E-Books in Schulbibliotheken. Keine Antwort ist auch eine Antwort

Bisher gibt es nur eine Reaktion aus Südtirol, was ja nicht anders zu erwarten war. In Deutschland partizipieren einige Schulen, die das Glück haben, mit öBs kooperieren zu können, von der Ausleihe bei Divibib, der ekz-tochter für Ausleihe von digitalen Medien. Der KJL-Bereich ist noch nicht sehr üppig. Ein Zugriff ist auch nur auf die Medien möglich, die die jeweilige Stadtbibliothek erworben hat. Die Ausleihe verläuft nach dem bekannten System: Wenn das Medium ausgeliehen ist, muss man warten.

US-Verleger sind sich nicht sicher, welche Trends nachhaltig sind. Es gibt Studien, die Teenagern Zurückhaltung bei digitalen Büchern attestieren, andere haben das Gegenteil herausgefunden.

Ein Marketing-Gag ist jedenfalls erfolgreich: Bei Serien (z. B. Vampir-Bücher) ist der erste Band extrem billig oder sogar kostenlos. Ab Band 2 ist dann der normale Preis fällig. Band 2 wird entweder als Printmedium gekauft oder als E-Book, mancher kauft sogar beides.

Attraktiv scheint auch die sofortige Bedürfnisbefriedigung zu sein: Wer nachts um 1 Uhr ein spannendes Buch ausgelesen hat, lädt sofort den Folgeband und kommt unausgeschlafen in die Schule.

Nachtrag: Gerade habe ich diesen Beitrag geschrieben und erfreue mich an der  Überschrift, da erhalte ich eine Mail aus Dreieich, von der kombinierten Schul- und Stadtbibliothek: Bibliotheksausweisbesitzer der öffentlichen Bibliotheken, die am Onleiheverbund Hessen von divibib teilnehmen, haben natürlich Zugang zu E-Books. (Siehe auch unten “Divibib für Berufsschüler”)

Schulbibliotheken müssen angesichts dieser Entwicklung ihr Profil als Lern- und Kommunikationszentren der Schule schärfen, denn 24 Stunden Onleihe wäre Wasser auf die Mühlen derjenigen, die schon im vordigitalen Zeitalter Schulbibliotheken für überflüssig gehalten haben. Aber Onleihe ist auch für die öBen keine zukunftsfähige Lösung. Das Modell der traditionellen Buchausleihe passt nicht ins digitale Zeitalter.

Und schon kommt eine neue Mail. (War ich zu ungeduldig?) An der Frankfurt International School sammelt  man Erfahrungen mit E-Readern und nimmt erst einmal kostenlose E-Books in den Katalog auf. Ein Erfahrungsbericht wurde mir fest versprochen.

So wäre ich auch vorgegangen. Ein halbes Dutzend E-Reader, befüllt mit geeigneten kostenlosen Büchern, viel Spaß mit Schreibprodukten aus der Schule, die man leicht in E-Book-geeignete Formate konvertieren kann, mit juristischem Knowhow ausloten, wie weit man mit gekauften E-Books gehen kann…

E-Reader, voll mit mehreren E-Books, sind natürlich keine dauerhafte Lösung für ein Ausleihverfahren, aber für eine “Pionierzeit” halte ich es für überlegenswert. Vorzugsweise für den Leseclub oder die Bibliotheks-AG. Internatsschulen müssen nicht fürchten, dass die E-Books “draußen” beschädigt werden oder verloren gehen.

Jedenfalls wird es kurzfristig keine “nachhaltige” Lösung geben. Die rechtlichen und technischen Gegebenheiten sind noch nicht zureichend. Ich sehe eher, dass der medienindustrielle Komplex Staat und Gebietskörperschaften dazu “einlädt”, Geräte und Inhalte für Blended Learning bzw. digitale Schulbücher anzukaufen.

Siehe auch:

Über Basedow1764

Die älteste Forderung nach Schulbibliotheken ist bei dem Schulreformer Johann Bernhard Basedow (1724 - 1790) zu finden. Daher der Name dieses Weblogs.
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4 Antworten zu E-Books in Schulbibliotheken. Keine Antwort ist auch eine Antwort

  1. Linda Hein schreibt:

    Wir verleihen E-Book-Reader und nehmen an der Onleihe teil. Unsere jugendlichen Kunden werden auf das Angebot hingewiesen und wenn der Lektüreschlüssel im Regal fehlt, ist das eine echte Alternative – theoretisch. Die meisten Jugendlichen wollen hier und jetzt ihr Buch und nicht zuhause downloaden, denn daheim am Rechner haben sie ganz andere Sachen vor. Die wenigsten probieren das Angebot auch wirklich aus, den Reader leihen wir seit Start der Onleihe in Hessen (Verbund), bisher wurde er von SchülerInnen etwa 2x (!) entliehen und eher von den Kleinen zum Stillen der Neugier. Das wirkliche Interesse liegt eher bei Kunden der Bücherei ab 30 Jahren.

  2. Pingback: Digital oder analog: Wie lesen Schüler lieber? | Basedow1764's Weblog

  3. Basedow1764 schreibt:

    Glückliches Oberhessen! Wenn meine Vorfahren es doch nie verlassen hätten.
    In der Onleihe, wie sie öBen praktizieren, sehe ich kein attraktives Modell für Schulbibliotheken.

  4. CG schreibt:

    E-Books werden bei uns gar nicht nachgefragt. Selbst die Hörbücher werden kaum ausgeliehen… Unsere Stadtbibliothek hat noch nicht einmal einen digitalisierten Bestand, von Onleihe ganz zu schweigen. Dort gibt es nicht einmal ein Telefon!! Ich glaube, Fernleihe machen die auch nicht.
    So ist das halt, wenn man auf dem Land lebt. Hier haben noch nicht mal alle Internetanschluss… Von derlei technischen Entwicklungen sind wir eher abgehängt. Aber wenigstens hängen unsere Kids noch ziemlich häufig mit “echten” Büchern ab ;-)

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