Bibliotheksfachliche Rezension eines “Handbuchs Schulbibliothek”

In “libreas”, der elektronischen Zeitschrift für Bibliotheks- und Informationswissenschaften, gefunden:

Holderried, Angelika/Lücke, Birgit (Hrsg.): Handbuch Schulbibliothek. Planung, Betrieb, Nutzung. Schwalbach/ Ts.: Debus, 2012, 238 S., zahlr. Ill., € 29,80

Dipl.-Bibl´in Angelika Holderried ist Mitarbeiterin der Einkaufszentrale für öff. Bibliotheken GmbH (ekz), Dipl.-Bibl´in Birgit Lücke ist Leiterin der Stadtbibliothek Warendorf und Vorsitzende der Kommission “Bibliothek und Schule” des Deutschen Bibliotheksverbandes. Sie sorgte für Aufsehen, als sie sich in einem Interview deutlich für Schulbibliotheken aussprach. Ihr Vorgänger war anderer Ansicht gewesen.

Nach Lektüre der Rezension und angesichts des stolzen Preises möchte ich Wolf/Schuldt, Praxisbuch Schulbibliotheken nicht unerwähnt lassen.

Nachtrag: Es gibt ein “Handbuch plus” der Stadtbücherei Biberach, das nach dortiger Aussage das o.a. Handbuch für die Bildungsregion Biberach ergänzen würde. Es enthält im Wesentlichen (20 von 30 Seiten) eine Erläuterung der Bibliothekssoftware, die den Schulen empfohlen wird.

(Danke an Matthias Schaeffer für den Hinweis)

2 Gedanken zu “Bibliotheksfachliche Rezension eines “Handbuchs Schulbibliothek”

  1. Ich habe lange überlegt, warum mich weder das Handbuch noch die Rezension überzeugt haben. Viele Aussagen und Ratschläge des Buches macht der gesunde Menschenverstand überflüssig. Die Prämissen und Vorgaben der Autoren (man wird von der Liste der Autoren und ihrer Funktionsvielfalt ja regelrecht erschlagen http://www.weltbild.de/3/17267453-1/buch/handbuch-schulbibliothek.html#autorenportrait) sind zu 90% rein theoretischer Natur und lassen sich in der Realität kaum umsetzen (z.B. die Anzahl der Medien pro Schüler, jährliche Makulierungszahlen). Die Rezensentin meint, alle essentiellen SB-Themen würden mit dem Handbuch abgedeckt. Ist das wirklich so? Da ich seit 2,5 Jahren in der SB eines Berliner Gymnasiums arbeite und einige Erfahrungen gesammelt habe, meine ich – nein, werden sie nicht. Bibliotheksfachliche Grundsätze 1:1 in einer SB umzusetzen, das ist nicht die Lösung. SBen müssen sich auf die Gegebenheiten und Anforderungen der jeweiligen Schule einstellen, daher ihre Vielfalt. Sie gehören m.E. eher ins Schulgefüge als in der System der ÖBs. Ihnen ein ÖB-System überzustülpen halte ich für wenig hilfreich.
    Die Rezensentin gibt den Tipp, nicht nur in der eigenen Suppe zu rühren. Also wirklich! Das Erste, was ich in den neuen 7.Klassen beim Methodentraining mache, ist, die Ausweise der Schüler für die ÖBen zu sichten und i.O. zu bringen. Bis hin zu den 5.PK-Prüfungen im Abitur helfe ich bei der Recherche in den OPACs der großen Berliner Bibliotheken (Stabi, HU, FU, Medienforum und natürlich VÖBB) und der Beschaffung von Fachliteratur. Die entsprechenden Schüler sind auf einem guten Weg, eifrige Leser der ÖBs zu bleiben bzw. zu werden.
    Im Handbuch fehlen mir die ausführlichen Verweise auf erfahrene Institutionen, denen die SBen schon lange am Herzen liegen, die beim Aufbau, beim “Zum-Laufen-Bringen”, beim täglichen Betrieb wirklich helfen, z.B. die LAG (ihre Erwähnung im Handbuch ist einfach nur kümmerlich zu nennen), die AGSBB, der Berliner Büchertisch oder auch die Schulleitungen, die sich für ihre SBen z.T. enorm engagieren usw. usw.
    Besonders geärgert habe ich mich über folgenden Satz auf S. 133 des Handbuchs: “Deutschlandweit gibt es in der Schulbibliothekswelt kaum einen Markt für Bibliothekare und Fachangestellte für Medien und Informationsdienste, weil Schulbibliotheken fast ausschließlich von Nichtfachkräften geführt werden”. Dazu drei Gedanken: 1. Da der Staat kein Geld für Gehälter freigibt, sind doch nur Notlösungen möglich. 2. Ein reiner Bibliothekar wäre übrigens auch nicht 100%ig geeignet, da ihm die pädagogische Ausbildung fehlt. 3. Aha, daher also das plötzlich erwachte Interesse an Schulbibliotheken, arbeitsmarktpolitische Erwägungen!

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