Laptop statt Tablet. Technologietrends in US-Schulen

Zehn Milliarden Dollar geben die US-Schulbehörden für die Computerisierung ihrer Schüler aus. Der bisherige Run auf iPads von Apple scheint dabei seinen Höhepunkt überschritten zu haben. Notebooks werden von Schülern eher als Arbeitsgerät akzeptiert, Tablets laden mehr zum Spielen ein. Für die nationalen Tests erweist sich außerdem eine Tastatur als vorteilhaft. Manche Schulen experimentieren mit Hybridgeräten, Notebooks mit abnehmbaren Tabletmonitor. Die sind allerdings viermal so teuer wie ein Chromebook. Die Chromebook-Notebooks sind der Renner in Schulen.Ihr Betriebssystem ist nicht Windows, sondern basiert auf Linux. Man braucht immer das Internet. Auf dem Gerät wird keine Software mehr installiert, alles kommt aus dem Internet via Apps in den Browser, vor allem Google-Docs. Für Bildungsinstitutionen macht Google spezielle Angebote rund um Chromebook.

Auf jeden Fall geht die technologische Aufrüstung ungebrochen weiter.

Lehrer und IT-Kompetenz

Es hat ja lange bis zu dieser Erkenntnis gedauert: “Lehrer sind keine IT-Muffel” hat der IT-Branchenverband BITKOM herausgefunden.

Viele Jahre wurde der Öffentlichkeit das Gegenteil eingehämmert. Verwechselt wurde wohl die digitale Zurückhaltung der Bildungsverwaltung mit dem Engagement von Lehrern, vor allem Berufsschullehrern. (Stichwort: Offenes Deutsches Schulnetz)

Am Rande vermerkt: Ich hatte einen OPAC in der Schulbibliothek und die Stadtbibliothek Frankfurt/M noch viele Jahre nicht. Mein Landrat lästerte beifallheischend über die IT-unerfahrenen Lehrer und war irritiert, als er meinen privaten Laptop auf dem Schreibtisch sah. Seine Verwaltung kaufte den Schulleitern erst Jahre später einen. Für Senioren bot ich aber auch EDV-Kurse an, die von fitten Schülern geleitet wurden.

Der Matthäuseffekt der Bildungstechnologie

Mit Computern werden gute Schüler besser, schwache Schüler schlechter. Das ist das Ergebnis der Neumann-Celano- Studie. Sie wurde an zwei Stadtteilbibliotheken in Philadelphia durchgeführt. Die beiden Bibliotheken sind gleich gut multimedial ausgestattet, die Nachbarschaften unterscheiden sich aber sehr: Ein Viertel mit hoher Arbeitlosigkeit und einer Armutsrate von 90%, das andere bewohnt von gehobenem Mittelstand.

Die beiden Forscherinnen beobachteten die Nutzung der Technologie und versuchten zu erfassen, was die jungen Nutzer gelernt hatten. Die Kinder und Jugendlichen unterschieden sich stark in der Art des Gebrauchs der Technologie und in der Art der Tätigkeiten.

Das Ergebnis wird in der Soziologie seit Robert Merton “Matthäus-Effekt” genannt: “Wer hat, dem wird gegeben”, heißt es an einer Stelle im Matthäus-Evangelium.

Der Matthäus-Effekt wird gleich von mehreren Studien bestätigt. Ein digitale Offensive für 20 Mio. Dollar in texanischen Schulen brachte ein ähnliches Ergebnis. In Nord-Carolina wollen Forscher herausgefunden haben, dass nach der Einführung des Hochgeschwindigkeitszugang zum Internet die Mathematikleistungen in den Schulen des Staates schlechter wurden. Bei den sozial schwachen Schülern war der Rückgang größer als bei besser gestellten Schülern.

Warum das so ist fanden Neumann/Celano unschwer heraus: Bei den sozioökonomisch besser gestellten Schülern kamen fast immer Eltern und Großeltern mit und unterstützten. Es wurde mehr gelesen und mehr für Hausaufgaben recherchiert. Im anderen Stadtteil blieben die Schüler allein, wenn sie nicht weiterkamen, sie bevorzugten auch Computerspiele statt Lernsoftware.

Haben wir das nicht schon immer gewusst: Gute Schüler überstehen auch schlechte Schulen. (Laut gesagt haben wir das den Eltern aber nicht, wenn sie mal wieder Kritik an der Schule geübt hatten.

Auf den Artikel in Slate macht LIBREAS aufmerksam.

Finnlands Lehrer verlassen sich nicht auf Technologie

Die amerikanische Erziehungswissenschaftlerin Diane Ravitch zitiert in ihrem Blog einen Bericht auf politico.com über Finnlands Schulen. Darin wird mit Erstaunen festgestellt, dass Unterrichtstechnologie in den Schulen keine große Rolle spielt. Das wichtigste sei nach wie vor, exzellent ausgebildete Lehrer in die Schulen zu bringen.

In den USA werden Milliarden für digitale Technik – Computer, Notebooks, Tablets, Smartboards – ausgegeben, ohne dass es deswegen zu besseren Testergebnissen kommt. Der finnische Verzicht auf standardisierte Leistungsmessung und der zurückhaltende Umgang mit ICT verunsichert die Amerikaner.

(via @mariajosevitori)
  • Siehe auch hier im Blog!

Nachtrag Juni 2014: Der umstrittene Neurowissenschaftler Manfred Spitzer erwähnt diese US-Studien: In Texas wurden Klassen mit und ohne Laptop verglichen. Die Laptopklassen hatten keinen größeren Bildungserfolg. In Alabama wurden 15.000 Laptops in Brennpunktschulen. Nach drei Jahren wurde das Experiment abgebrochen. Schüler ohne Laptop waren besser.

Laptops allein machen allerdings noch keinen besseren Unterricht, stellt eine Bertelsmannstudie fest. Die Lehrer brauchen Fortbildung, der Support muss sichergestellt sein, die Lehrmethoden müssen sich ändern.

Alles in allem gibt es – wie meist in der empirischen Sozialforschung unterschiedliche, z. T. widersprüchliche Ergebnisse.

Häufig wird konstatiert, dass die Ablenkbarkeit der Schüler durch die Laptops gestiegen sei, da sich mit den Computern eine Vielzahl von “Nebentätigkeiten” (z. B. Computerspiele, Websurfen) eröffneten. Die Schüler müssten wesentlich mehr als im traditionellen Unterricht motiviert werden, um dem Unterricht aufmerksam zu folgen. Auch der Autoritätsverlust und die mangelnde, insbesondere zeitliche Planbarkeit
des Laptop-Unterrichts von einigen Lehrerinnen und Lehrern negativ bewertet.

 

Drei zu eins: Die Computeraustattung der Schule der Zukunft

  • Der TV-Sender Phönix zeigt einen Beitrag über die Schule der Zukunft. Vollcomputerisiert, was sonst. Was ist da zu sehen? DREI Schüler beugen sich über EIN Tablet.
  • Doug Johnson, Lehrer, Autor, Blogger und Leiter des Schulbibliotheksamtes der Stadt Mankato in Minnesota ist einer der wichtigsten Schulbibliothekare der USA. U. a. hat der diese Bücher geschrieben: Machines are the Easy Part; People are the Hard Part und The Classroom Teachers Survival Guide to Technology.  Kürzlich berichtet er, dass seine Enkel in Kansas City von einer 1:1-Initiative in der Schule profitieren werden, d. h. jeder Schüler der Stadt erhält ein Apple Tablet (K-6) bzw. einen Laptop (7-12;  Apple Air bzw. Macbook Air).  Kansas ist seiner Erfahrung technologisch nie sehr ambitioniert gewesen, jetzt gibt es ein 20- Millionen-Dollar-Programm.                  Er rät der Familie, der Schulbehörde diese Fragen zu stellen: Weiterlesen