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	<title>Basedow1764&#039;s Weblog &#187; Gysi</title>
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	<description>Es geht um Schulbibliotheken/Mediotheken/Informationszentren. Sie sind das Herz der Schule.</description>
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		<title>Basedow1764&#039;s Weblog &#187; Gysi</title>
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		<title>Die Generation Marienborn</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Jun 2009 16:39:59 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Karl Schlögel hat einen wunderbaren kleinen Essay geschrieben: &#8222;Die Generation Marienborn&#8220;, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage der Zeitung „Das Parlament, 21-22/2009, 18. Mai 2009, Heft-Thema „1989“.
Ich erkenne mich darin wieder. Über Jahrzehnte hin habe ich die DDR im Korridor der Transitstrecken durchquert. Immer von unfreundlichen Grenzern und Vopos begleitet. Entweder war ich zu schnell [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=basedow1764.wordpress.com&blog=2382497&post=3377&subd=basedow1764&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><em><strong>Karl Schlögel hat einen wunderbaren kleinen Essay geschrieben: &#8222;Die Generation Marienborn&#8220;, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage der Zeitung „Das Parlament, 21-22/2009, 18. Mai 2009, Heft-Thema „1989“.</strong></em></p>
<p>Ich erkenne mich darin wieder. Über Jahrzehnte hin habe ich die DDR im Korridor der Transitstrecken durchquert. Immer von unfreundlichen Grenzern und Vopos begleitet. Entweder war ich zu schnell oder zu langsam oder hatte den „Spiegel“ auf der Hutablage vergessen und musste zur Strafe zwei Stunden warten. Ich erschrak, wenn ein Vopo aus dem Gebüsch auf die Autobahn sprang und mich stoppte, weil ich nicht rechtzeitig von 100 auf 40 km/h abgebremst hatte. Ich hatte Angst davor, nachts die unbeleuchtet auf der Fahrbahn stehenden Lkws der Sowjetarmee zu rammen.</p>
<p>Einzige angenehme Ausnahme war die Rückfahrt vom SDS-Vietnamkongress 1968 in Berlin (West). Damals lotste die SED jeden, der sagte, er komme von dort, in Marienborn über die Lastwagenspur unkontrolliert an den Warteschlangen der Transit- und Ausreisenden vorbei. Aber die Ausnahme bestätigt nur die Regel.</p>
<p>Die DDR, das waren die Schikanen, die Grenze, der barsche, unfreundliche Ton, die löcherigen Betonplatten der Autobahn. Die Transitstrecke hat mein Bild von diesem Staat maßgeblich geprägt. Lust auf DDR machte das nicht.</p>
<p>Die Namen Helmstedt/Marienborn, Herleshausen/Wartha, aber auch Heinrich-Heine-Straße und Friedrichstraße berühren mich noch heute.</p>
<p>Für die Generation Marienborn gilt auch:</p>
<p>Wir haben es 40 Jahre ertragen, als Faschisten und Kapitalisten entlarvt zu werden, auf die die SED den Hass schon in ihren Kindergärten und Schulen predigte. Sie hat auch im Westen nach Kräften „agitiert“, „zersetzt“ oder „ausgemerzt“. (Ein Wort, das die Stasi genau so gerne benutzte wie die Nazis.)</p>
<p><strong>Kaum war die Mauer gefallen, nach drei(!) Wochen, Ende November lebte die Hetze gegen Westdeutschland wieder auf: In einem Appell vom 29.11. 1989 wurde gegen den Ausverkauf der materiellen und moralischen Werte durch einflussreiche Kreise aus Wirtschaft und Politik der BRD, unzumutbare Bedingungen und die Einvernahme der DDR durch die DDR gewarnt.</strong> Die SED war so begeistert, dass sie den Appell in Ihren Zeitungen abdruckte. Unterschrieben war das Pamphlet unter anderem von Pfarrer Schorlemmer, Egon Krenz, dem unvermeidlichen Stefan Heym, Christa Wolf und Ulrike Poppe. Schorlemmer behauptete später, er habe einen anderen Text unterschrieben.</p>
<p>Teile der Bürgerrechtler gaben sich dem Traum hin, die marode DDR könne zu ihren angeblich humanistischen Gründungsmythen zurückkehren und (mit Hilfe von Krediten der BRD oder des Jüdischen Weltbundes [Bitte des letzten  SED-Vorsitzenden Dr. Gysi] ) könne eine gute DDR aufgebaut werden. Die SED hatte wieder Tritt gefasst, frisierte die Kaderakten ihrer Leute,  organisierte die Wende, Vermögenstransfer und die Vernichtung der MfS-Akten.</p>
<p>Heute ertragen wir, dass Herr Sodann und einer seiner Schauspielerkollegen die bundesdeutsche Demokratie „Scheiße“ finden. Wolf Biermann fand schon nach seiner Ausweisung aus der DDR, er sei vom Regen in die Jauche gekommen. Von Daniela Dahn lassen wir uns als Sieger bezeichnen. Ein Aktivist der Umweltbibliothek namens Frank, zurzeit der Revolution 19 Jahre alt, beweist zumindest Äquidistanz: „Wir (wollten) weder die Scheiße aus dem Westen noch die Scheiße aus dem Osten. Wir wollten den 3. Weg.“ (in: Der Spießer, Ausgabe „Jugend in der DDR“).</p>
<p>In zahlreichen Veranstaltungen zur Friedlichen Revolution höre ich, dass wir Wessis kein Interesse am Osten gehabt hätten, dann aber denselben platt gemacht und dadurch das Gute (wahlweise: die Emanzipation der Frau, den Antifaschismus, das Arbeitsrecht, das Gesundheits- oder das Schulwesen, den Zusammenhalt der Menschen, das Leseland, die Sero-Tonne) und die Suche nach dem dritten Weg verhindert hätten.</p>
<p>Zuguterletzt hätten wir noch vereitelt, dass das Grundgesetz umgebaut werden konnte. Ein Trost, dass besonnene Kräfte in der Linkspartei es gegen Neufassungsbefürworter verteidigen.</p>
<p>Richard Schröder, der einen besseren Bundespräsidentenkandidaten abgegeben hätte als Frau Schwan, sagte gerade auf einer Veranstaltung in Potsdam, die den wegweisenden Titel „<strong>Die Ostdeutschen und ihre Einheit</strong>“ trug, dass mit der DDR-Nostalgie ein Zustand des Nichtwissenwollens über die Zustände in der DDR konserviert wird. Er zählte auf: Die kürzere Lebenserwartung, die schlechtere Gesundheitsversorgung (mit Ausnahme der Regierungskrankenhäuser), die hohe Abtreibungsrate.</p>
<p>Er widersprach auch dem Psychotherapeuten Hans-Joachim Maaz heftig, weil dieser als Gutes an der DDR die „bessere Beziehungskultur“ lobte und sie der kaltherzigen, egoistischen kapitalistischen Gesellschaft gegenüberstellte. Schröder erinnerte daran, wie vorsichtig man sich öffentlich äußerte, wie man die Kinder verdonnerte, bloß nichts von zu Hause in der Schule zu erzählen, die Schüler in der Pause anders als im Unterricht redeten.</p>
<p><strong>Die Menschen könnten stolz sein auf das, was sie unter erschwerten Bedingungen geleistet hätten, meinte Schröder, aber man solle bitteschön nicht die erschwerten Bedingungen verklären.</strong></p>
<p>Ich kann noch ergänzen: Die lautstarke Warnung vor der Verarmung ostdeutscher Rentner unterschlägt die Armut der DDR-Rentner, besonders der Frauen. (Die These, dass es die Ostdeutschen meinten, es ginge ihnen immer schlechter, wird jährlich neu verbreitet von einem &#8222;Meiningsforschungsinstiut&#8220;, das dem Geschäftsführer der Volkssolidarität gehört, einem Sozialverband, der die &#8222;Wende&#8220; gut überstanden hat und dessen Führung mental noch in der DDR zu leben scheint.</p>
<p>Von der 40jährigen DDR-Misswirtschaft wird selten geredet, im <a title="Brandenburg Schule DDR" href="http://basedow1764.wordpress.com/2009/02/12/mehr-ddr-geschichte-in-der-brandenburger-schule-verlangt/">Schulunterricht </a>schon mal gar nicht. Wenn es aber um die Katastrophe der &#8222;Wende&#8220; geht, wird jeder Erlass des Bonner Finanzministeriums und jede Fußnote im Einigungsvertrag auseinandergenommen.</p>
<p>Mielke hat sein MfS 1986 durch einen Erlass auf die &#8222;Wende&#8220; vorbereitet. Der Nomenklatura ist es denn auch gelungen, erfolgreich in die Marktwirtschaft zu starten. Da wurden Betriebsteile ausgegründet, Villen und Grundstücke zum Nulltarif erworben, fingierte Rechnungen bezahlt, Gelder tranferiert, Millionen mit den Transferrubeln verdient. Ein ranghoher ehemaliger MfS-Offizier wurde z. B. von der de Maizère-Regierung als Treuhänder des FdJ-Vermögens eingesetzt.</p>
<p>In den DM-Eröffnungsbilanzen fehlten Firmengrundstücke, Lagerbestände und Guthaben.  Zehntausende Kader profitierten von ihren Leuten in den Betrieben und in der Treuhandanstalt.</p>
<p>Zwei Drittgel der 36 ostdeutschen Arbeitamtdirektoren wurden in den 90er Jahren abgelöst, überwiegend, weil sie SED-Altkader waren. Vorrangig haben die ostdeutschen Arbeitsämter Nomenklaturaangehörige, so weit die es noch nötig hatten, vermittelt. Die Bundesanstalt reagierte, als die Klagen Arbeitsloser nicht mehr zu negieren waren, die ihren alten Funktionären als Arbeitsvermittler begegneten.</p>
<p><em>Das alles kann man in den Bänden der &#8222;Enquetekommission zur Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Dikatur&#8220; nachlesen. Die Bände gehörten in jede ostdeutsche Stadtbibliothek, Schulbibliothek und Landeszentrale für politsche Bildung. Auch Günter Grass sollte man mindestens den Band VIII (u.a. &#8222;Seilschaften&#8220;) zur Kenntnis bringen.</em></p>
<p>Es ist bequemer, IM-Überprüfungen in Westdeutschland zu fordern. (West-IMs würden immerhin strafrechtlich verfolgt werden, Ost-IMs nicht.) Oder Brandenburger Schüler/innen Referate über Frauen-Emanzipation in der DDR und der BRD schreiben zu lassen.</p>
<p><strong>Die Opfer der SED spielen in der Erinnerungskultur der Ostdeutschen keine große Rolle.</strong> Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck will den Schlussstrich bei der Aufarbeitung. Dabei hat in Brandenburg die Aufarbeitung der SED-Diktatur noch gar nicht richtig begonnen. Und im Hintergrund harrt die Stolpe-Ära der Aufarbeitung. Die sog. &#8222;Bischofskonferenz&#8220;, die IMs vor der Übernahme in den Polizeidienst geprüft hatte, war zu 40 oder 60% (Genaueres ist nicht zu erfahren) mit IMs besetzt. Platzeck findet das damalige Verfahren in Ordnung. Marianne Birthler dagegen nicht. Sie war Bildungsministerin im Kabinett Stolpe und trat zurück.</p>
<p>Da diskutiert man lieber darüber, dass man doch auch im Westen alle überprüfen solle. Im Westen mag noch vieles ans Licht kommen, aber die Diskussion erinnert mich an Dr. Gysis Forderung, man solle doch endlich über das Vermögen und den Grundbesitz der Blockparteien reden und nicht ständig über das der SED/PDS/Linkspartei. Die SED besaß 98% des Parteienvermögens, Blockparteien verfügten über den Rest.</p>
<p>Die Ostdeutschen müssen über sich reden, mit sich selbst ins Reine <a title="DDR 8" href="http://basedow1764.wordpress.com/2009/05/05/ddr-8-vor-und-nachteile-einer-diktatur/">kommen</a>, nicht sich kollektiv dem wessi-bashing hingeben.</p>
<p><em>So, jetzt hat mal ein Wessi gejammert.</em></p>
Posted in DDR Tagged: DDR-Nostagie, Friedrich Schorlemmer, Generation Marienborn, Gysi, Hans-Joachim Maaz, Karl Schlögel, Matthias Platzeck, Richard Schröder, SED-Diktatur, Treuhandanstalt, Wendegewinner, wessi-bashing <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/basedow1764.wordpress.com/3377/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/basedow1764.wordpress.com/3377/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/basedow1764.wordpress.com/3377/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/basedow1764.wordpress.com/3377/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/basedow1764.wordpress.com/3377/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/basedow1764.wordpress.com/3377/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/basedow1764.wordpress.com/3377/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/basedow1764.wordpress.com/3377/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/basedow1764.wordpress.com/3377/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/basedow1764.wordpress.com/3377/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=basedow1764.wordpress.com&blog=2382497&post=3377&subd=basedow1764&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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		<title>Die Nachrichtenrevolution</title>
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		<pubDate>Wed, 06 May 2009 10:35:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>basedow1764</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Zukunft der Zeitung]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Medienexperte namens Jeff Jarvis sieht darin die Zukunft des Printjournalismus:
Die &#8222;Bild&#8220;-Zeitung hat 21.000 Videokameras an ihre Leser verkauft. Diese schicken jetzt Fotos an die Zeitung.
Auch Jarvis´Sohn lebt schon in der schönen neuen Nachrichtenwelt: &#8222;Mein Sohn hat noch nie eine Zeitung abonniert, er bekommt seine Nachrichten über Facebook, über Twitter, von Freunden. Von Leuten also, [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=basedow1764.wordpress.com&blog=2382497&post=3031&subd=basedow1764&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Ein Medienexperte namens<strong> Jeff Jarvis</strong> sieht darin die Zukunft des Printjournalismus:</p>
<p>Die &#8222;Bild&#8220;-Zeitung hat 21.000 Videokameras an ihre Leser verkauft. Diese schicken jetzt Fotos an die Zeitung.</p>
<p>Auch Jarvis´Sohn lebt schon in der schönen neuen Nachrichtenwelt: &#8222;Mein Sohn hat noch nie eine Zeitung abonniert, er bekommt seine Nachrichten über Facebook, über Twitter, von Freunden. Von Leuten also, denen er vertraut.&#8220;</p>
<p>Das ganze Interview <a title="jarvis über online-nachrichten" href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,622944,00.html">steht</a> bei Spiegel online.</p>
<p>Siehe auch in diesem Blog <a title="Ist information literacy die Loesung?" href="http://basedow1764.wordpress.com/2009/02/11/kritisches-denken-durch-information-literacy/">hier</a>!</p>
<p>Mr. Jarvis und sein Sohn werden wohl keine Bücher mehr lesen. So entgeht ihnen <a title="Gaschke, Klick. Strategien gegen die Verdummung" href="http://basedow1764.wordpress.com/2009/05/12/lesetipp-klick-strategien-gegen-die-digitale-verdummung-von-susanne-gaschke/">das</a> von Susanne Gaschke.</p>
<p>Auch die Lektüre <a title="le monde diplomatique zu wikipedia" href="http://www.monde-diplomatique.de/pm/2009/05/08/a0024.text.name,askNwU12B.n,0">dieses </a>Artikel in le monde diplomatique könnte nicht schaden.</p>
<p><strong>Nachtrag:</strong></p>
<p>Einen Beitrag zur Entdeckung der Langsamkeit liefert auch die Wochenzeitung &#8222;Das Parlament&#8220;. Als sie noch nichts kostete, hatte ich ein Abonnement. Sie kommt nicht mehr so staubtrocken daher wie früher, sondern ist aufgehübscht.</p>
<p>Man kann nachlesen, was die Abgeordneten im Plenum reden. Z. B. aus Anlass des Grundgesetzjubiläums in der Debatte am 14.5.09. Das finde ich spannender als in &#8222;Echtzeit&#8220; zu erfahren, ob Köhler wieder gewählt wurde.</p>
<h5>(Das Parlament, Nr. 21/22, 18./25. Mai 1990, Beilage Debattendokumentation, s. 12)</h5>
<p><em>(Das kann man natürlich auch längst <a title="Bundestag im Internet" href="http://www.bundestag.de/">digital</a> lesen, sehen oder hören. Da hätte ich es aber wohl nie entdeckt.)</em></p>
<p>Der Abgeordnete Dr. Gysi, selten um eine schalkhafte Bemerkung verlegen,  beklagt, dass am Einigungsprozess nicht die ostdeutschen Eliten beteiligt waren, sondern abgewickelt wurden. Da habe ich fast Mitleid mit dem Elitebegriff. Er meint doch nicht etwa den SED-Adel?</p>
<p>Dann beklagt er die <strong>Bilder-Ausstellung &#8222;60 Jahre Bundesrepublik Deutschland</strong>&#8222;, weil &#8222;die Geschichte der DDR nicht als Teil der deutschen Geschichte begriffen&#8220; werde. Er vermisst DDR-Künstler, u.a. John Heartfield.</p>
<p>John <a title="Biographie John Heartfield " href="http://www.heartfield.de/S_41.html">Heartfield</a>, der vor den Nazis in die USA geflohen war, wählte die DDR bei seiner Rückkehr. Seine Frau Gertrud lebte einige Jahre länger als er. Aus Protest darüber, wie die DDR mit ihrem Mann und seinen Werken umging, sprach sie in ihren letzten Lebensjahren nur noch Englisch.</p>
<p>Der Kommunist John Heartfield hieß ursprünglich Helmuth Herzfeld und nahm den englischen Namen aus Protest gegen den deutschen Englandhass 1916 an. Seine Frau Gertrud reagierte wohl ähnlich mit ihrer Weigerung, in der DDR Deutsch zu reden. Heartfield hatte zwar noch das SED-Emblem entwerfen dürfenund bekam als verdienter Antifaschist und Altkommunist Orden und Preise, wurde aber auch als &#8222;Spätheimkehrer&#8220; (1950) als Spion verdächtigtseine Kunst galt aber zunehmend als bürgerlicher Formalismus und wurde von der politischen Elite der DDR nicht sehr geschätzt. Bezeichnenderweise gab es erst nach Revolution den Versuch, ein Museum in seinem Haus in Waldsieversdorf einzurichten.</p>
<p><em>Warum an dieser Ausstellung auch in den Feuilletons kein gutes Haar gelassen wird, vermag ich nicht zu erkennen. Vielleicht wegen des Sponsors BILD-Zeitung?  Ehrlich gesagt verstehe ich nicht, wieso bei einer Ausstellung dieses Titels die DDR-Kunst einbezogen werden muss. Für die gemeinsamen 20 Jahre nach der Revolution stehen auch ostdeutsche Maler. </em></p>
<p><em>(Am besten hat mir, dem Kunst-Banausen, in der Ausstellung im Berliner Gropius-Bau gefallen, dass auf 60 Monitoren, Bilder aus 60 Jahren bundesrepublikanischer Geschichte flimmerten.  Und die grandiose Idee etwa 100 schwarze Bildplatten aufzuhängen, unter denen jeweils der Gegenstand eines Pressefotos der letzten 60 Jahre genannt wurde (z. B. Brandts Kniefall in Warschau oder das schreiende vietnamesische Mädchen, das mit erhobenen Händen auf einer Straße läuft.) Ich habe alle 100 gesehen! Neben mir standen zwei ratlose junge Männer. </em></p>
Posted in DDR, Internet Tagged: Gysi, information literacy, Informationskompetenz, Internetsucht, Jeff Jarvis, John Heartfield, Zukunft der Zeitung <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/basedow1764.wordpress.com/3031/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/basedow1764.wordpress.com/3031/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/basedow1764.wordpress.com/3031/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/basedow1764.wordpress.com/3031/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/basedow1764.wordpress.com/3031/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/basedow1764.wordpress.com/3031/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/basedow1764.wordpress.com/3031/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/basedow1764.wordpress.com/3031/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/basedow1764.wordpress.com/3031/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/basedow1764.wordpress.com/3031/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=basedow1764.wordpress.com&blog=2382497&post=3031&subd=basedow1764&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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		<title>DDR (8) Pro und contra Diktatur. Letzte Lieferung</title>
		<link>http://basedow1764.wordpress.com/2009/05/05/ddr-8-vor-und-nachteile-einer-diktatur/</link>
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		<pubDate>Tue, 05 May 2009 15:11:05 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Ministerpräsident Erwin Sellering hat seine umstrittene Verharmlosung der SED-Diktatur bekräftigt. Werden demnächst in den Schulen MeckPomms solche Besinnungsaufsätze geschrieben: Vor- und Nachteile einer Diktatur?
Es ist gewiss schwer, Ostdeutschen zu erklären, dass sie nicht in Sack und Asche gehen müssen, wenn man ihre Heimat eine Diktatur nennt.
Warum können Vertreter unserer politischen Elite, wie Frau Schwan, Herr [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=basedow1764.wordpress.com&blog=2382497&post=3015&subd=basedow1764&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Ministerpräsident Erwin Sellering hat seine umstrittene Verharmlosung der SED-Diktatur <a title="Sellering verteidigt DDR erneut" href="http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E4BF957B1C42C4134A2149A466C52D053~ATpl~Ecommon~Scontent.html">bekräftigt</a>. Werden demnächst in den Schulen MeckPomms solche Besinnungsaufsätze geschrieben: <strong>Vor- und Nachteile einer Diktatur</strong>?</p>
<p>Es ist gewiss schwer, Ostdeutschen zu erklären, dass sie nicht in Sack und Asche gehen müssen, wenn man ihre Heimat eine Diktatur nennt.</p>
<p><strong>Warum können Vertreter unserer politischen Elite, wie Frau Schwan, Herr Thierse, Herr Sellering das nicht so klar ausdrücken wie die Autorin Claudia <a title="Bücher von Claudia Rusch" href="http://www.perlentaucher.de/autoren/12950/Claudia_Rusch.html" target="_blank">Rusch</a> in einem Zeitungsinterview: &#8222;Deutlich zu benennen, welche Strukturen, Manipulationen und Repressalien das System bestimmt haben, heißt ja keineswegs, das dort stattgefundene Leben aller gleich mit zu verdammen.</strong>&#8222;</p>
<p><em>Mir antwortete gerade eine  junge Lehrerin, sie &#8211; gemeint ist die DDR &#8211; hätten rechtzeitig in Westdeutschland einmarschieren sollen, dann wären sie die Sieger gewesen. </em></p>
<p>Auslöser war ein Zitat aus einer Untersuchung über die kommunistische Staatsbürgerkunde, die von der brandenburgischen Landesregierung(!) veröffentlicht worden war: Die Stabü habe der ideologischen Indoktrination gedient. Argumentieren lässt sich nach solchen Reaktionen nicht. Zum Vorschein kommt ein Unterlegenheitsgefühl, das dazu führt, Demokratie, Grundgesetz und Rechtsstaat pauschal zu verdammen, oder wie Herr Sodann es tut, &#8222;Scheiße&#8220; zu nennen.  Insofern sind die hohen Ablehnungsquoten von Demokratie und Zustimmungsquoten für Sozialismus nicht rational zu erklären. Sie sind eine emotionale Reaktion.</p>
<p>Eine Mehrheit der Ostdeutschen zieht denn auch letztlich das Leben im Nachwendedeutschland einem Leben in der DDR vor: 68%. Dafür jammern jetzt die Wessis: 65% finden die alte BRD besser!!! (Quelle: Inst. f. Demoskopie Allensbach, laut FAS v. 12.4.09)</p>
<p>Die existenziell bedrohlichen Erfahrungen nach der Revolution mit Arbeitslosigkeit, einem komplizierten Rechts- und Sozialstaat, das Auftreten westdeutscher Karrieristen und Geschäftemacher, nicht zuletzt die Nachhilfe durch eine wieder einflussreiche kommunistische Partei und ihre Medien, lassen die DDR für viele Ostdeutsche in einem freundlicheren Licht erscheinen.</p>
<p><strong>Warum gelingt es so vielen Vertretern unserer politischen Elite nicht, klar zu sagen, was in den Schulen gelernt werden soll? </strong></p>
<p>Wollen sie das Lernziel &#8222;Dass man in der DDR glücklich und sorgenfrei leben konnte?&#8220; (Das Zitat stammt von einem weiteren SPD-Politiker in Schwerin.) Immer dann, wenn sie die Millionen von Demokratie und Rechtsstaat frustrierten Ostdeutschen in Schutz nehmen &#8211; was verständlich und notwendig ist &#8211; kommt eine Beschönigung und Verharmlosung der Diktatur heraus, bis hin zu dem, was besser gewesen sein soll.</p>
<p>Auch so respektable Personen wie Thierse und Schorlemmer loben dann das Schulwesen oder die angeblich so große Solidarität untereinander. Christoph Hein sagte in einer Diskussion: <strong>&#8222;Weglassen ist eine einfache Form der Lüge&#8220;</strong>.</p>
<h5>Herr Thierse differenziert auf Nachfrage: Er meint nicht das gesamte Schulwesen, sondern den Polytechnikunterricht. Es geht ihm letztlich darum, die DDR-Biographien nicht in Bausch und Bogen zu verdammen -wer will das eigentlich? -, um die Menschen nicht der Linkspartei in die Arme zu treiben. Warum muss er deswegen pauschal ein Schulsystem loben, das das nicht verdient hat?</h5>
<p>Mir drängen sich Parallelen zur westdeutschen Nachkriegsgeschichte auf: &#8222;Ein ganzes Volk bockt&#8220;, hieß es, als es um die &#8222;Bewältigung&#8220; der NS-Vergangenheit in Westdeutschland ging. Den Nationalsozialismus hielt bis in die 60er Jahre eine Mehrheit für eine im Grunde nur schlecht ausgeführte Idee. Dass im &#8222;Dritten Reich&#8220; nicht alles schlecht war, ist kein Satz von gestern. Die Katastrophe passierte am 8.5.45 nicht am 30.1.33. So wie heute von den Kosten der Wende und nicht von 40 Jahren Pleiteplanwirtschaft die Rede ist.</p>
<p>Sicher war nicht alles schlecht, so wie unter Hitler auch nicht alles schlecht war. Aber man darf es sich nicht zu einfach machen. Eva-Maria Baehr, eine ehemalige DDR-Journalistin, Redakteurin der &#8222;Jungen Welt&#8220;, SED-Mitglied, stellt fest:</p>
<p><strong>&#8222;Nein, es war nicht nur Angst und Feigheit. Und wir haben es auch nicht nur mit uns machen lassen. Wir haben es selbst gemacht. Wir sind einem falschen Ideal aufgesessen. </strong></p>
<p><strong>Als ich klein war, habe ich mich manchmal gewundert, dass es in der Nazizeit auch Verliebte gab&#8230;Und dass sie geheiratet und Kinder bekommen haben</strong>&#8230;</p>
<p><strong>Und so war die DDR immer mehr als ein Stasi-Staat, ihr gesllschaftliches System mehr als ein Spitzelsystem, die SED mehr als eine Bonzenpartei. Wäre es nur das gewesen, hätte es nicht so lange gedauert.&#8220; (p 9)</strong></p>
<h5><strong><em>aus: Wir denken erst seit Gorbatschow. Protokolle von Jugendlichen ajus der DDR. Hrsg. von Eva-Maria Baehr, Recklinghausen: Georg Bitter Verlag 1990 (vergriffen)</em><br />
</strong></h5>
<p>Das heißt, dass Millionen sich Rechenschaft ablegen müssten. Sie dürften sich heute nicht unisono, der Stasi-Oberst, der Staatsanwalt, der IM, die Schauspielerin, als Opfer der BRD bezeichnen und sich einreihen in die Gruppe der Stalinismusopfer, der kriminalisierten Ausreisewilligen, der von der Volkspolizei zusammengeschlagenen Demonstranten während der friedlichen Revolution.</p>
<p>Ein Psychiater berichtet, dass sich in seiner Opferberatungsstelle auch die Täter beraten lassen. Der SED ist der Coup gelungen, die Schuldfrage von der allmächtigen Partei auf das MfS zu verschieben, hängen geblieben ist sie  noch nicht einmal dort, sondern bei den IMs. Honecker und Mielke sind tot, die SED hat sich umbenannt, die IMs stehen unter dem Schutz deutscher Gerichte.</p>
<p><strong>Die tätige Auseinandersetzung mit der DDR-Geschichte ist in Ostdeutschland Sache einer ganz kleinen Minderheit. </strong> So wie auch die Revolution die Sache von wenigen tausend mutigen Menschen war.</p>
<p>Für den großen Rest der Ostdeutschen ist die Konfrontation mit der Vergangenheit unangenehm, genauso wie es nach dem Krieg in Westdeutschland war.<em> (Den SBZ-/ DDR-Bewohnern blieb übrigens die quälende Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus erspart. Es gab in der DDR nur Widerstandskämpfer, die Nazis waren alle in Westdeutschland. Altnazis konnten umso ungestörter Karriere machen und nicht erst am Schluss war die SED gegenüber ihren hausgemachten Skins und Neonazis hilflos.)</em></p>
<p>Immerhin war jeder dritte Erwachsene SED-Mitglied. Auch wenn das viele nachvollziehbar getan haben, um einen Beruf ausüben zu können, um beruflich voranzukommen, um schneller an eine Wohnung, ein Auto, Westwaren oder Auslandsurlaub zu kommen oder weil sie den Heilsversprechen naiv glaubten.</p>
<p>Da ist einer, der auf einen bestimmten Beruf oder auf Privilegien verzichtete, um sich nicht zu verbiegen, eine Bedrohung der eigenen Biographie. <strong>Deswegen kann man auch nicht kollektiv stolz sein auf die, die Kommunalwahlfälschungen im Mai 89 aufdeckten und die beeindruckenden 10-15%, die es wagten, nicht mit Ja abzustimmen.</strong> Oder die, die sich trauten, z.B. in Potsdam den Pfingstberg vor völliger Verwahrlosung zu bewahren, misstrauisch beäugt und unterwandert vom MfS.</p>
<p>Lieber benennt man eine Straße in Strausberg nach einem Mauerschützen, der versehentlich von seinen eigenen Leuten erschossen wurde, als nach Manfred Gartenschläger, der wegen seiner Leidenschaft für Rock´n Roll ins Zuchthaus musste und vom MfS später erschossen wurde. Er demontierte eine Selbstschussanlage an der Grenze , um zu beweisen, dass das keine Attrappe war, wie die SED international verbreiten ließ. Auch hier ist die Parallele zur Nachkriegszeit unübersehbar. Nach dem Hitlerattentäter Georg Elser wurde eine Straße erst 50 Jahre später benannt.</p>
<p><strong>Man flüchtet sich stattdessen in eine kollektive Verantwortunglosigkeit.</strong></p>
<p>Bis auf Honecker oder Mielke war niemand für etwas verantwortlich. Und Honecker sagte immer von sich, dass er nur die Beschlüsse der Partei ausführe. (Die eigentlich nicht nötig waren, da sich die Gesellschaft quasi naturgesetzlich zum vollendeten Kommunismus hin entwickeln würde.)</p>
<p><strong>Nötig wäre eine kritische Selbstreflexion der ostdeutschen Gesellschaft. </strong></p>
<p>Ich halte das inzwischen für wichtiger als den ständigen Verweis auf die desinteressierten Westdeutschen. Die lächerlichen Haarspaltereien um Rechts- oder Unrechtsstaat, leider auch von Westdeutschen aus falsch verstandener Empathie mitgetragen, sind der falsche Weg. <span style="text-decoration:underline;">Auch die Versuche, in Wissenschaft und Schule die &#8222;Alltagskultur&#8220; der DDR in den Vordergrund zu stellen, vernebeln.</span> Die Opfer der Diktatur waren und sind aus dem Alltag ausgeblendet.</p>
<p>Da gibt es Ostdeutsche, die problemlos in Dubai oder New York Karriere machen. Es gibt Menschen, die seit 1989 erfolgreich etwas Neues aufgebaut haben. Es gibt aber auch die alten Seilschaften, die SED-Mitglieder, die mit den von Dr. Gysis SED/PDS beiseite geschafften Milliarden Autohändler, Bauunternehmer oder Immobilieninvestor geworden sind. Es gibt die Stasi-Doktoren und -professoren, die heute als Rechtsanwälte arbeiten.</p>
<p><em>(Der Doktorvater von Stasi-Oberst Schalck-Golodkowski war übrigens Mielke.)</em></p>
<p>Es gibt die IMs und Moskauer Parteihochschulabsolventen, die in den ostdeutschen Landtagen Politik machen. Es gibt die Täter, die in der DDR &#8222;Recht&#8220; gesprochen haben, Gefangene gefoltert , &#8222;negative Elemente&#8220; terrorisiert oder &#8222;liquidiert&#8220; haben. Es gibt die ehemalige Oberschicht, die in der DDR das kommunistische Paradies für sich vorweggenommen hatte und jetzt  hohe Renten einklagt oder schon kassiert.  Alle eint sie die kollektive Wessi-Beschimpfung und die  Opfermentalität.</p>
<p>Die Nachgeborenen und die Wessis müssen sich freilich fragen lassen, wie sie sich in dieser Zeit verhalten hätten. Überheblichkeit und Gratismut sind fehl am Platz. Aber die Regression in einen Opferstatus, Aggression gegen westdeutschen &#8222;Sieger&#8220; (&#8222;Freitag&#8220;-Journalistin Daniela Dahn) oder die Suche nach dem Guten an der Diktatur sind Vermeidungsstrategien.</p>
<p>Ich habe daher Respekt vor Menschen wie Günter Schabowski, die in der DDR Hardcore-Kommunisten waren und zumindest jetzt die DDR kritisch sehen und vor Eva-Maria Baehr. Vor Menschen, die Verantwortung für ihr Leben übernehmen und nicht nur nach Umverteilung rufen und schon wieder die &#8222;Systemfrage&#8220; stellen.</p>
<p><strong>Von der jüngeren Generation in den neuen Bundesländern  ist kein ´68 zu erwarten</strong>, keine kritische Befragung der Elterngeneration: Die &#8222;Vier Fragen  an meinen Vater&#8220;.</p>
<p>Die Kinder haben die Ängste und die Verunsicherung der Eltern nach der &#8222;Wende&#8220; erlebt und solidarisieren sich mit ihnen. Es waren schon auffallend wenig Studenten unter den Oppositionellen der 80er Jahre. Da hatte die SED unter Verzicht auf eine größere Abiturientenquote schon gut gearbeitet.</p>
<p>Eine jüdische Weisheit sagt, <strong>dass die Erlösung in der Erinnerung liege</strong>.</p>
<p>Man wird sich noch lange plagen. Holländer haben bis heute ihre brutale Kolonialvergangenheit nicht aufgearbeitet. Stalin und Tito werden verehrt, obwohl sie Massenmörder waren. In Polen macht sich unbeliebt, wer dokumentiert, dass Pogrome auch nach 1945 stattfanden. Der belgische König hatte aus seinem Kongo vor über 100 Jahren ein KZ gemacht. Das wird in Belgien gerade zaghaft zur Kenntnis genommen.</p>
<p>Erstmals nach 60 Jahren schaffen es Menschen, über ihre Leidenszeit unter den Nazis zu sprechen und zu schreiben. Insofern wird auch die Erinnerung an die DDR nie auf die ach so gute  Schule, die emanzipierten Frauen, die billigen Mieten und den besiegten Faschismus reduziert werden können.</p>
<p>Zum Schluss noch ein Link zu &#8222;einestages&#8220; von Spiegel online aus Anlass des Besuches der Bundeskanzlerin in <a title="einestages: hohenschoenhausen" href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,622944,00.html">Hohenschönhausen</a>. <strong> Frau Merkel ist es zu danken, dass sie dem verantwortungslosen Gerede der Sellerings, Ramelows, Thierses und Schwans  durch Wort und Tat entgegentritt.</strong></p>
<p><em><strong>In eigener Sache</strong>: Die regelmäßige Kommentierung der DDR-Aufarbeitung, die sich aus meiner Arbeit an der Medienkiste &#8222;Ampelmännchen und Todesschüsse&#8220; ergeben hat, stelle ich nach 15 Monaten ein. </em><em> </em></p>
<p><em>Die <a title="Medienkiste DDR" href="http://basedow1764.wordpress.com/2008/02/06/medienkiste-ddr/">Medienkiste</a> &#8222;Ampelmännchen und Todesschüsse&#8220; steht hessischen Schulen zur Ausleihe zur Verfügung. Die  Literaturliste wurde im Amtsblatt des Ministeriums veröffentlicht. Das Ministerium beabsichtigt, mehrere Kisten für Schulen auszuschreiben. (Nachtrag: Leider doch nicht!) </em></p>
<p><em>Im Internet wurde die Liste  3600mal aufgerufen. </em></p>
<p><em>Erste Rückmeldungen gibt es: Im Zusammenhang mit einem Zeitzeugenbesuch (&#8222;Die Frau vom Checkpoint Charly&#8220;) in Schulen und auf einem Seminar der Landeszentrale für politische Bildung im Museum &#8222;Point Alpha&#8220; in der Rhön wurde sie genutzt.<br />
</em></p>
<p><em>Ich werde weiterhin die Minderheitenveranstaltungen der Birthlerbehörde und anderer Institutionen besuchen, immer wieder neue, noch unbekannte Sachen erfahren, staunend hören, dass Geschichtswissenschaftler behaupten, die DDR sei nun ausreichend erforscht, und dass Politiker durch Weglassen lügen. </em></p>
<p><em> </em></p>
<p><em>Meine Anregung, den brandenburgischen Schulen eine ähnliche Medienkiste zur Verfügung zu stellen und einen Geschichtswettbewerb auszuschreiben, wurde von der CDU-Landtagsfraktion im Herbst 2008 aufgegriffen, fand aber beim Koalitionspartner keine Zustimmung und wurde nicht realisiert.</em></p>
<p><em>(Zum Geschichtswettbewerb des Brandenburger MBJS siehe den Nachtrag vom 11.5.09 in diesem <a title="Geschichtswettbewerb" href="http://basedow1764.wordpress.com/2009/02/12/mehr-ddr-geschichte-in-der-brandenburger-schule-verlangt/">Eintrag</a>!)<br />
</em></p>
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		<title>120 Millionen SED-Vermögen für Ostdeutschland</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Mar 2009 08:28:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>basedow1764</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Von den über 1,5 Milliarden €, die während der &#8222;Wende&#8220; Anfang 1990 unter dem SED/PDS-Vorsitzenden Dr. Gregor Gysi beiseite geschafft wurden, sind wieder ein paar Millionen (in der Schweiz) gefunden worden. (Etwa die Hälfte wurde bisher aufgespürt.)
Nun sollen 120 Millionen € gemäß Einigungsvertrag für gemeinnützige Zwecke in Ostdeutschland verwendet werden.
Mit dem Geld könnten alle Schulen [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=basedow1764.wordpress.com&blog=2382497&post=2311&subd=basedow1764&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Von den über 1,5 Milliarden €, die während der &#8222;Wende&#8220; Anfang 1990 unter dem SED/PDS-Vorsitzenden Dr. Gregor Gysi beiseite geschafft wurden, sind wieder ein paar Millionen (in der Schweiz) gefunden worden. (Etwa die Hälfte wurde bisher aufgespürt.)</p>
<p>Nun sollen 120 Millionen € gemäß Einigungsvertrag für gemeinnützige Zwecke in Ostdeutschland verwendet werden.</p>
<p>Mit dem Geld könnten alle Schulen in den neuen Bundesländern eine Schulbibliothek erhalten. (Man wird ja wohl noch träumen dürfen.)</p>
<p>Mehr zu dem versteckten PDS-Schatz <a title="SED-Vermoegen" href="http://www.ggysi.org/parteikasse.htm">hier</a> und <a title="SED-Vermoegen" href="http://www.ggysi.org/parteikasse.htm">hier.</a> Siehe auch <a title="Generation Marienborn" href="http://">hier</a>!</p>
<p><strong>Update 11.03.09 (korr. 26.3.)<br />
</strong></p>
<p>Zwei Millionen erhalten Brandenburger Schulen und Musikschulen. <strong>Also ist auch etwas für die Schulbibliotheksausstattung zu kriegen</strong>!</p>
<p><strong>Update 28.07.09</strong></p>
<p>Jetzt meldet das Brandenburger Bildungsministerium, dass Gelder aus dem &#8222;DDR-Parteienvermögen&#8220; in die Bildung flössen. Manche Zeitung schreibt: &#8222;DDR-Parteienvermögen&#8220;.</p>
<p>Wahrscheinlich fehlen mir wesentliche Informationen, aber die Formulierung &#8222;gefällt&#8220; mir: &#8222;Partei(en)vermögen der DDR&#8220;. Klingt richtig pluralistisch. Und die schleichende Gewöhnung an eine harmlose DDR.</p>
<p>98,5 % des &#8222;Parteienvermögens&#8220; der DDR gehörten der SED, der FDJ, dem FDGB, der GST. Das sind 1700 Millionen €. Den anderen &#8222;Parteien&#8220; CDU, LDPD, Bauernbund und NDPD (Die Bauernbund und NDPD wurden von Kommunisten gegründet) gehörten 22 Mio. &#8222;DDR-Parteivermögen&#8220; klingt halt ausgewogener als &#8222;SED-Vermögen&#8220;. Siehe in der <a title="SED-Vermögen" href="http://rhein-zeitung.de/on/98/08/24/topnews/sedgeld.html" target="_self">Rhein-Zeitung</a>!</p>
<p>Übrigens fehlen noch immer ca. 700 Mrd €. Das haben die &#8222;Parteien&#8220; auf Auslandskonten versteckt oder längst gewaschen.</p>
<p>Der Begriff &#8222;SED-Vermögen&#8220; aber ist völlig aus den M edien verwchwunden.</p>
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		<title>Medienkiste DDR (6): Schön war die Zeit &#8230;?</title>
		<link>http://basedow1764.wordpress.com/2009/02/20/medienkiste-ddr-6/</link>
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		<pubDate>Fri, 20 Feb 2009 11:54:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>basedow1764</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Berliner Grünen veranstalten seit einem Jahr eine Tagungsreihe &#8222;Schön war die Zeit &#8230;?&#8220; Aufklären statt verklären: Alltag und Unrecht in der DDR.
Die Themen sind Schule, Jugendszene, Lesekultur, &#8222;Operationsgebiet Westberlin&#8220; u.a.

Mich wundert, dass diese Tagungsreihe in der (Medien-)öffentlichkeit so wenig beachtet wird. Denn sie gehört zum besten, was es dazu gibt, neben den Veranstaltungen der [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=basedow1764.wordpress.com&blog=2382497&post=2223&subd=basedow1764&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Die Berliner Grünen veranstalten seit einem Jahr eine Tagungsreihe <strong>&#8222;Schön war die Zeit &#8230;?&#8220; Aufklären statt verklären: Alltag und Unrecht in der DDR.</strong></p>
<p>Die Themen sind Schule, Jugendszene, Lesekultur, &#8222;Operationsgebiet Westberlin&#8220; u.a.</p>
<p style="text-align:center;">
<div class="wp-caption aligncenter" style="width: 473px"><a href="http://www.gruene-fraktion-berlin.de/cms/ddr/dok/271/271411.veranstaltungsbericht_schoen_war_die_zei.html"><img title="DDR-Tagungsreihe" src="http://gruene-berlin.de/site/uploads/pics/schoen_war_die_zeit.jpg" alt="Schön war die Zeit" width="463" height="220" /></a><p class="wp-caption-text">Schön war die Zeit</p></div>
<p>Mich wundert, dass diese Tagungsreihe in der (Medien-)öffentlichkeit so wenig beachtet wird. Denn sie gehört zum besten, was es dazu gibt, neben den Veranstaltungen der Birthler-Behörde. Die Grünen haben einen Tagungsband angekündigt.</p>
<p>Viel hängt bei solchen Veranstaltungen vom guten Moderator ab. Das klappte nicht immer. Manchmal war auch das Publikum sachkundiger als das Podium.</p>
<p>Ein Spezifikum der Reihe ist, dass bei jeder Veranstaltung Vertreter der Linkspartei, auch aus der Zeit, als sie noch SED hieß, auf dem Podium (und im Publikum) sind. Das ermöglicht Begegnungen der besonderen Art. Davon will ich hier berichten:</p>
<p><strong>Prof. Bisky</strong> sitzt neben Frau Birthler auf dem Podium. (Biermann sitzt im Publikum. Er wollte nicht neben Bisky sitzen.) Die Frage an alle: &#8222;Welches sind ihre Erinnerungen an die DDR? Marianne Birthler: &#8222;Ich stamme aus einer Pfarrersfamilie und durfte daher nicht Abitur machen.&#8220; Sofort danach Prof. Bisky: &#8222;Die DDR hat es mir ermöglicht, Abitur zu machen und zu studieren.&#8220; Bisky entpuppt sich als in der Wolle gefärbter Kommunist. Die Zornesröte steigt in sein Gesicht, als Honecker kritisiert wird. Ebenso, als Biermann auch die Anfänge der DDR, die gerade romantisiert werden, zurecht rückt: &#8222;Die die stalinistischen Säuberungen in Moskau überlebt hatten und dann die DDR aufbauten, das waren doch die cleversten und gerissensten, die ihre Genossen denunziert hatten, um selbst zu überleben.&#8220;</p>
<p><strong>Frau Dr. Enkelmann</strong>, wieder einmal im Gespräch als mögliche Ministerpräsidentin Brandenburgs, erzählt von ihrer Doktorarbeit in einem Denglisch, als hätte sie in Berkeley oder Harvard eine Studie zur politischen Sozialisation amerikanischer Kleinstadtteenager vorgelegt. Kritsche Fragen eines jungen Sozialwissenschaftlers der FU aus dem Publikum beantwortet sie treuherzig. Nie hätte sie ihre Arbeit als Auftrag verstanden, die Jugendlichen noch besser zum Sozialismus zu erziehen.</p>
<p>Sie krönt ihre Einlassungen: Mit ihrem Staatsbürgerkundelehrer konnte man über alle Themen, wirklich über alle, offen diskutieren. Den Mitdiskutanten, die gerade von ihren Erfahrungen mit Denunziation, Erziehung zum Hass und Militarismus in der DDR-Schule berichtet haben, steht der Mund offen. Eine Punkerin erzählt von den Vopos, der Stasi, ihrer Haft (Weniger als 6 Monate, daher keine Entschädigung oder Ehrensold) und denselben Leuten nach der &#8222;Wende&#8220; in den Ämtern wie vorher. Frau Enkelmann sitzt  immer lächelnd daneben. Fehlt noch, dass sie das als Pluralismus der DDR ausgibt. (Das macht an einem anderen Abend ein anderer.)</p>
<p>Dann gab es den<strong> jungen Berliner Linksparteipolitiker</strong>, der mit Fragestellern aus dem Publikum und mit Mitdiskutanten auf dem Podium umsprang, dass man sich zu Franz-Josef-Strauß zurücksehnte (&#8222;Haben Sie überhaupt Abitur?&#8220; fragte der einmal einen kritischen Journalisten.)</p>
<p>Die Veranstaltung zum <strong>SED-Einfluss in West-Berlin</strong> hätte ich beinahe geschwänzt. Ich wollte ja vor allem mehr über die DDR erfahren. Dabei war gerade diese Veranstaltung besonders ergiebig.</p>
<p>Es ist ja nicht unbekannt, dass die SED in Westdeutschland und West-Berlin nicht ohne Einfluss gerade im studentischen Milieu war und DKP und SEW über Millionen DM verfügten. Zu hören, <span style="text-decoration:underline;">wie </span>stark dieser Einfluss an der FU und in der links-alternativen Szene war, verblüffte mich aber doch.</p>
<p>Etwa 1000 IMs gab es in West-Berlin. Aber IMs wurden gar nicht überall benötigt, weil die DDR-Sympathisantenszene groß genug war. Der Gesamtpersonalrat der FU und die Berliner ÖTV standen unter SED-Einfluss. In der FU scheiterte eine Biermann-Resolution.</p>
<p>Die Deutschlandpolitik der grünen Vorläuferbewegung Alternative Liste wurde von einem IM auf SED-Linie gebracht.  Der ging dann 1989 zur PDS.</p>
<p>Wenn undogmatische Linke mit Flugblättern unter dem Parka über den Bahnhof Friedrichstr. in den Osten reisten, standen die kommunistischen OSI-Kommilitonen auf dem Bahnsteig und zeigten der Stasi, wen sie sich ansehen sollte.</p>
<p>Da wurde ein alternatives Tageszeitungsprojekt dadurch kaputt gemacht, dass es unter SED-Einfluss geriet. <em>(Das Abo hatte ich freilich schon damals enttäuscht gekündigt, als ich den Trend bemerkte.)</em></p>
<p>Die SED hatte eine Heidenangst vor den Linksalternativen, die sich in West-Berlin tummelten. Die Friedensbewegung mit ihrem atomwaffenfreien Europa war ihr supekt. Sie hielt mit Geldkoffern und Einladungen nach Moskau dagegen. (Für den Fraktionsvorsitzenden der Linkspartei im Hessischen Landtag hat sich bis heute nichts geändert. Geld und Anweisungen erhält er auch heute wieder aus Berlin.</p>
<p>Nicht ungewöhnlich im extremistischen Spektrum war die Karriere des FU-Professors Johannes <a title="wikipedia_Agnoli" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Agnoli" target="_blank">Agnoli</a>, der von extrem rechts nach ganz links gewandert war und einer der Vordenker der 68er wurde. Auch der Frankfurter Dutschke, Krahl, war ein Wanderer zwischen den Extremen gewesen. So ganz unrecht hat Götz Aly wohl nicht, wenn er sich und seine Weggenossen von 68 heute kritisch <a title="Aly_68" href="http://www.amazon.de/Unser-Kampf-irritierter-Blick-zur%C3%BCck/dp/3100004213/ref=sr_1_2?ie=UTF8&amp;s=books&amp;qid=1235128721&amp;sr=8-2" target="_blank">sieht</a> und eine Traditionslinie zur Hitlerzeit zu entdecken glaubt.</p>
<p>Elmar <a title="elmar_Faber_wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Elmar_Faber" target="_blank">Faber</a>, in der DDR Verleger, u.a. Chef des Aufbau-Verlages, nach der &#8222;Wende&#8220; Träger des Bundesverdienstkreuzes und  Gründer des Verlages Faber und Faber, macht den Eindruck eines Geschäftsmannes, der überall zurechtkommt. Christoph Hein, auch auf dem Podium zum Thema &#8222;Leseland DDR&#8220; (auch das eine Propagandavokabel der SED) , sagt, dass <strong>&#8222;Weglassen die einfachste Form der Lüge&#8220;</strong> sei. Er hat auch an diesem Abend recht: Faber betont, dass er bei Hans Meier und Ernst Bloch studiert und Sartre verlegt habe. Erich Loest muss darauf hinweisen, dass spätere DDR-Studenten nicht mehr in den Genuss kamen, bei Bloch und Meier studieren zu können, da diese inzwischen im Westen lehrten. Auch wäre Sartre sehr bald der Zensur zum Opfer gefallen.</p>
<p>Als die Professorin Ines Geipel von wenig bekannten Schriftstellern erzählt, die noch bis kurz vor der &#8222;Wende&#8220; für ihre Texte mit mehrjährigen Zuchthausstrafen belegt worden waren, meint Faber, man müsse die DDR-Literatur differenziert sehen, sie wäre vielfältig gewesen. Er hätte im Jahr 500 Manuskripte bekommen. Und überhaupt müsse man die DDR-Literatur in den gesamten deutschen literarischen Kontext stellen. Das ist das Stichwort für einen Frager aus dem Publikum, der mehrfach im Lauf des Abends darauf hinweist, dass in der BRD Brecht nicht gedruckt werden durfte.  Auf die Frage, was es denn an großer sozialistischer Literatur gegeben hätte, nennt der &#8222;Brecht, Brecht&#8220;-Rufer Dietmar Dath.</p>
<p><span style="text-decoration:underline;">Die Argumentationsmuster der &#8222;DDR-Revisionisten&#8220; sind überall gleich:</span></p>
<ul>
<li><strong>Bei Euch (BRD) war es doch auch nicht anders</strong>: &#8222;Bei uns durften die Pfarrerskinder nicht studieren, bei Euch gab es Berufsverbote für fortschrittlich denkende Menschen. Eure Stasi hieß Verfassungsschutz. Bei Euch hatten die Amis das sagen, bei uns die Russen. Bei uns war Karl May und Micky Maus verboten, bei euch aber Brecht. Und an den Grenzen der EU werden auch Menschen getötet.&#8220; (Letzterer Satz ist der Kommentar eines Potsdamer linksextremistischen Stadtverordneten zu den Todesschüssen an der Mauer.)</li>
<li>Wissenschaftler, die diese Sicht bevorzugen, fordern <strong>Kontextualisierung</strong>: Man muss DDR und BRD nebeneinander stellen und als aufeinander bezogene, ähnlich agierende Akteure des Kalten Krieges sehen. Dann hat man zwei Auslaufmodelle und kann sich auf die Suche nach dem 3. Weg machen. <em>Hier wäre ein Besuch der Ausstellung im Notaufnahmelager Berlin-Marienfelde zu empfehlen.</em> <em>Da ergibt sich implizit eine Gegenüberstellung der beiden &#8222;Systeme&#8220;</em>.</li>
</ul>
<ul>
<li><strong>Man darf nicht nur über die Repression reden, man muss auch den Alltag sehen</strong>. <strong>Sonst erhält man ein einseitiges Bild</strong>: &#8222;Wir hatten den besseren Sex und haben mehr gelacht.&#8220; &#8222;Die Frauen waren gleichberechtigt.&#8220; &#8222;Wer seine Arbeit getan hat, hatte auch keine Probleme.&#8220;</li>
<li>Manche Wissenschaftler sagen dazu: ein <strong>multiperspektivisches Bild</strong> der DDR herstellen. Dazu passt ein <a title="Krenz" href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,608949,00.html" target="_blank">Auftritt</a> von Egon Krenz. Oder der brandenburgische Bildungsminister, der auch die &#8222;Schattenseiten&#8220; der DDR im Unterricht erwähnt sehen möchte.</li>
</ul>
<ul>
<li>Wenn das nicht hilft: <strong>&#8222;Das war ja gar kein richtiger Sozialismus in der DDR</strong>. Er wurde falsch umgesetzt. Wenn ihr 89 nicht gekommen wärt und und die &#8222;kriminelle Treuhand&#8220; (Günter Grass) nicht gewesen wäre, hätten wir den demokratischen Sozialismus verwirklicht.&#8220;<em> </em>&#8222;Pseudosozialismus&#8220; sagt die &#8222;Freitag&#8220;-Mitherausgeberin Daniela Dahn zur DDR<em>. </em><em><br />
</em></li>
</ul>
<p style="padding-left:30px;"><em>Dazu schreibt mir die postkommunistische Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke in <a title="jelpke" href="http://www.abgeordnetenwatch.de/ulla_jelpke-650-6071-3.html#fragen">abgeordnetenwatch</a>.de am 25.11.08 erhellend, dass demokratischer Sozialismus eine Erfindung der SPD wäre, letztlich ein rosaroter Kapitalismus.</em></p>
<p style="padding-left:30px;"><em>&#8222;Es muss demokratisch aussehen&#8220; war die Parole der aus Moskau zurückkehrenden deutschen Kommunisten. Das war ehrlicher als wenn Daniela Dahn in der Leipziger Büchernacht 2009 davon schwärmt, dass die DDR-Volkskammer demokratischer war als der Bundestag (&#8222;2% der Bevölkerung sind in Parteien, im Bundestag sind es 100%.&#8220;)<br />
</em></p>
<p>Die <a title="Basedow1764 zur Abschlussveranstaltung " href="http://wp.me/p9ZNn-1fV" target="_self">Abschlussveranstaltung </a>ist am 7.10.09.</p>
<p><strong>Update</strong>: <strong> </strong></p>
<p><strong>Erwin Sellering</strong> verhöhnt auf dem SPD-Parteitag am 26.4. in MeckPomm weiterhin die SED-Opfer und geht  (nein nicht auf den Strich &#8211; aber was ist das anderes als politische Prostitution?) auf Stimmenfang in seinem Lande. Seine Popularität ist bisher aber noch nicht  einmal bei seinen Genossen gestiegen.</p>
<p><strong>Update 12.4.09</strong></p>
<p>Herr <strong>Müntefering </strong>fordert eine neue Verfassung wegen des Unwohlseins von ex-DDR-Bürgern in der vereinigten BRD. Er hat wohl gerade mit Günter Grass gesprochen, der sich nicht einkriegen kann, dass die Treuhand die gößte kriminelle Vereinigung seit 1945 auf deutschem Boden wäre.  Lassen wir Münterferings späte Erkenntnis mal als Marketing-Gag beiseite, so stimme ich ihm in allem anderen, was Spiegel-Online verbreitet, <a title="Münte" href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,618700,00.html">zu</a>.</p>
<p>Die SPD leidet unter dem Trauma der vergeigten Wahlen 1990. Damals war sie zumindest in Teilen gegen eine Vereinigung und Lafontaines frühere Liebedienereien gegenüber Honecker, dem Saarländer waren in Ostdeutschland noch nicht vergessen. Egon Bahr glaubte bei den Märzwahlen &#8222;faschistoide Züge&#8220; und &#8222;Psychoterror nach Goebbels-Manier&#8220; bei der West-CDU wahrgenommen zu haben (Kowalczuk, Endspiel, p 531f)</p>
<p><strong>Nachtrag </strong></p>
<p><strong> </strong>(Übernahme aus dem gelöschten Beitrag &#8222;Gemischte Lesetipps)<strong><br />
</strong></p>
<p><a href="http://basedow1764.files.wordpress.com/2008/03/dammann-cover.jpg"><img class="size-full wp-image-120 alignleft" title="Dammann Cover" src="http://basedow1764.files.wordpress.com/2008/03/dammann-cover.jpg?w=140&#038;h=140" alt="Dammann Cover" width="140" height="140" /></a></p>
<p><strong>Ein Land, genannt die DDR</strong>, herausgegeben von Ulrich Plenzdorf und Rüdiger Dammann.</p>
<p>Im Zusammenhang mit der Bücher- und Medienkiste &#8222;Ampelmännchen und Todesschüsse&#8220; zur <a title="DDR-Bücher- und Medienkiste" href="http://basedow1764.files.wordpress.com/2008/07/ddr-kiste-080706.pdf" target="_blank">DDR</a>-Geschichte stieß ich auf dieses Buch.  Rüdiger Dammann macht i. d. R. gute Bücher, z. B. <a title="Zerrissene Herzen" href="http://www.amazon.de/Zerrissene-Herzen-Geschichte-Juden-Deutschland/dp/3100035208/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;s=books&amp;qid=1206540849&amp;sr=1-1" target="_blank">dieses</a>.</p>
<p>Auch das mir vorliegende ist liebevoll gestaltet, gut und verständlich zu lesen, was ja in der S I enorm wichtig ist. Das Buch kommt in der Aufmachung wie ein Jugendsachbuch daher, was es aber nicht ist.</p>
<p><strong>Beim Nachwort von Ulrich Plenzdorf, das ich zuerst lese, stocke ich: Als einzige wirkliche Auskunft über das Leben in der DDR könne nur die von in der DDR aufgewachsenen Menschen gelten.</strong> Besser könne man Geschichte nicht schreiben. Naja, wer sich noch nie mit den Problemen der oral history auseinandergesetzt hat, glaubt das wohl. Nichts gegen Zeitzeugen als Quelle, aber Quellenkritik muss erlaubt sein.</p>
<p>Niemand will den Menschen, die in der SED-Diktatur leben mussten, Identität und Erinnerungen nehmen. Aber da muss nicht eine Sympathieerklärung für Ulbricht dabei herauskommen.</p>
<p>Die Probe aufs Exempel liefert Daniela Dahn im Beitrag über die DDR-Wirtschaft: &#8222;Die Legende vom faulen Ossi&#8220;. Ich suche für die Bücherkiste Bücher, in denen Jugendlichen erklärt wird, warum ein Wirtschaftssystem nicht funktionieren kann, in dem die Brathähnchen in der Gaststätte billiger sind als das Huhn beim Metzger, das Brot an Schweine verfüttert wird, weil es so billig ist, die Miete fast nichts kostet, dafür aber die Häuser verfallen.</p>
<p>Für Dahn ist der &#8222;Witz der Sache&#8220; leitend: In der DDR war zum ersten Mal in Deutschland die Macht des Kapitals gebrochen. Diesem Witz wird dann die Wirklichkeit untergeordnet. Die DDR war mit NÖSPL, dem neuen System der Wirtschaftslenkung, auf dem besten Weg zum Arbeiter- und Bauern-Paradies. Ulbricht war ein Wirtschaftsreformer, der leider von den Russen und Honecker gebremst wurde. Eigentlich wären die Kombinate, in denen die DDR-Wirtschaft zusammengefasst war, hochrentabel gewesen, eigentlich war die DDR am Schluss nicht ganz bankrott, eigentlich gab es ja damals weltweit Wirtschaftssiechtum, eigentlich hatte das DDR-Statistikamt der Industrieproduktion des Landes den 15. bis 17 Platz auf der Weltrangliste zugewiesen.</p>
<p>Da kam die Wende wohl zu Unrecht?</p>
<p>Wenn Dahn die Brigaden beschreibt, ist das ein guter Einblick in den Arbeitsalltag. Die SED hatte die Brigaden keineswegs im Griff, musste sie bisweilen fürchten.</p>
<p>Aber wenn Dahn das Wirtschaftssystem erklärt, hört sich das nach einem Seminar in den Hinterzimmern der die DDR überlebt habenden &#8222;Volkssolidarität&#8220; an.</p>
<p>Es muss ja keinesfalls der entfesselte Kapitalismus als die einzig richtige Wirtschaftsform herauskommen, aber eine romantisierende Betrachtung der Zentralverwaltungswirtschaft hilft nicht weiter, außer dass sie Weichspülung der DDR bei den nachwachsenden Schülergenerationen fortsetzt. Da hatte Werner Obst schon 1983 den besseren <a title="Werner Obst über die DDR-Wirtschaft" href="http://www.amazon.de/gp/offer-listing/3720151581/ref=sr_1_olp_1?ie=UTF8&amp;s=gateway&amp;qid=1207677113&amp;sr=8-1" target="_blank">Durchblick</a>!</p>
<p><strong> </strong>NÖSPL-Fan Daniela Dahn war übrigens die Favoritin von Dr. Gysi für die Kandidatur zur Bundespräsidentin.</p>
Posted in DDR Tagged: Daniela Dahn, DDR-Aufarbeitung, DDR-Verklärung, Elmar Faber, Gysi, Linkspartei, NöSPL, Rüdiger Dammann, Schuss Willkür, Sellering, Ulrich Plenzdorf <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/basedow1764.wordpress.com/2223/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/basedow1764.wordpress.com/2223/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/basedow1764.wordpress.com/2223/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/basedow1764.wordpress.com/2223/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/basedow1764.wordpress.com/2223/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/basedow1764.wordpress.com/2223/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/basedow1764.wordpress.com/2223/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/basedow1764.wordpress.com/2223/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/basedow1764.wordpress.com/2223/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/basedow1764.wordpress.com/2223/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=basedow1764.wordpress.com&blog=2382497&post=2223&subd=basedow1764&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Medienkiste DDR (4): Antisemitismus, Leseland DDR</title>
		<link>http://basedow1764.wordpress.com/2008/12/08/medienkiste-ddr-4-antisemitismus/</link>
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		<pubDate>Mon, 08 Dec 2008 17:32:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>basedow1764</dc:creator>
				<category><![CDATA[DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Lesetipp]]></category>
		<category><![CDATA[Antisemitismus DDR]]></category>
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		<category><![CDATA[Luchs-Kinderbuchjury]]></category>
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		<category><![CDATA[Stasi]]></category>
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		<description><![CDATA[Dr. Gysi hat kürzlich in einem Beitrag im &#8222;Tagesspiegel&#8220; darauf hingewiesen, dass die DDR niemals antisemitisch gewesen wäre.
Unter Ostalgikern gibt es immer einen Aufschrei, wenn diese Legende zerstört wird.
Wohlgemerkt, es geht nicht um Antizionismus oder Israel-Kritik. Dass die SED in Nahost Terroristen unterstützt und arabische Staaten mit Waffen versorgt hat, dass im DDR-Fernsehen Israel mit [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=basedow1764.wordpress.com&blog=2382497&post=1602&subd=basedow1764&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Dr. Gysi hat kürzlich in einem Beitrag im &#8222;Tagesspiegel&#8220; darauf hingewiesen, dass die DDR niemals antisemitisch gewesen wäre.</p>
<p>Unter Ostalgikern gibt es immer einen Aufschrei, wenn diese Legende zerstört wird.</p>
<p>Wohlgemerkt, es geht nicht um Antizionismus oder Israel-Kritik. Dass die SED in Nahost Terroristen unterstützt und arabische Staaten mit Waffen versorgt hat, dass im DDR-Fernsehen Israel mit Hitler gleichgesetzt wurde, ist hier nicht gemeint.</p>
<p>Als Gysi 1990 den Jüdischen Weltbund um einen Milliardenkredit bat, um den Zusammenbruch der DDR zu verhindern, mit Verweis auf die revanchistisch-faschistoide BRD, gab es in amerikanischen Zeitungen und bei jüdischen Organisationen Verblüffung über so viel Chuzpe.</p>
<p>Man war sich der Geschichte der SED-Diktatur bewusst: Die antisemitischen Schauprozesse Ende der 40er, Anfang der 50er Jahre, der Exodus der Vertreter jüdischer Gemeinden, die Behandlung des Holocaust als Fußnote der Geschichte, die Verweigerung jeglicher Entschädigungszahlen, die Aberkennung oder Verweigerung des Status als OdF, Opfer des Faschismus, wenn es um Juden ging.</p>
<p>Einer von Gysis Vorgängern als SED-Vorsitzende, Walter Ulbricht, war da weniger zimperlich. Er soll gesagt haben : &#8222;Wenn Hitler die Juden nicht schon enteignet hätte, hätten wir das gemacht.&#8220; Die jüdischen Genossen hat er nach und nach beseitigen lassen. Mielke war in seiner Ausdrucksweise nicht besser als Julius Streicher.</p>
<p><em>(Zur Klarstellung: In keinster Weise ist von mir beabsichtigt, Ulbricht  Hitler gleichzustellen. Oder Gysi Ulbricht oder Mielke. </em></p>
<p><em>Andererseits: Ulbrichts Wirtschaftspolitik wird in einem Jugendbuch des Fischer Verlages gelobt &#8211; Plenzdorf/Damann, ein Land genannt die DDR -  &#8230;)</em></p>
<p>Lesenswert:</p>
<p><strong>Stefan Meining, Kommunistische Judenpolitik. Die DDR, die Juden und Israel</strong>, Hamburg: 2002, dokumentiert anhand von Protokollen und anderen Dokumenten  den Antisemitismus der deutschen Kommunisten von 1930 bis 1990.</p>
<p>In Westdeutschland wird bis heute gerne vom Leseland DDR geschwärmt, wo sogar noch Grillparzer gelesen worden wäre. (Warum wohl?)</p>
<p><strong>Zensurspiele. Heimliche Literaturgeschichte aus der DDR</strong> von Simone Beck und Siegfried Lokatis, Halle: 2008, dokumentiert in zahlreichen Beispielen die verquaste Zensur der SED. Aberwitzige Geschichten. Sehr lesenswert.</p>
<p>Das ist eines der Bücher, die schon alleine  ausreichen, um klar zu machen, wie es ausgeht, wenn eine heilsversprechende Utopie mit gnadenloser Härte durchgesetzt wird.</p>
<p><em>Warum muss ich mir in Potsdam solche Bücher immer per Fernleihe besorgen, diesmal sogar aus Westdeutschland?</em> (In akademischen Bibliotheken sind sie gelegentlich da, aber meist nur im Präsenzbestand.)</p>
<p>Zur Medienkiste &#8222;Ampelmännchen und Todesschüsse&#8220; <a title="Medienkiste DDR" href="http://www.slideshare.net/basedow1764/ddr-kiste-090210-mit-zusatzmat" target="_blank">hier</a>.</p>
<p><strong>Update 09.12.08</strong></p>
<p>Die &#8222;<strong>Runde Ecke</strong>&#8222;, Dokumentationszentrum in der ehemaligen Leipziger Stasi-Zentrale, hat eine <a title="Datenbank Runde Ecke" href="http://www.runde-ecke-leipzig.de/cms/?id=250" target="_blank"><strong>Datenbank </strong></a>online gestellt, in der 1500 Objekte fotografiert und erläutert wurden. Man muss mal stöbern: &#8222;Postkontrolle&#8220; , &#8222;Schminken&#8220;, &#8222;Geruchsprobe&#8220;.</p>
<p>Hervorragend geeignet für Unterrichtsrecherchen!</p>
<p><strong>Update 17.12.08:</strong></p>
<p>In der Medienkiste &#8222;Ampelmännchen und Todesschüsse&#8220;  ist das Buch &#8222;Die DDR&#8220; von Hermann Vinke. Ich entdecke dazu gerade die Rezension  in der Zeit (Luchs-Kinderbuchjury):  Luchs 267, Zeit Nr. <a title="Luchs-kinderbuchjury" href="http://www.zeit.de/2008/29/KJ-LUCHS-Vinke" target="_self">29</a>, vom 10.07.08</p>
<p>Hermann  Vinkes Buch über die DDR wird von der Kinderbuchjury  der Zeit und Radio Bremen zu Recht empfohlen. Allerdings muss man es gegen den  Rezensenten Volker Ulrich verteidigen.</p>
<p><strong>Ulrich  sieht in der Aufarbeitung der SED-Diktatur einen eifernden Ton der Abrechnung,  eine zunehmende Gleichsetzung der DDR mit dem „Dritten Reich&#8220;</strong> und liest in das  sachliche Buch seine DDR-Sicht hinein. Bisher hatte ich eher  wahrgenommen, dass die DDR zunehmend verklärt wird, man wäre nett zueinander  gewesen, die Luft wäre gesünder und die Mieten billiger gewesen.</p>
<p>Die  political correctness  verbietet es, auf Parallelen zwischen den beiden Diktaturen hinzuweisen. Dass  Potsdam etwa 1953 erneut „judenrein&#8220; war, behält man besser für sich. Die DDR  war ja angeblich nie antisemitisch, höchstens  antizionistisch.</p>
<p>Ulrich  zitiert aus Vinkes Buch „die höchste  Frauenerwerbsquote der Welt&#8220; als SED-Errungenschaft. Bei Vinke steht vorher der Satz, wem das geschuldet war, nämlich  dem Arbeitskräftemangel (p. 65). Die DDR-Paschas, vorneweg die alten Männer des Politbüros,  feierten die Doppelbelastung  ihrer Frauen auch noch mit dem Weltfrauentag.</p>
<p>Ulrich  lobt das angeblich vorbildliche DDR-Schulsystem. Vinke ist da vorsichtiger. Das  rigide DDR-Schulsystem wird gerade von Journalisten zunehmend verklärt. Als ob es nie  eine Odenwaldschule, integrierte Gesamtschulen oder die Laborschule gegeben  hätte.</p>
<p>Während der friedlichen Revolution war man sich noch einig, dass die  DDR-Schule die Menschen deformiert habe, wie Christa Wolf es formulierte.</p>
<p>Und was  die Leistungen angeht, so konnten sich die westdeutschen Lehrer während der  Ausreisewelle davon überzeugen, dass die im rezeptiven Unterrichtssystem der  Diktatur hervorragend benoteten Übersiedlerkinder ganz schnell in der Mitte der  Notenskala ankamen. Die DDR-Lehrer mussten Rechenschaft ablegen, wenn sie schlechte Noten gaben.</p>
<p>Es  macht auch sicher einen Unterschied, ob eine Diktatur ihren gesamten  Repressionsapparat gegen Jeans- und Rock´n-Roll-Liebhaber einsetzt oder eine westliche  Vätergeneration darauf aggressiv reagiert. Ulrich setzt das gleich, Vinke nicht.</p>
<p><strong>Vinkes Buch ist ein sehr brauchbares  Nachschlagwerk für Jugendliche. Es hat nur diese Besprechung in der &#8222;Zeit&#8220; nicht  verdient.</strong></p>
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		<item>
		<title>Die DDR lebt!</title>
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		<pubDate>Sat, 29 Nov 2008 18:40:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>basedow1764</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In Kleinmachnow, vor den Toren Berlins gelegen, unweit des ehemaligen Grenzübergangs Dreilinden, findet in einer 10. Klasse ein Zeitzeugenbesuch statt: Eine Frau, deren Leidensgeschichte auch verfilmt wurde. Sie hatte, etwas naiv und unbedacht, regimekritische Parolen auf die Straße gemalt und wurde zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilt.
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			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>In Kleinmachnow, vor den Toren Berlins gelegen, unweit des ehemaligen Grenzübergangs Dreilinden, findet in einer 10. Klasse ein <strong>Zeitzeugenbesuch</strong> statt: Eine Frau, deren Leidensgeschichte auch verfilmt wurde. Sie hatte, etwas naiv und unbedacht, regimekritische Parolen auf die Straße gemalt und wurde zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilt.</p>
<p>Die Schüler/innen finden die DDR-Darstellung zu negativ. Aber der Höhepunkt kommt noch: &#8222;Ist das hier eine Werbeveranstaltung für Demokratie?&#8220; fragt die junge Lehrerin ungehalten. (Potsdamer Neueste Nachrichten v. <a title="PNN Kleinmachnow Zeitzeugen" href="http://www.pnn.de/potsdam/index.asp?gotos=http://archiv.tagesspiegel.de/toolbox-pnn.php?ran=on&amp;url=http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/29.11.2008/4449614.pnn#art" target="_blank">29</a>.11.08)</p>
<p>Zur Bekämpfung der friedlichen <strong>Montagsdemonstranten </strong>in Leipzig ließ die SED <strong>Fallschirmjäger </strong>aus Lehnin verlegen. Sie kamen glücklicherweise nicht zum Einsatz. Als die jungen Männer erfuhren, wozu man sie beinahe eingesetzt hätte, demolierten sie vor Wut ihre Kaserne. Sie hatten mehr verstanden als die überforderte Kleinmachnower Lehrerin.</p>
<p><strong>Zeitzeugenbesuche in Schulen werden in Brandenburg nicht von der Landesregierung finanziert, sondern durch private Spenden.</strong></p>
<p>Ich mache gleich weiter. <em>(Dies soll zwar ein Schulbibliotheksblog sein, aber ich bin  fassungslos und muss das loswerden.)</em></p>
<p>Der ehemalige DDR-Korrepondent der ARD, <strong>Hans-Jürgen Börner</strong>, zeigt im Berliner Rathaus vorab seinen Film &#8222;<strong>Meine Stasi</strong>&#8220; über die IMs, die auf ihn während seiner Tätigkeit in Ostberlin in den 80er Jahren angesetzt waren. Er versucht, mit allen Spitzeln ins Gespräch zu kommen, macht keinem Vorwürfe, will zuhören. Er zeigt im Film die Bandbreite der IMs auf, den gläubigen Kommunisten, den Ängstlichen, den Reuigen, den Ehemann, der seine Frau bespitzelte, den Wendegewinner, der immer obenauf schwimmt.</p>
<p>Als er in <strong>Zossen </strong>2007 einen seiner ehemaligen IM auf der Straße bei laufender Kamera anzusprechen versucht, kommt einer aus dem Rathaus gelaufen und will das Drehen verbieten: &#8222;Haben Sie eine Drehgenehmigung? Hier in Zossen müssen Sie Filmaufnahmen vom Rathaus genehmigen lassen!&#8220; Mit einer ähnlichen Sequenz in Ostberlin hatte der Film begonnen.</p>
<p>Ein Jahr später, 2008, hätte Börner den Film wahrscheinlich gar nicht mehr machen können. Dr. Gysi und seine Genossen haben es geschafft, dass Gerichte die Namensnennung von Spitzeln untersagen. Das beeinträchtige inzwischen auch die wissenschaftliche Aufarbeitung der SED-Diktatur, klagt ein Mitarbeiter der Birthler-Behörde.</p>
<p>Die Idee eines Geschichtswettbewerbes á la Körber-Stiftung, &#8222;Spurensuche DDR&#8220;, kann man vergessen. Die Pfarrer und Lehrer, die sich mit Klassen auf Spurensuche begeben, werden mit Klagen überzogen. <strong>Die Landesregierung von Brandenburg hat einen angekündigt, aber vergessen, ihn auszuschreiben. </strong>(Nachtrag: Sie haben doch noch einen zur &#8222;Wende&#8220; ausgeschrieben. Die Schulen haben bis zu den Sommerferien 2009 etwa drei Monate Zeit dafür<strong>.)<br />
</strong></p>
<p>Abgesehen von der juristischen Seite: Ich habe es gerade erlebt: <strong>Mit der Brandenburger SPD ist eine Medienkiste, ähnlich wie die hessische &#8222;Ampelmännchen und Todesschüsse&#8220;, nicht zu machen.</strong> Man will den zukünftigen Koalitionspartner wohl nicht reizen.</p>
<p>In <strong>Berlin-Lichtenberg</strong> hat 2007 die postkommunistische Bezirksbürgermeisterin eine  <strong>Ausstellung über Antisemitismus in der DDR</strong> aus dem Sitzungssaal entfernen und in einem ungeeigneten Flur die Tafeln mehr oder weniger abstellen <a title="Linkspartei gegen Ausstellung" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2007/0421/berlin/0037/index.html" target="_blank">lassen</a>.</p>
<p>Siehe in diesem Blog auch  alle <a title="Medienkiste DDR" href="http://basedow1764.wordpress.com/2008/02/06/medienkiste-ddr/">früheren </a>Nachrichten zum Thema &#8222;DDR&#8220; oder &#8222;DDR im Unterricht&#8220;!</p>
<p>Auch wenn es nicht ganz in die Beispiele unter dieser Überschrift passt, weil es um reale Begebenheiten geht und nicht um das, was in den Köpfen abgelagert hat, aber ich bin immer noch überrascht von der Bemerkung  <strong>Katharina <a title="Thalbach_DDR" href="http://basedow1764.wordpress.com/2008/09/25/medienkiste-ddr-3-schulerwissen-korruption-ua/">Thalbachs</a>,</strong> dass sie gerne noch einmal beim Experiment DDR mitmachen möchte. (<em>Vielleicht nimmt sie erstmal Mäuse als Versuchskaninchen</em>.)</p>
<p>Eins weiß ich, ein Päckchen mit Bohnenkaffee, Orangen und einer neuen Kurbelwelle schick´ich ihr dann nicht, falls ich überhaupt Gelegenheit dazu hätte. Denn das Experiment dürfte sich ja dann auf die gesamt &#8222;BRD&#8220; erstrecken. West-Berlin dürfte dem Experiment DDR&#8220; aber fehlen. Oder woher will man die fehlenden Produkte kriegen, z.B. die Lebensmittel für Wandlitz oder die Armaturen für Villen der politischen Klasse?</p>
<p>Frau Thalbach hat gut reden. <strong>Sie gehörte zu den Privilegierten und durfte sogar übersiedeln, als sie vorübergehend einen nichtsozialistischen Staat attraktiver fand.</strong> Für die Oberschicht, zu der auch angepasste Künstler gehörten, gab es Volvos, für die Ostberliner Wartburgs mit VW-Motor und für den doofen Rest Trabbis.</p>
<p>Das <strong>Statistische Bundesamt</strong> veröffentlicht in seinem Jahrbuch 2008, S. 398, die <strong>Einstellung der Bundesbürger zum Sozialismus.</strong> 76% der Ostdeutschen (Westdeutsc he 45%) halten ihn für eine gute Idee, die nur schlecht realisiert worden war. (Dort auch weitere interessante Werte, etwa Einstellung zur Demokratie.)</p>
<p>Ganz ähnlich war das ja mit dem Nationalsozialismus. Bis in die 60er Jahre war das ja auch die Mehrheitsmeinung über den Nationalsozialismus. Der war <strong>Fürsorgediktatur</strong>: Volkswohlfahrt und Volksgemeinschaft.  Aber halt, <span style="text-decoration:underline;">Vergleiche zwischen Sozialismus und Nationalsozialismus sind aus dem brandenburgischen Lehrplan entfernt worden</span>.</p>
<p><strong>Nachtrag:</strong></p>
<p>Der Vorsitzende der <strong>Pressekammer des Landgerichts Hamburg</strong>, Buske, und ein Kollege in Berlin werden vor allem von Rechtsanwalt Dr. Gysi gerne angerufen, weil sie verlässlich die Pressefreiheit zugunsten von IMs einschränken und deren Namensnennung auch in Ausstellungen und Dokumentationen verbieten. Wie schön, dass der Rechtststaat den Unrechtsstaat schützt.</p>
<p><strong>Nachtrag</strong>:</p>
<p>Wer durch zwei große <strong>Potsdamer Buchhandlungen</strong> schlendert, erfährt wahrscheinlich mehr über den Stand der DDR-Aufarbeitung als in Gedenkreden des Jahres 2009. Da findet sich schon mal ein Band von Kowalczuks Endspiel, ein Buch von Erhard Neubert und von Hubertus Knabe. Dazwischen aber die Stapel der Bekenner- und Rechtfertigerliteratur: &#8222;Wir waren nicht pleite&#8220;, &#8222;Der Westen hat gesiegt&#8220;, &#8222;Schluss m it den Lügen über die DDR!&#8220; Daneben die Biographien von Krenz und Wolf. Das ist anscheinend das, was gut geht.</p>
<p><strong>Nachtrag 22.7.09</strong></p>
<p>Der <strong>Bürgermeister von Prenzlau</strong> ist noch nicht in der Gegenwart angekommen. Erst will er eine Sozialwohnung haben, die schon vergeben ist. Dann verleiht er einem Mitarbeit -natürlich nur im Spaß &#8211; den Orden &#8222;Banner der Arbeit&#8220;, die Urkunde ordentlich mit einem Honecker-Faksimile unterzeichnet.</p>
<p>Da sind mir alle die ehemaligen Nomenklatura-Leute, die heute unauffällig als Polizeipräsidenten, IHK-Vorsitzende, Zeitungs- und Fernsehredakteure, Verbandschefs, Rechtsanwälte, Fraktions- und Ausschussvorsitzende, Bankmanager usw. usw. arbeiten, lieber. Nach 1945 wurden die vielen nationalsozialistisch Belasteten auch integriert. Wenn die Mehrzahl begreift, dass Demokratie und Marktwirtschaft besser sind als Diktatur und Planwirtschaft, sei´s drum. Nur, während die Erinnerung an das &#8222;Dritte Reich&#8220; verblasste und vor allem die &#8222;Schattenseiten&#8220; erinnert werden, wird in Ostdeutschland die DDR immer rosiger gesehen.</p>
<p><strong>Nachtrag 23.08.09</strong></p>
<p>Passend zum Gedenktag des Hitler-Stalin-Paktes berichtet die rbb-Abendschau über eine Demonstration von Kommunisten zum Erhalt einer <strong>Thälmann-Gedenkstätte in Königs-Wusterhausen.</strong> Der Wortführer darf ein paar Sätze ins Mikro sprechen. Als ob es um einen beliebten Heimatdichter ginge.</p>
<p>Da werden Millionen für die Aufarbeitung der SED-Diktatur ausgegeben. Es wird lamentiert über das geringe Schülerwissen. Und der rbb betreibt Heimatkunde. Teddy war ein Totengräber der Weimarer Republik, er hat den stalinistischen Terror unterstützt. Bloß nicht dran rühren. Gäbe es Ärger mit Rundfunkräten?</p>
<p><strong>&#8222;Weglassen ist eine einfache Form der Lüge&#8220;,</strong> sagt Christoph Hein.</p>
<p><strong>Nachtrag 5.9.09</strong></p>
<p>Egal wie klein und entlegen das Dorf ist, was es immer gibt in den neuen Bundesländern: Eine Straße des Friedens, der Freundschaft, der Einheit, der Jugend. <strong>Was es nirgendwo gibt: Eine &#8222;Straße der Friedlichen Revolution&#8220;.</strong></p>
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