Aus meinem Archiv (7)

Die Schulleiter-Fachzeitschrift Schulmanagement brachte Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre regelmäßig in ihrem Magazinteil Texte zu Schulbibliotheksthemen. Das war dem Redakteur Johannes G. Wiese, der auch Geschäftsführer der Niedersächsischen Bibliotheksgesellschaft war, zu verdanken. Er setzte sich für Schulbibliotheken ein, schrieb unermüdlich an Entscheidungsträger auf allen politischen Ebenen und ließ nicht locker, wenn er die üblichen Leerformeln als Antwort bekam.

Wir in der hessischen LAG nahmen uns das zum Vorbild und haben in der Zeitschrift SchulVerwaltung Hessen/Rheinland-Pfalz gelegentlich über Schulbibliotheken geschrieben und den Artikel “Schulbibliothek” in der Datenbank für Schulmanagement des Link-Verlages beigesteuert.

Aus meinem Archiv (5)

Zwanzig Fahrminuten von meiner letzten Schule entfernt, in einer anderen Taunus-Gemeinde, betreute eine amerikanische Schülermutter die Schulbibliothek. Sie war ziemlich professionell, führte LITTERA ein und wandte die Methoden von Prof. Loertscher an, um den Bestand zu evaluieren. Wir hielten nachbarschaftlichen Kontakt.

Sie schrieb mir in einer E-Mail im Jahr 2000 u.a.: “Amazing how little the teachers use it, but now, we have Bibi-Duty (Aufsicht) and we see some of them regularly.

Die Novellierung des hessischen Bibliotheksgesetzes steht an

Vor vier Jahren wurde auch in Hessen ein Bibliotheksgesetz verabschiedet. Auch in Hessen erkannten die Interessenvertreter/-innen des Bibliothekswesens bald, dass Papier geduldig ist. Jetzt steht eine Novellierung an. Ein neuer Anlauf, um an staatliche Geldtöpfe heranzukommen? Vielleicht klappt es jetzt?

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22. Hessischer Schulbibliothekstag 2015 in der Europäischen Schule Bad Vilbel

Der 22. Hessische Schulbibliothekstag der LAG Schulbibliotheken in Hessen wird am 21. 3. 2015 in der Europäischen Schule in Bad Vilbel bei Frankfurt/M stattfinden.

Die Europäischen Schulen sind als Schulen für die Kinder der Mitarbeiter/-innen in EU-Einrichtungen entstanden. Sie führen vom Kindergarten bis zum Abitur und haben einen exzellenten Ruf. Ihr Modell der Sprachenfolge ist sehr ambitioniert. Das Europäische Abitur wird in ganz Europa und in den USA anerkannt. Namen von Ex-Schülern gefällig? Ursula von der Leyen, Florian Henckel von Donnersmarck, Boris Johnson, OB von London, Thomas Rabe, Vorstandschef der Bertelsmann AG. 25.000 Kinder werden in 14 Schulen unterrichtet.

Tom Zijlstra, den Direktor der Bad Vilbeler Schule habe ich bei einer Besichtigung der Europäischen Schule in Frankfurt am Main kennen gelernt, die ich für den Arbeitskreis “Schule-Wirtschaft” organisiert hatte. Damals war er dort Schulleiter.

Wegen der gewachsenen Zahl der EU-Mitgliedsländer und der daraus folgenden Zunahme der EU-Mitarbeiter platzen die Schulen aus allen Nähten. Die Aufnahme von Schülern von außerhalb findet nicht mehr statt. Inzwischen gibt es zehn private EU-Schulen, die sich selbst finanzieren müssen. Sie unterrichten nach demselben Modell, verlangen aber höheres, nach Einkommen gestaffeltes Schulgeld. Die Schule in Bad Vilbel ist eine solche Neugründung. Sie unterliegt zwar den strengen EU-Richtlinien, hat aber mehr Freiheiten, kann sich z. B. die Lehrer selbst aussuchen.

Ich habe mehrfach, im Buch, in Vorträgen und im Blog auf die Bedeutung des Raumes für Lernerfolg und Lernmotivation hingewiesen. Daher freut es mich besonders, wenn ich diesen Satz von Tom Zijlstra lese: “Eine solche Schule kann nur ein Erfolg werden, wenn das Gebäude phantastisch wird. Wir wollen die Schüler nicht verwöhnen, aber wir wollen ihnen Respekt zollen.” (nach FAZ v. 13.9.14, p. C 1)

Muss ich noch erwähnen, dass sowohl Frankfurt als auch Bad Vilbel hervorragende Schulbibliotheken haben und mit Renate Kirmse eine engagierte Schulbibliothekarin, die von Frankfurt nach Bad Vilbel wechselte?

 

Berichte aus Schulbibliotheken?

In der hessischen LAG treffen sich der Vorstand und oft auch ausgewählte Gäste für ein kurzes Wochenende (Freitagnachmittag und Samstagvormittag) zur Klausurtagung in einem Tagungshotel in Mittelhessen. So kann man sich einmal im Jahr in Ruhe austauschen und auch am Abend ein Glas Wein zusammen zu trinken. Wir holen uns Anregungen von außen, erörtern Ideen, planen die Wettbewerbe und Schulbibliothekstage, setzen Schwerpunkte für die Vorstandsarbeit des kommenden Jahres. Jeder Vorständler übernimmt Hausaufgaben. Ein Jahr später auf der neuen Klausurtagung können wir bilanzieren, was klappte und was nicht.

Die Idee, die Mailing List durch einen Newsletter abzulösen, stammt von einer Klausur. Die Teilnehmerzahl hat sich leicht erhöht.

Erfolgreich war auch die Idee, die Mitgliederversammlung mit einer kostenlosen Fortbildungsveranstaltung zu verbinden. Die Teilnehmerzahl hat sich kräftig erhöht!

Was nicht klappte, war der Aufruf an die Mitglieder, von der täglichen Arbeit, den Aktivitäten und Ereignissen in ihren Schulbibliotheken zu berichten

Wir hatten uns vorgestellt, dass es sinnvoll wäre, wenn wir uns gegenseitig informieren, was so alles in der Schulbibliothek passiert. Man holt sich Anregungen. Wir haben bei den Wettbewerben zur “Schulbibliothek des Jahres” gesehen, was für tolle Sachen stattfinden. Wie oft ist das, was in der Bibliothek passiert, unsichtbar, oft sogar in der eigenen Schule, für das Kollegium, für die Schulleitung. Solche kleinen Berichte können dann auf der Schulhomepage oder in der Lokalzeitung stehen – wie das mit den Beiträgen fü die Wettbewerbe geschehen ist -, sie können auf der LAG-Homepage und im Schulbibliotheksblog stehen, ein Mehrfachnutzen also.

Unser Aufruf fand keine Resonanz. Ist es das bekannte Problem, dass die nebenamtlichen Lehrer/-innen keine Zeit dafür haben, weil sie die Arbeit sowieso schon auffrisst und die ehrenamtlichen Eltern zwar gerne einen Part in der Bibliothek übernehmen, aber darüber hinaus keinen Zugang zur LAG oder dem hessischen Schulbibliothekswesen finden?

Da ich mit dem Basedow1764 eine ziemliche Autonomie genieße, könnte ich mir auch vorstellen, “außerhessische” Schulbibliothekberichte – Ein ganz normaler Tag, eine Lesung, ein Lesefest, ein Unterrichtsprojekt, ein Experiment, ein überraschender Besuch – als Gastbeiträge zu veröffentlichen. Sollte die tiefere Ursache für das Ausbleiben sein, dass ein materieller Anreiz fehlt, könnte auch das überdacht werden – die nächste Klausur naht -. Ein kleiner Preis, ein Büchergutschein, könnte unter Einsendungen verlost werden, eine Broschüre mit Berichten könnte entstehen.

Aus meinem Archiv

“Eine zeitgemäße Schule… Dazu gehört als wichtiger Bestandteil der schulischen Bildungs- und Erziehungsarbeit z. B. die Schulbibliothek. Als zentrales innerschulisches Informationszentrum steht sie dem Unterricht und außerunterrichtlichen Aktivitäten zur Verfügung und kann jahrgangsübergreifender Treffpunkt sein. Es sind daher landeseinheitliche Richtlinien zur Förderung des Schulbibliothekswesens zu erstellen.”

So stand es im Manifest “Bildung für alle in Hessen verwirklichen”, Landesvertreter/-innenversammlung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) 1990, Kassel.

Ihr Eintreten für Schulbibliotheken hat de GEW nach der Jahrtausendwende anscheinend aufgegeben. In der hessischen Mitgliederzeitung HLZ 2/2005 mit dem Schwerpunkt Lesen wird die Zusammenarbeit von Bibliothek und Schule auf zwei Heftseiten ausgebreitet. Unter der Schlagzeile Schulbibliotheken dürfen sich die LAG Schulbibliotheken und das Projektbüro Schulbibliotheken im damaligen Hessischen Landesinstitut für Pädagogik darstellen. In einem Kasten auf dieser Seite wird der 17. Hessische Schulbibliothekstag angekündigt. Hervorgehoben wird das Seminar der Stadtbibliotheksleiterin, die zuvor die zwei Seiten mit Bibliothek und Schule füllte.

Die Zeitschrift “Erziehung und Wissenschaft” der Bundes-GEW kennt in ihrem Heft 12/2002 mit dem Schwerpunkt Lesen Schulbibliotheken gar nicht. (In einem einzigen Nebensatz kommen sie vor.) Da ich Anfang der 90er Jahre aus der GEW ausgetreten bin, kann ich nicht ausschließen, dass ich nicht mehr über die aktuelle Haltung zu Schulbibliotheken auf dem Laufenden bin. Ich würde mich freuen, Positives zu hören.

Ich nehme mir gerade vor, gelegentlich in meinem Hängemappen-Archiv zu blättern und die eine oder andere Fundstelle aus der guten alten Zeit hier zu veröffentlichen. Warum? Man kann es sich aussuchen: Früher war es auch nicht besser. Oder: Der Fortschritt ist eine Schnecke. Oder: Nicht alles, was neu auf den “Markt” kommt, ist wirklich neu. Manch´ gute Idee verdient es, wieder aufgegriffen zu werden.
 
In ähnlicher Form hatte ich vor fünf Jahren über Merkwürdiges, Kurioses und Verwunderliches berichtet. Ich bitte um Nachsicht, falls das eine oder andere noch einmal auftaucht. Es wäre ein Versehen, aber es schadete auch nicht.

Brandenburger Parteien zu Schulbibliotheken

In der AG der Schulbibliotheken in Berlin und Brandenburg hatte man die gute Idee, vor der Landtagswahl die Parteien zu befragen, wie sie es mit der Schulbibliothek halten. Wenig überraschend: Alle wissen, dass der Schulträger zuständig ist und nicht der Landtag. Auch wird auf die öffentlichen Bibliotheken – Kombibibliotheken – verwiesen und auf den Kooperationsvertrag des dbv mit dem Land. Einzig die FDP, die auch in Brandenburg keine Rolle mehr spielen wird, sieht die Schulbibliothek als “integralen Bestandteil der Schule” und kann sich vorstellen, dass das Land  Sach- und Personalkosten(!) mitträgt. Auch wenn die Mehrzahl der Parteien unbefriedigende Antworten gibt, sollte die Befragung durch die AG Schule machen.

Ein weiterer Schritt, den die Schulbibliothekslobby auch leisten muss: Ein Stufenkonzept, inklusive Finanzierung, das sich über mehrere Jahre erschreckt und das möglichst so originell ist, dass nicht ein neuer bürokratischer Wasserkopf entsteht. Genau das geschah vor 22 Jahren in Hessen. Die hessische LAG hatte erreicht, dass der Kultusminister Bereitschaft erkennen ließ, etwas zu tun. Unsere Mitstreiter vom dbv forderten daraufhin 70 Diplom-Bibliothekarinnenstellen für schulbibliothekarische Arbeitsstellen. Daraufhin war die Sache gestorben. Der LAG gelang es noch, ein Fahrzeug für die mobile Lehrerfortbildung vorzuschlagen, das dann auch realisiert wurde und viele Jahre durch die Lande fuhr.

Als wir zwanzig Jahre später das machten, was ich oben fordere, einen – bescheidenen – Schulbibliotheksentwicklungsplan vorzulegen, lachte der Kultusstaatssekretär: “4,7 Millionen €? Ich streite gerade mit dem Finanzminister wegen einer 1.000 €-Rechnung.”

Was bleibt? Bei change.org eine Petition einstellen, von campact eine Kampagne planen lassen, die FDP wählen? Spaß beiseite: Nicht locker lassen, bessere Spielzüge auf dem politischen Spielfeld ausdenken, noch originellere Konzepte entwerfen.

 

  • Die vollständige Dokumentation zu den Brandenburger Wahlprüfsteinen “Schulbibliothek” von Sabine Wolf hier.

Mein nachträglicher “Wahlprüfstein” von 2010: Schüler-BAFöG oder Schulbibliotheken?  Die SPD hatte es erfunden, die CDU hat auf meinen Hinweis nicht geantwortet, ein Linkspartei-MdL sagte mir, sie hätten sich nun einmal so und nicht anders entschieden.