Aus meinem Archiv (10)

Im Jahr 2008 fand ich in einer der vielen Powerpoint-Präsentationen zu Web 2.0 und Bibliothek 2.0 mit dem Titel: “Wie das Web 2.0 die Bibliothek verändern kann” diesen revolutionären Satz:

“Dahin gehen, wo der Nutzer ist.”

Dann noch ein Fundstück aus einer anderen Präsentation:

“Die Aufgaben einer Bibliothek: sammeln, erschließen, verfügbar machen.” Von suchen lassen oder das Suchen lehren stand da nichts.

Richtig altmodisch, dieses Verständnis von Bibliothek. Aber nutzerorientiert!

Die Politik in Hessen nimmt Schulbibliotheken leider nicht ernst

Ich frage mich zunehmend, ob es sich noch lohnt, sich in Hessen für Schulbibliotheken zu engagieren. Seit es den Kooperationsvertrag des dbv mit dem Hessischen Kultusministerium gibt, gibt es keine Bewegung mehr. Das Organ des Kooperationsvertrages, das “Forum Schulbibliothek”, mit einem Bibliothekar der Fachstelle für öffentliche Bibliotheken in der Fachhochschulbibliothek Rhein-Main an der Spitze, vertritt die Interessen der öBs. Die LAG Schulbibliotheken sitzt am Katzentisch. Heute wären Projekte wie die Anwendung der Software LITTERA in Dreiviertel aller Schulen oder ein Leseförderprojekt wie die “Bibliothek in der Kiste” für 60.000 Schüler/-innen, ebenso der Unterrichtsversuch “Unterricht in der Schulbibliothek” – alles LAG-Initiativen – nicht mehr möglich.  Für das “Forum” geht es darum, dass die öBen neben den Fördermitteln des Wissenschaftsministeriums demnächst auch Haushaltsmittel aus dem Kultusministerium für die Zusammenarbeit mit Schulen bekommen. Die Grundlage ist im Hessischen Bibliotheksgesetz gelegt. Dort wird z. B. die Vermittlung von Medien- und Informationskompetenzen dem schulischen “Bildungspartner” öB. zugeordnet. So könnte das auch in einem Flyer des Bibliotheksverbandes stehen, an der Realität von Bibliotheken und Schulen in Hessen geht das vorbei und ein zukunftsfähiges Konzept ist es auch nicht. Man fragt sich, warum das Wörtchen “Schulbibliothek” überhaupt im Gesetz verstreut wurde.

Zwar wird LAG-Vertretern in Gesprächen oft zugestimmt, dass Schulbibliotheken eigentlich Sache der Schulen sein, tagtäglich im Unterricht genutzt werden sollten und folglich im Schulgesetz verankert sein müssten, aber offiziell gilt: So wie es ist, ist es politisch gewollt, daran darf nicht gerührt werden.

Dies als Vorrede zu einer Zeitungsnotiz aus Rüsselsheim, wo Lions-Club-Damen eine Schulbibliothek durch Flohmarktverkäufe retten wollen, weil die Stadtverwaltung eine 8-Stunden-Bibliotheks-Fachkraft einspart. So ist das halt, wenn das Schulbibliothekswesen von der Finanzkraft und dem bildungspolitischen Ehrgeiz der einzelnen Gemeinde abhängt. So entsteht ein schulbibliothekarischer Flickenteppich.

Ausgerechnet Rüsselsheim! Die engagierte Zusammenarbeit der öB mit den Schulen verdient großen Respekt. Es gibt eine Kinder- und Jugendabteilung, zahlreiche Aktionen der Leseförderung und Angebote an die Schulen.

Natürlich wollen auch die Rüsselsheimer Schulen schulinterne Bibliotheken und schuften dafür.

 

 

 

Kleiner Beitrag zur Erhöhung der Informationskompetenz

www.unstatistik.de ist eine meiner Lieblingsseiten. Die Professoren Walter Krämer und Thomas K. Bauer betreiben Volksbildung vom Feinsten, in dem sie über die Tücken von Statistiken aufklären. Ich habe im Unterricht schon immer gerne vermeintliche Gewissheiten thematisiert oder die Entstehung von Vorurteilen und Fehlinformationen untersucht. Man hätte ein komplettes Curriculum daraus machen können. Lernziel: Nachdenken, kritisch denken, hinterfragen, nicht alles glauben, was in der Zeitung steht oder das “Fernseh” sagt.

Der Gender Pay Gap ist so eine irreführende Aussage – die Behauptung, für gleiche Arbeit würden Frauen weniger Geld erhalten. Ich habe lange mich nicht getraut, meine Zweifel laut zu äußern. Die Kollegin, die die benachbarte Gesamtschule leitete, war doch genauso eingestuft wie ich. Erhielt eine Zahntechnikerin wirklich weniger Geld als ein Zahntechniker? Da unsere Genderforscherinnen dies in allen Medien verbreiteten und Nachrichtensprecherinnen die Pressemitteilung der Frauenministerin zum Equal Pay Day bierernst verlasen, musste es wohl so sein und ich zweifelte an meiner Kompetenz, diesen Sachverhalt, der für alle so selbstverständlich und beklagenswert schien, zu verstehen.

Aber immer bekannter wird, dass hier Äpfel mit Birnen verglichen werden. Da wird das Chefarztgehalt und das der Krankenschwester verglichen und schon lautet die Schlagzeile: In Krankenhäusern werden Frauen schlechter bezahlt als Männer. Die hoch bezahlten männlichen Naturwissenschaftler in Chemiefirmen werden in einen Topf geworfen mit den Sekretärinnen und Buchhalterinnen in diesen Firmen und dann heißt es, in der Chemieindustrie verdienten Frauen weniger als Männer. Was sag´ich, hier ist die Stellungnahme der beiden Professoren, die unstatistik.de betreiben und das noch besser auseinander nehmen können:

Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern?

Die Unstatistik des Monats März heißt 23%. So hoch ist der durchschnittliche Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern, der im Umfeld des Equal Pay Day eine hohe mediale Aufmerksamkeit erfahren hat und selbst im Bundestag Gegenstand einer Debatte war. Dieses durchschnittliche Lohndifferential enthält jedoch keinerlei Information darüber, ob bei der Entlohnung Frauen und Männer wirklich ungleich behandelt werden. Dies liegt darin begründet, dass mit dem durchschnittlichen Lohndifferential „Äpfel mit Birnen“ verglichen werden.

Die in Deutschland beschäftigten Frauen und Männer unterscheiden sich unter anderem hinsichtlich ihrer durchschnittlichen Ausbildung, Berufserfahrung und Arbeitszeit. Darüber hinaus sind Frauen und Männer weiterhin überwiegend in unterschiedlichen Berufen und Industrien tätig. Werden im Rahmen einer Regressionsanalyse diese Unterschiede zwischen Frauen und Männern berücksichtigt, reduziert sich das durchschnittliche Lohndifferential auf 12%. Das ist immer noch nicht gleich, aber deutlich weniger ungleich. Doch auch eine derartige Korrektur des Lohndifferentials ist nicht hinreichend, um einen gesicherten Eindruck über eine mögliche Ungleichbehandlung von Frauen und Männern zu gewinnen. Vielmehr müssten Frauen und Männer miteinander verglichen werden, die über die gleichen arbeitsmarktrelevanten Charakteristika verfügen und in denselben Unternehmen die gleiche Tätigkeit ausüben.

Würden wirklich vergleichbare weibliche und männliche Beschäftigte miteinander verglichen, wäre es überraschend, wenn ein nennenswertes Lohndifferential festzustellen wäre. Wäre dies der Fall, würden nicht nur eine Vielzahl von Unternehmen gegen geltendes Recht – das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) – verstoßen, sondern auch die Betriebsräte und Gewerkschaften bei einer ihrer wichtigsten Kontrollaufgaben weitgehend versagen.

Schließlich ist zu befürchten, dass der Fokus auf das obige Lohndifferential die wahren Gleichstellungsprobleme verschleiert. Anstatt der Konzentration auf medienwirksame Lohnunterschiede sollte sich die Politik fragen, warum überwiegend Frauen in Teilzeit arbeiten, Kinder betreuen und Familienangehörige pflegen. Auch sollte die Frage gestellt werden, warum Frauen andere Berufe als Männer wählen, was nicht zuletzt die Absolventenstatistik der Universitäten verdeutlicht. Diesen Unterschieden sollte sich die Politik zuwenden, wenn sie ernsthafte Gleichstellungspolitik betreiben möchte. So dürften bspw. Maßnahmen zur verbesserten Vereinbarkeit von Familie und Beruf die beste Gleichstellungspolitik sein, während andere Maßnahmen, wie das Betreuungsgeld, eher kontraproduktiv sind.”

Ist Schulerfolg wirklich schichtabhängig?

Science Files weist auf bemerkenswerte Beobachtungen in Groß-Britannien hin: Bei chinesischen Schüler/-innen scheint der Schulerfolg nicht von der Sozialschicht abhängig zu sein. Auch im UK gehören sie zu den besten Schüler/-innen und zwar unabhängig davon, aus welcher Sozialschicht sie stammen. (Wie in Brandenburg die vietnamesischen Kinder aus christlichen Elternhäusern!) Die Frage ist also, ob es kulturelle Determinanten gibt, die nichts mit dem Sozialstatus der Eltern zu tun haben. Eine wichtige Rolle scheinen die Erwartungen der Erwachsenen an die Kinder und Jugendlichen zu sein und die Bereitschaft dieser, sie zu erfüllen.