Steve Jobs über Computer und Schule

1996 sagte Steve Jobs in einem Interview mit “Wired”:

I used to think that technology could help education. I’ve probably spearheaded giving away more computer equipment to schools than anybody else on the planet. But I’ve had to come to the inevitable conclusion that the problem is not one that technology can hope to solve. What’s wrong with education cannot be fixed with technology. No amount of technology will make a dent.

(“make a dent”: wirken, Einfluss haben)

Er sah die Probleme der Schule vor allem im starken Einfluss der amerikanischen Lehrergewerkschaften und der Schulbürokratie. Ihm schwebte vor, dass die Eltern Bildungsgutscheine bekämen und damit Schulen ihrer Wahl finanzierten. Davon  versprach er sich  eine Welle von neuen, innovativen Schulen.

via 9to5Mac

Man kann über die Problembeschreibung und den Lösungsvorschlag geteilter Meinung sein.  Was den Technologieeinsatz betrifft, gibt es bisher keinen Beleg, dass er Unrecht hat.

(Die deutsche Lehrergewerkschaft GEW ist sicher nicht das größte Problem. Ich war selbst lange Mitglied, habe aktiv mitgearbeitet, regelmäßig demonstriert und “gestreikt” und immer noch große Sympathie für führende Kolleg/-innen aus meiner aktiven Zeit. Aber die hessische GEW hat u. a. mit sturen Forderungen wie “Eine Stunde weniger für alle!” flexible Arbeitszeitmodelle wie in Dänemark verhindert.

Bildungsgutscheine: Die Bürokratie gewinnt!

Nochmal zu den Bildungsgutscheinen: Die Zeitungen berichten, dass es ca. 138 Mio € kosten wird und 1500 Stellen geschaffen werden müssen, damit die Jobcenter die bisher geplanten 600 Mio €  für Schulspeisung, Klassenfahrten, Nachhilfe, Sportverein und Musikschule gerecht verteilen können.

Es ist zu erwarten, dass die Länder und Kommunen, die Schulessen bisher kostenlos verabreicht oder es bezuschusst haben, dies rückgängig machen werden. Auch Sportvereine, die Hartz-IV-Kinder bisher kostenlos oder ermäßigt aufgenommen haben, werden umdenken. Der Bund zahlt!

Die Jobcenter freuen sich auf die “Partnerschaft” mit 90000 Sportvereinen, 100 Musikschulen und 35ooo Schulen.  Wer bescheinigt eigentlich den Nachhilfebedarf? Und was ist mit dem Mittagessen und der Nachhilfe bei Kindern, der Eltern ein Arbeitseinkommen haben, das Hartz IV um eine Handvoll Euro übersteigt? (Es wird von einer Hereinnahme der Kinder gesprochen, wenn das Arbeitseinkommen der Eltern “geringfügig” über der Grundsicherung liegt.)

Es ist an der Zeit zu überlegen, ob man aus der Schulbibliothek nicht ein profit center macht. Den in der Schule mithelfenden Eltern versuchte ich immer zu beizubringen, dass sie die Hausaufgaben nur mehr oder weniger überwachen. Die Grenzen zur Nachhilfe wurden oft und notgedrungen überschritten.

Jetzt könnte man aus der Not eine Tugend machen: Die Schule sourct die  HA-Hilfe aus. Die Ehrenamtlichen gründen ein Institut und empfangen Geld aus den Bildungsgutscheinen. Das kann man als Honorar verwenden, vielleicht stiften sie es auch der Schulbibliothek. Der Schulträger verzichtet bestimmt auf die Raummiete, weil es immer noch eine schulnahe Veranstaltung ist. Eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) muss nicht groß gegründet werden und ihre steuerliche Behandlung ist auch relativ einfach.

Möglicherweise klagen dann die Nachhilfefirmen. Dann sollte der Schulträger Raummiete erheben, aber auch die Zuweisungen zu den Schulbibliotheken erhöhen. Solche “Insidergeschäfte” sind doch nicht strafbar, oder?

 

Update 26.1.11: Es gibt in der Politik gelegentlich auch Entscheidungen, die vernünftig sind: Die Verwaltung der Bildungsgutscheine soll von den Kommunen erledigt werden. Das Geld dafür kommt vom Bund.  SPD und Grüne wollen bei der Hartz IV gleich noch Mindestlohn und Sozialpädagogen an den Schulen draufsatteln, aber hier hat ihre Opposition der Vernunft zum Sieg verholfen.

Kritik an Bildungsgutscheinen: SPD fordert Sozialarbeiter in Schulen

Ein großartiger Gedanke. Die SPD-regierten Bundesländer könnten ihn schon ohne Zutun der Bundesarbeitsministerin umsetzen.

Aber halt: Wenn der Bund im Rahmen der sozialen Grundsicherung für Sozialarbeiter an Schulen sorgen soll, kann da im nächsten Schritt der Bund nicht auch für Schulbibliothekare an Schulen sorgen?