Ist Googlephobie eine Neurose?

In dem angesehenen britischen wirtschaftsliberalen Magazin Economist ist gerade ein Artikel erschienen, in dem die deutsche Kritik an Googles Datensammelwut als Phobie bezeichnet wird, die es so nirgendwo anders auf der Welt gäbe. Es sei richtig, Google für spezielle Verstöße zu maßregeln. Aber die deutsche Kriitk sei neurotisch und schade dem Land. “VERBOTEN” ist das erste Wort des Artikels.

Im Aufsichtsrat der Economist Group sitzt Google-Vorstandsvorsitzender Eric Schmidt.

Bloglines abgeschaltet?

Bloglines, mein Feedreader, war in den letzten Jahren öfter in Turbulenzen und sollte abgeschaltet werden. Heute ist er jedenfalls nicht zu laden.

Erst vor wenigen Wochen war mein Account verschwunden, warum auch immer. Das Gute daran war, dass ich meine Feeds neu zusammenstellen musste und dabei auf  ein Drittel verzichten konnte, ohne dass ich mich schlechter informiert fühle.

Ich nutze jetzt Feedly!

Copyrightfreie Fotos aus historischen Büchern

Fotos aus digitalisierten Büchern waren bisher nicht suchbar. Jetzt hat der US-amerikanische Informationswissenschaftler Kalev H. Leetaru 2,6 Millionen Fotos aus copyrightfreien Bücher erfasst, die zwischen 1500 und 1922 erschienen sind und von der Internet Archive Organization digitalisiert wurden.

 

(via Joyce Valenza)

Die sozialen Medien sind manipulierbar

Die Begeisterung der digitalen Afficionados und Afficionadas über eine höhere Form der Demokratie durch die digitalen Medien teilt Basedow1764 nicht. Das ist im Blog nachzulesen. Umgang mit Augenmaß und nicht bei jeder neuen App die Revolution ausrufen (oder den Schulunterricht umkrempeln), halte ich für vernünftiger.

Es kam denn auch anders. Wer spricht noch von der “flüssigen Demokratie” und der Partei, die sich nach Seeräubern benannte und auf ihren Parteitagen über Bildschirme und Tweets kommunizierte. Marina Weisbands Buch über die allmähliche Ersetzung der Parlamente durch das Internet, vom Spiegel einst über den grünen Klee gelobt, ist zu Recht im Modernen Antiquariat gelandet. Die “wisdom of the crowd” scheint nicht zu einer höheren Form der Demokratie zu führen.

Jetzt wird im Zuge der Ukraine-Krise bekannt, wie intensiv der russische Geheimdienst die Steuerbarkeit des Internets erforscht und wie dieses Wissen in die Praxis umgesetzt wird: Eine Hackergruppe hat – nicht zum ersten Mal – russische Computer besucht und über 800 E-Mails einer Petersburger PR-Agentur ausgelesen, die zeigen, wie man soziale Medien und Onlinemedien manipulieren kann.

Sie waren so erfolgreich, dass Journalisten des sich medienkritisch nennenden ARD-Magazins ZAPP die so verbreiteten putinfreundlichen Kommentare und Tweets für die Mehrheitsmeinung in Deutschland hielten und den Medien eine negative Einstellung zu Putin vorwarfen.

Lesetipps zu Russland, der Ukrainekrise und den deutsche Putin-Versteher/-innen:

 

Politische Bildung durch die Schulbibliothek?

Anka Rahn von der AG der Berlin-Brandenburger Schulbibliotheken schreibt in einem Beitrag auf dem AGSBB-Blog über die Schulbibliothek als Ort der politischen Bildung. Das war für mich in meiner aktiven Zeit ein ganz zentrales Thema. Ich muss gestehen, dass ich das fast vergessen hatte. Beim Lesen ihres Beitrages fallen mir aber sofort die einschlägigen Aktivitäten in “meinen” früheren Schulbibliotheken ein.

Was Anka Rahn schreibt, ist bisher leider allzu selten geschrieben worden. Ich möchte das mit ein paar Ergänzungen unterstützen:

Wir hatten in der Schulbibliothek eine Litfaßsäule, ein Überbleibsel aus einer Theateraufführung. Eine Tageszeitung (an einer Zeitungsstange befestigt) gab es täglich, sie wurde vier Wochen aufgehoben. Eine “Bibliotheksmutter” führte ein Zeitungsausschnittarchiv. Bei aktuellen politischen Ereignissen “klotzten“ wir und kauften viele Zeitungen. Die Titelseiten mit den Schlagzeilen wurden an einer Wäscheleine aufgehängt. An einer Wand hingen eine große Welt- und eine Deutschlandkarte, an denen das Geschehen lokalisiert werden konnte.

Zu bestimmten Themen gab es Handapparate mit jeweils ca. 30 und mehr Büchern: 1848/49, 17. Juni 1953, Nationalsozialismus, Auf der Suche nach Heimat (Asyl, Migration, Flucht), Jugend und Gewalt, Städtebau, Jüdisches Leben in Deutschland.

Es gab mehrere Politik-Lexika. Den Fischer-Weltalmanach, ein lexikalisches Jahrbuch mit einem Länderteil und vielen aktuellen Daten, hatten wir als Klassensatz, später als CD-ROM, und natürlich die Hefte „Informationen zur politischen Bildung“ für die Lehrkräfte und die Oberstufe, sowie alles Brauchbare der Zentralen für politische Bildung. Wir propagierten den Schülerwettbewerb der politischen Bildung, für dessen Aufgaben man fast immer die Medien der Bibliothek benötigte.

Das alles wurde rege genutzt, wenn die Lehrer einmal verinnerlicht hatten, dass es das in der Bibliothek gab. Weniger genutzt wurde der kleine Internetkatalog mit einer Linksammlung und ein Zeitungsarchiv auf CD-ROM. Das ist durch die Entwicklung des Internets, insbesondere der Suchmaschinen, überflüssig geworden.

Frau Rahn weist auf eine österreichische Broschüre der dortigen Zentrale für politische Bildung in der Schule zum Thema Schulbibliothek hin. (Wer in deren Shop stöbern will: hier!)

Ich freue mich sehr, dass sie dieses Thema aufgegriffen hat.

Jeder kann programmieren

Ranga Yogeshwar und Thomas Bendig haben einen Verein initiiert, der, nach erfolgreichem US-amerikanischem Vorbild, das Programmieren populär machen soll.

Es wäre gut, wenn Programmieren in der Schule (wieder) ernster genommen werden würde. Basedow1764 hat dafür plädiert, trotz seiner Erfahrung, dass ihm schon NT-Grundlagen und -Administratorlehrgänge einiges abverlangt haben.

Die Philosophie dahinter ist doch, dass wir nicht nur googeln und wischen lernen, sondern durchschauen, was uns Apple und Co. vorsetzen, und wenigstens ansatzweise selbst Programme schreiben können. Kommentatoren des hier zitierten Tagesspiegel-Artikels sind eher skeptisch.

Könnte das nicht auch etwas für Bibliotheken sein, die nach attraktiven Angeboten suchen? Jetzt schwappt gerade die Makerspace-Welle aus US-Schulbibliotheken nach Europa über. Das dürfte nicht eins zu eins zu übertragen sein, da deutsche Schulen, zumindest die nicht-gymnasialen, für die Arbeitslehre Werkstatträume haben.

Sichern sich Bibliotheken wirklich ihr Überleben im digitalen Zeitalter dadurch, dass sie Lesesäle zu IT-Laboren umbauen und die Nutzer sich dort Figürchen, Aschenbecher und Pistolen, zukünftig vielleicht auch Fahrräder, ausdrucken lassen? Als gewinnorientierte Ausgründung könnte der Makerspace allerdings die Buchabteilung der Bibliothek querfinanzieren.