Idee, dort einmal nach Büchern über die DDR zu suchen. Ich gebe ein: Rusch, Riemann, Schwartz.

Jedes Mal Fehlanzeige.

Ich schlage die Schlagwortliste auf: DDR, Kommunismus?

Fehlanzeige!

Da fällt mir Kordon ein: Ich tippe “Krokodil im Nacken”, seine Jugend in und die missglückte Flucht aus der DDR.

Fehlanzeige!

Ich gebe ein “Sonnenseite”, das Ankommen und die Erfahrungen in Westdeutschland.

TREFFER!

Der Folgeband von “Krokodil im Nacken” ist drin! Der Rezensent oder die Rezensentin über den Inhalt: Kordon ist jetzt im goldenen Westen. “golden” in Anführungszeichen. Die Rede ist von westlichen Arbeitsverhältnissen und kapitalistischen Strukturen. Auch die Kinder hätten massive Probleme.

Solche Rabeneltern! Wie konnten sie das Paradies verlassen? (Kordon hat sich mit dieser Frage übrigens auseinandergesetzt.)

Vielleicht hat die AJuM ja Bücher in ihrer Datenbank, in denen eine glückliche Kindheit im Arbeiter-  und Bauernparadies erzählt wird. Nach denen habe ich aber nicht mehr gesucht.

Mein Tipp an die Kolleg/-innen bei der AJuM: Das eine oder andere aus der Medienkiste “Ampelmännchen und Todesschüsse”.