Grenzfall, Graphic Novel, für Schulbibliotheken

Basedow1764:

Als Graphic Novel wird es von Schülern gelesen werden. Einem Sachbericht würde das nicht passieren.
Ein Interview mit Susanne Buddenberg und Klaus Henseler zu ihrem allerneuesten Werk: “Berlin – Geteilte Stadt”.

Ursprünglich veröffentlicht auf Ampelmännchen und Todesschüsse:

von Susanne Buddenberg (Text) und Thomas Henseler (Text & Zeichnungen) Vorschau beim avant-Verlag.

Aus der Verlagswerbung zur Graphic Novel “Grenzfall”:

Im Zentrum der auf wahren Begebenheiten beruhenden Geschichte steht die illegale Zeitung “Grenzfall”, deren Macher ins Visier der DDR-Staatssicherheit geraten.

DDR 1982, Ost-Berlin: Der Schüler Peter Grimm rebelliert gegen die Meinungsdiktatur und gegen einen Staat, der einem die Luft zum Atmen nimmt. Durch seinen Freiheitsdrang fühlt er sich zur Familie Robert Havemanns hingezogen, wo er viele Freunde und Gleichgesinnte findet. Daraufhin wird er wegen seiner “moralisch charakterlichen Grundhaltung” vom Abitur ausgeschlossen und von der Schule geworfen…

Nachtrag 12.9.12: Für Sekundarstufenbibliotheken uneingeschränkt empfehlenswert.

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Animationsclips für die politische Bildung

/e-politik.de/ ist ein Online-Magazin für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Es bietet anscheinend eine Plattform für Nachwuchsjournalisten. Sie wollen Hintergrundinformationen, aktuelle Analysen und politisches Basiswissen liefern und Orientierung im politischen und politikwissenschaftlichen Internet anbieten.

Unter anderem werden Animationsclips produziert. Bisher zu Themen wie Migration, Klimawandel, Welthandel und DDR. Sie stehen auch auf Youtube.

Den Clip zur DDR, von der Stiftung Aufarbeitung gefördert, habe ich mir angesehen. In sieben Minuten gibt es einen Überblick über die Geschichte von 1945 bis 1990. Der ist klar strukturiert, thematisch nicht überfrachtet, durch die Animationen anschaulich und sprachlich verständlich. (Als Gegenpol zu Planwirtschaft wäre aber Marktwirtschaft statt Kapitalismus geeigneter.)

Was den Einsatz des DDR-Clips im Unterricht der Sekundarstufen angeht, hätte ich allerdings Schwierigkeiten. Es ist ein fertiges, geschlossenes, informatorisches Produkt. Diesen Inhalt sollten sich Schüler/-innen selbst erarbeiten, sie selbst sollten zu diesen Schlussfolgerungen und Urteilen kommen. Ich würde ihn weder als Einstieg noch als Schluss benutzen wollen. In einem Politik-Leistungskurs, sollte es so etwas noch geben, könnte ein solcher Clip aber entstehen. In der Erwachsenenbildung (VHS, ausländische Besuchergruppen) sehe ich die besten Einsatzmöglichkeiten. Da es in Brandenburg 10. Klassen geben soll, die gerade mal in drei Stunden vor den Sommerferien die DDR behandeln, könnte hier ein solcher Clip besser als gar nichts sein.

Vielleicht ist es bei den anderen Clips einfacher.

Sollte ein erfahrener Altblogger wissen, dass CIA, KAS, Gazprom Germania oder INSM hinter  /e-politik.de/ stehen, bitte ich um Hinweise.

Platzeck praeceptor occidentis

„Was wir brauchen, sind endlich mal Filme über das wirkliche Leben (in der SED-Diktatur; G.S.), in denen sich die Leute wirklich widergespiegelt fühlen.“ Die Westdeutschen, die sich in aller Regel nicht für den Osten interessierten, könnten dann dazu gebracht werden, auch mal zu fragen, wie es denn wirklich war.  Die Debatte um die Rolle der Stasi verstelle den Blick auf die Lebenswirklichkeit der meisten Bewohner.

So der Stolpe-Nachfolger Matthias Platzeck letzte Woche im Brandenburger Landtag.

Getreu der Devise „Im Angriff liegt die beste Verteidigung“ verteidigt er sein anmaßendes Versöhnungsprojekt mit der in Brandenburg immer noch oder schon wieder Ton angebenden DDR-Elite.

Zuerst ließ er sich einen Text für den „Spiegel“ schreiben, in dem er die angebliche westdeutsche Versöhnung mit den Nazis zum Vorbild erklärte. Damit wurde er der westdeutschen Nachkriegsgeschichte nicht ganz gerecht. Jetzt mahnt er ein differenziertes DDR-Bild an, das er bei den Westdeutschen vermisst.

Nun sollte man Herrn Platzeck nicht vorwerfen, dass er sich in westdeutscher Geschichte und Gegenwart wenig auskennt. Wenn aber einer mit dem Finger auf die anderen zeigt, weisen die restlichen Finger der Hand auf ihn selbst zurück.

Die Brandenburger SPD und Ministerpräsident Platzeck haben aus der Vergangenheitsbewältigung in Brandenburg nach dem Wort eines Historikers eine „Komödie“ gemacht.

Wenn ihn die Stasi-Debatte so nervt und sie die Diktaturwirklichkeit scheinbar verdeckt, warum liefert er sich ausgerechnet einer Partei aus, deren Brandenburger Repräsentanten überwiegend aus IMs, FDJ-Dozentin, Hochschullehrer, Bezirkssekretär, Hochschulrektor, in Moskau ausgebildeten Akademikern usw. bestanden und bestehen?

Was DDR-Aufarbeitung in Schulen angeht, kann Herr Platzeck vom Westen nur lernen: Baden-Württemberg hat eine Website zum Thema, die zu den besten gehört. In Hessen finanziert das Kultusministerium Medienkisten für Schulen. Einen CDU-Vorschlag, so etwas auch in Brandenburg zu machen, hat die SPD-Landtagsfraktion vor zwei Jahren abgelehnt.

Nachtrag 1.3.10:

Die Brandenburger SPD plant einen Geschichts-Parteitag. Alt-Ministerpräsident Stolpe, gegen den laut Generalssekretär Ness eine Hetzjagd stattgefunden haben soll, ist als Hauptredner vorgesehen.

Damit will MP Platzeck in der Debatte um den Brandenburger Nachwende-Sonderweg wieder die Führungsrolle übernehmen. Die Linkspartei will vor allem die Rolle der Wessis untersucht wissen.

Update 31.8.10:

Ministerpräsident Platzeck hat weiterhin mehr Problem mit den Wesrdeutschen als mit SED und Linkspartei: Im “Spiegel” 35/2010 lässt er kein gutes Haar am Einigungsvertrag: “Gnadenlose Deindustrialisierung” und bedient die Mythen von den Alternativen dazu. Manfred Stolpe und Kersin Kaiser sind begeistert.

Sich mit den Westdeutschen zu versöhnen, ist für Platzeck anscheinend unmöglich.

Lesetipp: “drüben” von Simon Schwartz

Simon Schwartz, drüben, 14,95 €, 112 Seiten, avant-Verlag 978-3939080374

"drüben" von Simon SchwartzDie Bilder dieser graphic novel, wie anspruchsvolle Comics heute auf Deutsch heißen, sind eindringlich. Sie wirken auf mich noch eindringlicher als die Schwarzweißfotos von der untergehenden DDR, die jetzt in vielen Ausstellungen zu sehen sind.

Da gibt es die Zeichnung vom Todesstreifen an der Berliner Mauer, auf den ersten Blick an eine Modellbahnlandschaft erinnernd, dann aber kommt die Assoziation von Gewalt, Schrecken und Angst. Der Grenzübergang Friedrichstraße aus der Perspektive eines Fünfjährigen. Die beiden Seiten ersetzen eine ganze TV-Dokumentation.

Der Zeichner und Autor Simon Schwartz erzählt hier die Geschichte seiner Eltern, eines Studentenehepaares, das lange um die Entscheidung ringt, die DDR zu verlassen. Das führt zum Konflikt mit den stramm kommunistischen Eltern des Vaters von Simon. Als Lehrbeauftragter einer Hochschule muss er die Rede des Parteisekretärs zum Einmarsch der sowjetischen Brüder in Afghanistan verlesen. Als er daraufhin einen Ausreiseantrag stellt, wird er im Auditorium öffentlich aus der Partei und der Hochschule ausgeschlossen. Auch die Zeichnungen von dieser Sitzung ersetzen dicke Bücher.

Schwartz gelingt es, mit wenigen Strichen einen Raum, eine Situation, ein Gesicht sprechen zu lassen. Und der Leser und Betrachter wird nicht erschlagen von einer Überfülle bunter Bilder, sondern kann sich seine eigenen Gedanken machen.

All dies ist auch ein Stück normaler DDR-Alltag, wie er in den Alltagskulturmuseen, die in Ostdeutschland überall existieren, nur selten gezeigt wird. Die Unfreiheit, die Bespitzelung treiben selbst Gutwillige zum Ausreiseantrag. Das wird in dieser schwarz-weißen Bildersprache hervorragend umgesetzt.

Es dürfte sich lohnen, diesen Band Jugendlichen zu geben. Auch ohne viel Sachwissen wird mit diesem Medium deutlich, vielleicht sogar deutlicher als mit Arbeitsblättern und Videoclips, was es bedeutete, in diesem Staat zu leben.

„drüben“ ist eine gut geeignete Ergänzung der LAG-Medienkiste „Ampelmännchen und Todesschüsse und wird in mehreren Exemplaren aufgenommen.

Der avant-Verlag stellt auf seine Website ein pdf mit “Bonusseiten”, einem Interview mit dem Autor und Zeichnungen aus dem Buch.

Verlosung von drei Medienpaketen “Ampelmännchen und Todesschüsse”

Die LAG Schulbibliotheken verlost drei Medienpakete „Ampelmännchen und Todesschüsse“.

Die Bücher- und Medienkiste zur Geschichte der DDR der LAG wird stark nachgefragt. Die LAG Schulbibliotheken in Hessen e.V. ist jetzt kurzfristig in der Lage, drei dieser Themenpakete zu verlosen.

Bewerben können sich hessische Schulen der Sekundarstufe, sowie die außerhessischen LAG-Mitgliedsschulen. Alle Schulen, die bis 1.11.09 an die E-Mail-Adresse gs@schulbibliotheken.de schreiben, nehmen an der Verlosung teil.

Einzige Bedingung:

Die Schulbibliothek muss auf der Eingangsseite der Schulhomepage zu finden sein (oder eine eigene Homepage haben.) Den URL bitte in der E-Mail angeben!

Die Übergabe der drei Bücher- und Medienpakete an die Gewinner erfolgt am Mo, 9.11. 09, 15 Uhr, in der Bibliothek des Weidiggymnasiums in Butzbach.

Das Kleingedruckte:
Das Wort „Schulbibliothek“, „Schulmediothek“ oder „Schulmediathek“ muss auf der Startseite angeklickt werden können.
Eine Holzkiste wie bei den anderen Themen des Projekts „Die Bibliothek in der Kiste“ gehört nicht dazu. Die Bücher- und Medienliste kann wegen unterschiedlicher Lieferbarkeit der Bücher geringfügig von der bisher veröffentlichten Liste abweichen. Die Liste der drei Ampelmännchen und Todesschüsse-Verlosungspakete. Die Bücher und Medien haben einen Wert von jeweils 630 €.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Neue Website “DDR im Unterricht”

Die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württembergs hat ein neues Portal eröffnet: “DDR im Unterricht”.

Das hätte ich mir auch in Brandenburg gewünscht. Hier geht man mit dem Thema anders um. Das Landesinstitut für Unterricht und Medien empfiehlt im Jahr 2009 Vergleiche zwischen der BRD und der DDR am Beispiel “Frauenemanzipation” und “Umgang mit dem Nationalsozialismus. Einseitigkeiten auf beiden Seiten?” Darauf brennen die ostdeutschen Schüler/innen.

Ich sprach kürzlich mit einem Historiker der Uni Potsdam. Der beklagt, dass es in der universitären Lehrerausbildung keine erkennbaren Bemühungen gebe, die Angebote zu diesem Thema auszubauen. Im Klartext: Es findet so gut wie nichts statt.