Lesetipp: Die Bilanz. Eine wirtschaftliche Analyse der deutschen Einheit

Ein beliebter Slogan in der DDR-Aufarbeitung ist der Satz: “Sie beleidigen damit die Ostdeutschen.” Bei Dr. Gysi geschieht das gerne auch mit Prozentangabe: “Sie beleidigen gerade 20% der Ostdeutschen.” Wer Kritik am SED-Regime übt, beschädigte ostdeutsche Biographien oder Lebensleistungen.  Auch die Wissenschaft ist nicht unbeeinflusst von dieser Sicht der Dinge. Im enttäuschenden Band “Friedensstaat, Leseland, Sportnation? DDR-Legenden auf dem Prüstand” des ansonsten respektablen Christian-Links-Verlages lassen Forscherinnen DDR-Aufarbeitung nur noch zu, wenn sie als Therapie für beschädigte ostdeutsche Biographien konzipiert sei (Gallinat/Kitterl: Zum Umgang mit der DDR-Vergangenheit heute). Schon der Herausgeber konstatiert, dass eine Aufarbeitungsindustrie entstanden wäre, die über die Köpfe der DDR-Bürger hinweg arbeiten würde.

Man müsse das Gute an der Diktatur erkennen und würdigen, damit die Biographien nicht beschädigt würden. Erst wenn sich die ehemaligen Bürger dieses Staates nicht mehr in ihren Biographien beschädigt fühlten, könnten sie, so stünde zu hoffen, zugeben, dass nicht alles gut war in der DDR. Fehlt nur noch der Satz: DDR-Aufarbeitung wäre ein westdeutsches Projekt.

Da tut es gut, ein anderes Buch lesen: Karl-Heinz Paqué, Die Bilanz. Eine wirtschaftliche Analyse der deutschen Einheit. Siehe dazu meine Anmerkungen im Blog.

Nach der Lektüre wird man fragen: Was hat die ostdeutschen Biographien mehr beschädigt, die kritische DDR-Aufarbeitung oder 40 Jahre sozialistische Planwirtschaft?

Was mich erstaunt ist auch die ständige Vereinnahmung aller Ostdeutscher: Immer heißt es die Ostdeutschen. Dabei gibt es die nicht.

Fehlt nur noch der Satz Dr. Gysis: Die Ernennung Gaucks zum Bundespräsidentenkandidaten beleidige 30% der Ostdeutschen.

Update: “Frontal 21″ des ZDF erklärt uns am 13.9.2010, wie die Treuhand die blühende DDR-Wirtschaft zugrunde richtete: “Beutezug Ost” heißt das viel versprechend.
Natürlich darf in solchen Sendungen der Wendebankier Edgar Most nicht fehlen. Er weist dann gerne daraufhin, dass es auf dem Territorium der ehemaligen DDR keinen namhaften Konzern, keinen größeren Firmensitz mehr gäbe. Ostdeutschland sei nur noch die verlängerte Werkbank westlicher Konzerne. Was Herr Most, der von der DDR-Staatsbank zur Deutschen Bank wechselte, vielleicht nicht weiß: Die SED hat 40 Jahre lang Unternehmer, Unternehmerfamilien und Firmen vertrieben. Genannt seien die Glasindustrie, u.a. Schott (Jenaer Glas), Autobauer, u.a. Auto-Union (Horch, Audi), Madaus-Pharma, Zeiss-Optik.

Allein durch die Enteignungen in der SBZ 1945 bis 49 und später in der DDR wurden über eine halbe Million mittelständischer Unternehmer vertrieben. Die erhielten zwar in der BRD Lastenausgleich für “Kriegsfolgeschäden”, aber nicht mehr ihre abgewirtschafteten Betriebe und Güter zurück. Vor allem: Sie kamen nicht mehr als Unternehmer zurück.
Jetzt zu lamentieren, dass es im Osten keine größeren Firmensitze mehr gäbe, ist nicht nicht sehr ehrlich.

Eine Frau aus Eisenhüttenstadt, die ihr Leben lang für 60 Mark Monatsmiete in einer Dreizimmerwohnung wohnte, versteht in dieser ARD-“Dokumentation” überhaupt nicht, wieso die staatlichen Kredite, mit denen die billige Miete subventioniert wurde, nach der “Wende” als Schulden bei der Wohnungsgesellschaft bilanziert wurden. Auch die Wohnungsgesellschaftsmitarbeiterin versteht die Welt nach der Wende nicht mehr. Sie hätten doch früher in der DDR nie Schulden gehabt.

Dass sich Werner Schulz für eine solche “Dokumentation” hergibt, erstaunt mich.

Weitere Lesetipps zum Thema.

Lesetipp: Joachim Gauck, Winter im Sommer, Frühling im Herbst

Dreimal konnte ich schon Joachim Gauck erleben, zu unterschiedlichen Themen und vor unterschiedlichem Publikum. Es war jedes Mal beeindruckend, ihn zu hören.

Daher war es klar, dass ich seine Biographie kaufe. Er erzählte auf einer Veranstaltung, wie schwer ihm gefallen sei, dieses Buch zu schreiben, sich zu erinnern, besonders, wenn es um seine Familie, seine Kinder geht. Man sieht ihm an, dass es ihn auch heute noch bewegt.

Die Schilderung der Jahre in der DDR, die Trennung von seinen erwachsenen Kindern, die in den Westen ausreisten, die Bespitzelung durch Jugendliche, die die Stasi auf ihn ansetzte, die Demütigung seiner Kinder durch ihre Lehrer, das ist so entsetzlich.

Noch aufregender sind für mich, das muss ich zugeben, die Kapitel zu den Ereignissen nach der Revolution, seine Zeit als Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde. Der spätere Streit um die Bewertung der DDR – Unrechtsstaat, Konsensdiktatur, Überebewertung der Opferperspektive – entzündete sich schon an seiner Behörde.

Das m. E. vorläufige Ende der Aufarbeitung der SED-Diktatur, die Schlussstrich-Forderungen, die Versöhnung mit den Tätern, wie sie Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck betreibt, das hat seine Vorgeschichte und wird bei Gauck nachvollziehbar:

Die linksliberalen und sozialdemokratischen westdeutschen Milieus der 80er und 90er Jahre waren Wegbereiter für die heutige Weichzeichnung der DDR: Die Weigerung, den totalitären Kommunismus zu erkennen, die Weigerung Brandts, sich mit Lech Walesa zu treffen oder die Weigerung der SPD und der Grünen, Kontakte zu den Bürgerrechtlern statt der Männerfreundschaften zu Krenz und Honecker zu pflegen. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass dieselben, die dem Ministerpräsidenten Filbinger seinen treuherzigen (und juristisch durchaus begründbaren) Satz, dass das, was damals (in der NS-Zeit) Recht war, heute nicht Unrecht sein könne, unbarmherzig um die Ohren schlugen, genau dies bei der Beurteilung der DDR einfordern. Das trifft sich mit der in Ostdeutschland verbreiteten Sicht, dass, wie beim Führer, auch in der DDR nicht alles schlecht war,. Auch will  man in Ruhe gelassen werden. Die Mitläufer und die Täter können sich nicht der Selbstkritik unterziehen.

Gauck schreibt treffend:  “Als Herrenmenschen hatten viele Stasi-Offiziere, wie übrigens auch eine Menge von SED-Führungskadern, schon in der Diktatur gelernt, ihre Ellenbogen einzusetzen, was ihnen in der neuen offenen Gesellschaft bei Unternehmern aus dem Westen Vorteile verschaffte. Ihre einstigen Opfer sind dagegen nicht selten traumatisiert, litten nach Jahren der Drangsalierung unter einem geringen Selbstwertgefühl und mussten ihnen oft den Vortritt lassen. Insofern lässt sich von einer gewissen Kontinuität der Eliten sprechen, …” (p 282)

Dass der schillernde Potsdamer CDU-Politiker und letzte DDR-Innenminister Diestel ihm eine IM-Tätigkeit anhängen wollte, sei noch am Rande erwähnt.

DDR-Mythen: Der Zauber des Anfangs

Mythen über die DDR haben Konjunktur. Richard Schröder bemerkte unlängst, dass es die DDR, von der heute manche schwärmen, nie gegeben hat.

Ein Mythos, der bisher eher am Rande stand, wird von Carsten-Uwe Heye anlässlich seiner Buch-Präsentation „Wir wollten ein anderes Land“ über die Familie der kommunistischen Potsdamer Oberbürgermeisterin Brunhilde Hanke in Interviews mit Potsdamer Zeitungen aufgewärmt.

Er redet dem Mythos von der unbefleckten Gründungszeit der DDR das Wort. Man dürfe die DDR nicht von ihrem schäbigen Ende her erklären, sondern von ihrem Anfang. Von den „ehrlichen Idealen der Gründergeneration“ spricht er.  Dabei verklärt er gerade die Zeit der angeblich guten, alten DDR, die am brutalsten war.

Es sei daran erinnert: Die Konzentrationslager der Nazis wurden von den Sowjets bis in die 50er Jahre weiter genutzt. Angeblich nur, um Nazis einzusperren. Das weiß man inzwischen besser. Die SPD wurde „vereinigt“: Sozialdemokraten kamen ins Zuchthaus. Wer von demokratischem Sozialismus sprach, machte sich strafbar.

Wer war die angeblich so idealistische Gründergeneration? Das waren die, die die mörderischen Säuberungsaktionen Stalins Ende der 30er Jahre, die fast völlige Liquidierung der ausländischen Kommunisten, dadurch überlebt haben, dass sie ihren Genossen im Nachbarzimmer denunzierten.

„Es muss demokratisch aussehen“ war die Parole für ihren Teil Deutschlands. Die SED-Justiz schickte in den Gründerjahren ihre Opfer im Güterwagen(!) in den GULaG. Erinnert sei an Frau Mehlhemmer aus Werder, die von Mitbürgerinnen und -bürgern denunziert wurde, oder an den Potsdamer Kommunalpolitiker Köhler, der zusammen mit seiner Ehefrau in Moskau erschossen wurde.

„Man darf die DDR nicht von ihrem schäbigen Ende her erklären, sondern von ihrem Anfang.“ Herr Heye hat recht. Aber anders als er es meint.

Weitere Mittel aus dem DDR-Parteienvermögen

230 Millionen € muss eine österreichische Bank der Bundesrepublik zahlen. Das Geld war Anfang 1992 von einer von der SED gegründeten Tarnfirma “gewaschen” worden. Zuerst Treuhand und dann Bund haben fast 18 Jahre um dieses Geld gekämpft.

Etwa zwei Drittel der 1,5 Mrd €, die Anfang 1990 unter dem SED/PDS-Parteivorsitzenden Gysi und mit Hilfe seines Freundes Bartsch gewaschen wurden, sind wiedergefunden worden. Seit 1995 gilt: Sollte noch etwas gefunden werden, müsste die Linkspartei als Rechtsnachfolgerin der SED/PDS und PDS das Doppelte der gefundenen Summe als Strafe zahlen. Davon war aber im Zusammenhang mit der Tarnfirma-Geldwäsche von 1992 bisher nicht die Rede.

Der Ex-Chef der Kommission zur Überprüfung des DDR-Parteienvermögens beklagt gerade  in einem Interview in der “Welt” v. 31.3.10, dass die Rechtsnachfolger des SED zu keiner Zeit kooperativ waren. Sie hätten unvollständige Unterlagen abgeliefert und immer nur zugegeben, was schon bekannt war.

Ein Lob auf Horch und Guck. Zeitschrift zur kritischen Aufarbeitung der DDR-Diktatur

Die Beiträge zur DDR-Aufarbeitung im Weblog erfreuen sich einiger Beliebtheit. Schmähkommentrare von Ostalgikern haben abgenommen. Und in Brandenburg und Potsdam gibt es täglich Anlass zu berichten.

Zu loben ist endlich einmal die Zeitschrift “Horch und Guck”, vom “Bürgerkomitee 15. Januar” herausgegeben (Datum der Besetzung des MfS in der Berliner Normannenstraße). Ich finde in nahezu jeder Ausgabe Lesenswertes. Die neueste Ausgabe hat den Schwerpunkt “Der Osten im Westen”  (19. Jg., Heft 67, 1/2010).

Unter der Überschrift “Demokratische Unschärfen” schreibt Benn Rolf über das Epplersche SPD-SED-Papier von 1987 und schwankt in der Bewertung zwischen “Wandel durch Annäherung” und “Wandel durch Anbiederung”. Die SPD habe Grundwerte, Menschenrechte, Demokratieverständnis zur Disposition gestellt, die SED habe so gut wie nichts preisgegeben, aber die Auflösung der Erfassungsstelle in Salzgitter und die volle Anerkennung ihres Staates verlangt.

Karsten Voigt, Björn Engholm, Oskar Lafontaine pflegten freundschaftliche Beziehungen zu SED-Politikern. Egon Bahr gab Honecker Ratschläge, wie er Bärbel Bohley unauffällig, ohne Presserummel, ergreifen und ausweisen könne.

Dem Journalisten Christian von Ditfurth verweigerte die SPD den Zugang zum Parteiarchiv, als er nach der “Wende” zu den Beziehungen zwischen SED und SPD recherchieren wollte.

Kartlheinz Baum, Journalist der Frankfurter Rundschau, erzählt, wie es den  westdeutschen DDR-Korrespondenten in ihren Heimatredaktionen erging. Der Titel sagt es schon: “Berichtet doch mal was anderes!” Manche wurden ohne Begründung abgelöst, erhielten keine Vertragsverlängerung, ihnen wurde vorgeworfen, zu viel über die Bürgerrechtler zu berichten, ihnen wurde verboten in den letzten Monaten der SED-Herrschaft zu Demonstrationen zu fahren. Alles, um die Ausweisung durch die SED zu verhindern, um die Bonner Entspannungs- und Annäherungspolitik nicht zu gefährden.

Nicht zum Heftschwerpunkt, aber kaum weniger lesenwert: “Zusammenbruch der Provinz” von Sebastian Stude. Er trägt aus den Akten der Kreisleitung Pritzwalk im Nordwesten Brandenburgs die dortigen Zustände in der zweiten Hälfte der 80er Jahre zusammen: In manchen Neubauwohnungen hatte nur die Küche Heizkörper. Sie reichten nicht für alle Zimmer. Die Kreisleitung beklagt die Probleme der Ersatzteilversorgung in den Pkw-Reparaturwerkstätten. Ein Schulleiter freut sich, dass das Geld für die Renovierung des Gebäudes bewilligt wird. Allein es passiert nichts, weil es keine Baumaterialien gibt.

In den LPGen fehlt es an Ersatzteilen für die Technik und an Treibstoff. Jauchegruben werden nicht geleert, die Jauche sickert ins Grundwasser. Dass die Potsdamer Bezirksbehörden im Sommer ´89 die Speiseeisversorgung für den Kreis Pritzwalk auf ein Zehntel herunterfahren und die Auslieferung der SED-Zeitung wegen Papiermangels unterbleibt, ist da schon eher nebensächlich.

Wer neugierig geworden ist: www.horch-und-guck.info

Lesenswert: Heft 64, Die traurige Bilanz der DDR-Ökonomie

Platzeck praeceptor occidentis

„Was wir brauchen, sind endlich mal Filme über das wirkliche Leben (in der SED-Diktatur; G.S.), in denen sich die Leute wirklich widergespiegelt fühlen.“ Die Westdeutschen, die sich in aller Regel nicht für den Osten interessierten, könnten dann dazu gebracht werden, auch mal zu fragen, wie es denn wirklich war.  Die Debatte um die Rolle der Stasi verstelle den Blick auf die Lebenswirklichkeit der meisten Bewohner.

So der Stolpe-Nachfolger Matthias Platzeck letzte Woche im Brandenburger Landtag.

Getreu der Devise „Im Angriff liegt die beste Verteidigung“ verteidigt er sein anmaßendes Versöhnungsprojekt mit der in Brandenburg immer noch oder schon wieder Ton angebenden DDR-Elite.

Zuerst ließ er sich einen Text für den „Spiegel“ schreiben, in dem er die angebliche westdeutsche Versöhnung mit den Nazis zum Vorbild erklärte. Damit wurde er der westdeutschen Nachkriegsgeschichte nicht ganz gerecht. Jetzt mahnt er ein differenziertes DDR-Bild an, das er bei den Westdeutschen vermisst.

Nun sollte man Herrn Platzeck nicht vorwerfen, dass er sich in westdeutscher Geschichte und Gegenwart wenig auskennt. Wenn aber einer mit dem Finger auf die anderen zeigt, weisen die restlichen Finger der Hand auf ihn selbst zurück.

Die Brandenburger SPD und Ministerpräsident Platzeck haben aus der Vergangenheitsbewältigung in Brandenburg nach dem Wort eines Historikers eine „Komödie“ gemacht.

Wenn ihn die Stasi-Debatte so nervt und sie die Diktaturwirklichkeit scheinbar verdeckt, warum liefert er sich ausgerechnet einer Partei aus, deren Brandenburger Repräsentanten überwiegend aus IMs, FDJ-Dozentin, Hochschullehrer, Bezirkssekretär, Hochschulrektor, in Moskau ausgebildeten Akademikern usw. bestanden und bestehen?

Was DDR-Aufarbeitung in Schulen angeht, kann Herr Platzeck vom Westen nur lernen: Baden-Württemberg hat eine Website zum Thema, die zu den besten gehört. In Hessen finanziert das Kultusministerium Medienkisten für Schulen. Einen CDU-Vorschlag, so etwas auch in Brandenburg zu machen, hat die SPD-Landtagsfraktion vor zwei Jahren abgelehnt.

Nachtrag 1.3.10:

Die Brandenburger SPD plant einen Geschichts-Parteitag. Alt-Ministerpräsident Stolpe, gegen den laut Generalssekretär Ness eine Hetzjagd stattgefunden haben soll, ist als Hauptredner vorgesehen.

Damit will MP Platzeck in der Debatte um den Brandenburger Nachwende-Sonderweg wieder die Führungsrolle übernehmen. Die Linkspartei will vor allem die Rolle der Wessis untersucht wissen.

Update 31.8.10:

Ministerpräsident Platzeck hat weiterhin mehr Problem mit den Wesrdeutschen als mit SED und Linkspartei: Im “Spiegel” 35/2010 lässt er kein gutes Haar am Einigungsvertrag: “Gnadenlose Deindustrialisierung” und bedient die Mythen von den Alternativen dazu. Manfred Stolpe und Kersin Kaiser sind begeistert.

Sich mit den Westdeutschen zu versöhnen, ist für Platzeck anscheinend unmöglich.

Lehrerhandreichung zu Klaus Kordons „Krokodil im Nacken“

Der Beltz-Verlag gibt zur Schulbuchausgabe der autobiographischen Erzählung eine Lehrerhandreichung heraus.

Allen, die nicht das Glück haben, in ihrer Schulbibliothek die Themenkiste „Ampelmännchen und Todesschüsse“ vorzufinden oder die nur drei Unterrichtsstunden Zeit für die Aufarbeitung der DDR haben, sei mindestens die Lektüre von “Krokodil im Nacken” empfohlen, am besten in Klasse 8/9.

Die Handreichung, die von Marc Böhmann erarbeitet wurde, enthält alles, was man braucht, um guten Unterricht zu machen. Gerade dann, wenn man selbst noch wenig Erfahrung mit Jugendbuchlektüre im Unterricht hat oder Deutsch fachfremd unterrichtet.

Denen, die glauben, mit Jugendbüchern, so hochpolitischen gar, keinen anständigen Literaturunterricht machen zu können, zeigt Böhmann, wie gut sich die Bildungsstandards zum Leseverstehen, zum Umgang mit literarischen und Sachtexten anwenden lassen. Sogar Metaphern und Symbole können gefunden werden.

Damit die Unterrichtsvorbereitung für den Lehrer/die Lehrerin nicht zu umfangreich wird, enthält die Broschüre eine präzise Inhaltsangabe und eine tabellarische Kapitelübersicht. Eine Unterrichtseinheit wird knapp skizziert, deren Module zum Teil m. E. auch alleine verwendet werden können oder in arbeitsteiliger Gruppenarbeit.

Acht Arbeitsblätter enthält die Broschüre, und nicht, wie gelegentlich Handreichungen zu Jugendbüchern, gleich dreißig. Auch diese acht müssen nicht komplett benutzt werden.

Alles in allem eine angenehme Begleitlektüre für die eigene Unterrichtsvorbereitung. Man erhält Denkanstöße und eine Fülle textbezogener Fragen und Arbeitsvorschläge. Man kann auswählen, muss nicht von A-Z alles „nachkochen“.

Der Verfasser hat Klaus Kordon zum Buch interviewt. Angaben zu dessen Lebenslauf und zur Staatssicherheit der DDR runden das Heft ab.

Für Politik- und Geschichtslehrer sei angemerkt: Alles, was man über die DDR wissen muss und warum sie jemand verlassen will, dem es dort materiell gar nicht schlecht ging, ist im „Krokodil im Nacken“ zu finden.

Die Fortsetzung von Kordons Erzählung, die Jahre in der Bundesrepublik hier!

Und nicht verkneifen kann ich mir noch:  Gerade richtig für Schulen in Brandenburg (und nochmal Brandenburg!). Wer Informationen und Unterrichtsmaterial zu “DDR” sucht, sollte einmal in den Blog “Ampelmännchen und Todesschüsse” schauen.