Die Novellierung des hessischen Bibliotheksgesetzes steht an (2)

Für das Schulbibliothekswesen war das Gesetz von 2010 eine Farce. Für die öB. brachte es auch nicht substantiell Neues, außer dass ihnen im § 5(2) zugestanden wurde, “Bildungspartner” der Schulen zu sein und Medien- und Informationskompetenzen zu vermitteln. (Was eigentlich nur die Strategie des Deutschen Bibliotheksverbandes und die Ahnungslosigkeit der Landtagsabgeordneten zeigt. Informationsrecherche war im vordigitalen Zeitalter Aufgabe des Schulunterrichts und nichts spricht dafür, dies jetzt Bibliothekar/-innen zu überlassen. siehe dazu die Beiträge zu Informationskompetenz im Blog. )

Die Schulbibliotheken werden hie und da erwähnt, unsystematisch und folgenlos. Mit dem Landesverband des Bundesverbands Information Bibliothek e. V., war sich die LAG Schulbibliotheken einig, dass sie überhaupt nicht in ein Bibliotheksgesetz gehörten, wenn auch wohl aus unterschiedlichen Motiven.

Jetzt steht eine Novellierung an. Warum eigentlich? Eine stärkere Partizipation am Landeshaushalt wird auch 2015 nicht zu erwarten sein. Die LAG steht auf dem Verteiler, sie darf wieder Vorschläge machen. Z. B. diesen:

Neu § 1(3): Schulbibliotheken sind Gegenstand des Schulgesetzes. Der Hessische Kultusminister erlässt dazu eine Richtlinie.

Die Entwicklungsperspektive für Hessen ist, wenn man die Bibliotheksfunktionäre und einige Bildungspolitiker/-innen hört, dass es Kombibibliotheken geben soll. Nach dem bisherigen Tempo wird es tausend Jahre dauern, bis alle Schulen auf diesem Weg eine Schulbibliothek bekommen. Der Vorschlag einer auf Betreiben der LAG eingesetzten Kommission, regionale schulbibliothekarische Arbeitsstellen einzurichten, scheiterte 1992. Das von den Bibliotheksfunktionär/-innen favorisierte Modell IMeNS in Wetzlar ist seit Jahren Unikat. Es ist immens teuer und hat für Schulen eher einen begrenzten Nutzen.

Die LAG will dennoch konstruktiv an der Verbesserung des HesBiblG mitarbeiten. So schlägt sie vor, dass Schulbibliotheken in den § 5(2) aufgenommen werden. Dass nämlich, wie es bisher im Gesetz heißt, einzig öffentliche Bibliotheken Medien- und Informationskompetenzen vermitteln sollen, mag für die Erwachsenenbildung angehen. In der Schule geschieht dies im Fachunterricht, fächerübergreifend und außerunterrichtlich, z. B. in Arbeitsgemeinschaften und Kursen. Die multimedial und multifunktional ausgestattete Schulbibliothek spielt dabei eine wichtige Rolle. Das bei der Verabschiedung des Gesetzes nicht erkannt zu haben, ist peinlich genug. Es sollte nach fünf Jahren wenigstens korrigiert werden.

Bei Schulbibliotheken ist die einzig konkrete Aussage, dass sie („in besonderer Weise“) der Leseförderung dienen sollen. Das wird der international gültigen Theorie und Praxis moderner multimedialer Schulbibliothe­ken als Wissens-, Lern- und Kulturzentren nicht gerecht. Mit Leseförderung als Schwerpunktaufgabe schreibt dieses Gesetz den Erkenntnisstand von 1952 fest. Die multimediale Schulbibliothek ist dem Gesetzgeber nicht bekannt –  oder sie ist nicht gewollt.

Da nun einmal die Landesfachstelle für öffentliche Bibliotheken sich durch das Gesetz für Schulbibliotheken zuständig sieht, sollte sie entsprechend ausgestattet werden:

Neu § 6 (4): Die Fachstelle richtet eine Landeszentrale für Schulbibliotheken ein. Sie wird durch das Land gefördert. Der Kultusminister wird ermächtigt, eine ständige Zentrale Schulbibliothekskommission einzuberufen, die unter seinem Vorsitz und unter Beteiligung von Vertreter/-innen des Schul- und des Bibliothekswesens Richtlinien zur Schulbibliothek erarbeitet und die Arbeit der Landeszentrale begleitet.

Ungefähr zwei halbe Lehrer/-innenstellen sind der Landesfachstelle schon aus dem Kultushaushalt zugewiesen worden.

Keiner der LAG-Vorschläge hat Aussicht auf Erfolg. Wie steht so schön auf Willy Brandts Grabstein: “Man hat sich bemüht.”

 

Aus meinem Archiv (7)

Die Schulleiter-Fachzeitschrift Schulmanagement brachte Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre regelmäßig in ihrem Magazinteil Texte zu Schulbibliotheksthemen. Das war dem Redakteur Johannes G. Wiese, der auch Geschäftsführer der Niedersächsischen Bibliotheksgesellschaft war, zu verdanken. Er setzte sich für Schulbibliotheken ein, schrieb unermüdlich an Entscheidungsträger auf allen politischen Ebenen und ließ nicht locker, wenn er die üblichen Leerformeln als Antwort bekam.

Wir in der hessischen LAG nahmen uns das zum Vorbild und haben in der Zeitschrift SchulVerwaltung Hessen/Rheinland-Pfalz gelegentlich über Schulbibliotheken geschrieben und den Artikel “Schulbibliothek” in der Datenbank für Schulmanagement des Link-Verlages beigesteuert.

Aus meinem Archiv

“Eine zeitgemäße Schule… Dazu gehört als wichtiger Bestandteil der schulischen Bildungs- und Erziehungsarbeit z. B. die Schulbibliothek. Als zentrales innerschulisches Informationszentrum steht sie dem Unterricht und außerunterrichtlichen Aktivitäten zur Verfügung und kann jahrgangsübergreifender Treffpunkt sein. Es sind daher landeseinheitliche Richtlinien zur Förderung des Schulbibliothekswesens zu erstellen.”

So stand es im Manifest “Bildung für alle in Hessen verwirklichen”, Landesvertreter/-innenversammlung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) 1990, Kassel.

Ihr Eintreten für Schulbibliotheken hat de GEW nach der Jahrtausendwende anscheinend aufgegeben. In der hessischen Mitgliederzeitung HLZ 2/2005 mit dem Schwerpunkt Lesen wird die Zusammenarbeit von Bibliothek und Schule auf zwei Heftseiten ausgebreitet. Unter der Schlagzeile Schulbibliotheken dürfen sich die LAG Schulbibliotheken und das Projektbüro Schulbibliotheken im damaligen Hessischen Landesinstitut für Pädagogik darstellen. In einem Kasten auf dieser Seite wird der 17. Hessische Schulbibliothekstag angekündigt. Hervorgehoben wird das Seminar der Stadtbibliotheksleiterin, die zuvor die zwei Seiten mit Bibliothek und Schule füllte.

Die Zeitschrift “Erziehung und Wissenschaft” der Bundes-GEW kennt in ihrem Heft 12/2002 mit dem Schwerpunkt Lesen Schulbibliotheken gar nicht. (In einem einzigen Nebensatz kommen sie vor.) Da ich Anfang der 90er Jahre aus der GEW ausgetreten bin, kann ich nicht ausschließen, dass ich nicht mehr über die aktuelle Haltung zu Schulbibliotheken auf dem Laufenden bin. Ich würde mich freuen, Positives zu hören.

Ich nehme mir gerade vor, gelegentlich in meinem Hängemappen-Archiv zu blättern und die eine oder andere Fundstelle aus der guten alten Zeit hier zu veröffentlichen. Warum? Man kann es sich aussuchen: Früher war es auch nicht besser. Oder: Der Fortschritt ist eine Schnecke. Oder: Nicht alles, was neu auf den “Markt” kommt, ist wirklich neu. Manch´ gute Idee verdient es, wieder aufgegriffen zu werden.
 
In ähnlicher Form hatte ich vor fünf Jahren über Merkwürdiges, Kurioses und Verwunderliches berichtet. Ich bitte um Nachsicht, falls das eine oder andere noch einmal auftaucht. Es wäre ein Versehen, aber es schadete auch nicht.

Erinnerung: Zuschuss vom Kultusministerium

Was seit Generationen fehlt, ist eine solide, institutionalisierte Schulbibliotheksfinanzierung in Hessen. Das wird sich auch so schnell nicht ändern, denn der dbv sagt (mehrheitlich), es gibt doch öffentliche Bibliotheken, das Kultusministerium sagt, wir sind zwar nicht zuständig, aber da wir Euch 105% Lehrer/-innenkräfte zuweisen, bleiben doch ein paar Lehrer/-innenstunden für die Bibliothek übrig. Manche Landtagspolitiker/-innen und der oberste hessische Schulbibliothekar in der Landesfachstelle für öffentliche Bibliotheken setzen auf kombinierte öffentliche und Schulbibliotheken. Deren Zahl wächst seit Jahrzehnten so rasant (in der Ballistik: flache, geradlinig verlaufende, kaum ansteigende Geschossbahn),  dass man sie sogar unterm Mikroskop kaum sieht.

Aber es gibt jedes Jahr – und dafür muss man das Kultusministerium loben, eben weil es eigentlich nicht zuständig ist – kleine Zuschüsse (1.000 bis 2.000 €). Rein statistisch dürfte in hundert Jahren jede hessische Schule einmal einen Projektzuschuss erhalten haben.

Dazu bedarf es eines formlosen Antrages an das Hessische Kultusministerium, in dem ein geplantes Projekt der Schulbibliothek anschaulich dargestellt wird. Mehr dazu im zuletzt angegebenen Link.