Koalitionsrunde: Jedem Schüler ein Smartphone

Im August 2000 schrieb ich in einer Mail an einen Kollegen im Hessischen Lehrerfortbildungsinstitut anlässlich der Information, dass fünf Millionen Mark für IT in Schulen im Landeshaushalt bereitgestellt worden waren:

“Alle Schüler kriegen ein UMTS-Handy, dann brauchen wir keine Computerräume mehr und so`n Kram. Jeder nimmt seine Bildung selbst in die Hand!”

13 Jahre später: Bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin will empfiehlt die AG “Digitale Agenda”, jedem Schüler und jeder Schülerin ein Smartphone zu geben.

Ein weiterer Vorschlag: Spezialschulen mit dem Schwerpunkt Informatik. Die DDR lässt grüßen: Das beste am sozialistischen Schulsystem waren die Spezialschulen für Sport, Mathematik, Fremdsprachen, Naturwissenschaften).

Die “Welt” berichtet.

50 Ways to Leave Your Lover

Paul Simons Liebe zu Listen ist auch bei Karen Bonanos School Library Advocacy ausgeprägt:

15ways

Auch der US-Jugendbuchmarkt ist von Paul Simon inspiriert:

“43 Gründe, warum es aus ist” von Daniel Handler.

Eine sehr hübsche Geschichte von einer kurzen Liebe zweier Teenager. Erzählt wird retrospektiv von ihr anhand von 43 Gegenständen, die für die Beziehung bedeutsam waren. Aber an der Trennung ist sie wohl auch nicht ganz unschuldig. Tilman Spreckelsen (FAZ) sieht gute Möglichkeiten, im Unterricht aus der Sicht des Jungen erzählen zu lassen.

Die Netzgemeinde im Altneuland

“Das Internet ist für uns alle Neuland”, sagte die Bundeskanzlerin aus Anlass der NSA-Datensammelwut.

Wie reagieren die pubertär-präpotente Horde der Gurus, Nerds und Aktivisten, die (noch) glauben, das Internet gehörte ihnen und sie hätten das Monopol auf den Durchblick? Wenn es überhaupt eines Beweises bedarf, dass das Internet ein neues Medium, in seiner WWW-Version ein sehr neues Medium ist, dann sind es die die Twitter- und Facebook-Absonderungen in diesem “Fall”.

Das Internet ist kein besetztes Haus, in dem alternative Demokratiemodelle realisierbar scheinen. Am digitalen Lagerfeuer kann man sich zum Terroranschlag, zum Mobben einer Klassenkameradin oder zum Sandsackfüllen an der Elbe verabreden. Die Machtkonzentration bei den Internetkonzernen, die Veränderungen in der Medienlandschaft, im Handel, alles kein Neuland?

Es ist wohl unstreitig, dass im Netz rechtsfreie Räume herrschen, Sitte und Anstand Wünsche offen lassen, Big Data bisher noch nicht einmal bei den Piraten ein großes Thema war.

(Die Piratenfraktion in der Berlin-Friedrichshainer Bezirksverordnetenversammlung sorgte aber dafür, dass in den öffentlichen Gebäuden des Bezirks die Toiletten um eine dritte bereichert werden müssen, für geschlechtlich nicht festgelegte Menschen, von denen es in Deutschland ca. 17.000 geben soll.)

Nachtrag Februar 2014: Noch ein Beispiel, womit sich Piratenpolitiker beschäftigen: Die für das Europaparlament kandidierende Aktivistin Anne Helm posierte am Gedenktag des britischen Bombardements von Dresden im Femen-Stil. Auf ihren Oberkörper hatte sie aufgemalt: “Danke, Bomber Harris!”. Bei dem Luftangriff waren 20.000 Dresdner getötet worden. Frau Helm wollte die ebenfalls an diesem Tag demonstrierenden Nazis provozieren, Opfer verhöhnen wollte sie nicht, sagt sie. Eine Mit-Demonstrantin hatte sich “Antifa Action” aufgepinselt. In der Partei gibt es nun Irritationen. Nicht alle verstehen sich als linksextreme Partei. In Berlin sind SPD, Grüne und Piraten ein bisschen linker als anderswo. Natürlich sagt Frau Helm, dass sie nicht als Piratin, sondern in ihrer Freizeit demonstriert hätte. Nun gibt es einen bundesweiten innerparteilichen Shitstorm.

Ein Armutszeugnis auch, dass sich Zeitungen und Fernsehen überwiegend auf die unkritische Wiedergabe des Shitstorms beschränken. Sie sind die großen Verlierer im Internetzeitalter. Es ist rührend, dass ausgerechnet sie ihre noch verbliebenen Nutzer/-innen ständig auffordern, zu twittern, zu posten, zu liken und in ihren Nachrichtensendungen verlesen sie Tweets, Postings und E-Mails. Dann lieber gleich die Huffington Post.