War etwas? Vor 10 Jahren schloss die nationale “Beratungsstelle für Schulbibliotheken”

Mit google desktop suche ich in den Tiefen meiner Festplatte nach einer Datei. Knapp daneben ist dieser Treffer: Schreiben vom Januar 1998 an den damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog mit der Bitte, die bevorstehende Schließung der “Beratungsstelle für Schulbibliotheken” beim Deutschen Bibliotheksinstitut zu verhindern.

Ähnliche Schreiben gingen an Stiftung Lesen, das Hessische Kultusministerium, an den Präsidenten der KMK und das Wiener Unterrichtsministerium zwecks Kooperation mit dem dort angesiedelten Büchereiservice für Schulen bei einem Periodikum für Schulbibliotheken. An brauchbare Antworten erinnere ich mich nicht. In der KMK kamen wir am weitesten. Ein Referatsleiter schrieb eine Tischvorlage für den damaligen Präsidenten. Der aber winkte ab. Auch von Niels Hoebbel von der noch existierenden Beratungsstelle kam keine Reaktion. Nicht dass wir erwartet hätten, dass man uns die Füße küsste. Man hatte uns Hessen in der Beratungsstelle gerne als schulbibliothekarischen “Wildwuchs” und einen frühen Tod sterbend bezeichnet, abschätzig über einen Hessischen Schulbibliothekstag berichtet. (Man kann manches im Blog nachlesen.) Unsere Aufsätze und Berichte druckte man aber gern in “schulbibliothek aktuell” ab.

Zu der Briefaktion fühlten wir uns verpflichtet. Eine andere Plattform als “schulbibliothek aktuell” gab es nun einmal nicht. Mit einigen der veröffentlichten Materialien hatten wir die ersten Schritte gemacht. Einen nationalen Ansprechpartner hielten wir für wichtig, auch wenn er keinerlei Befugnisse und Zuständigkeiten hatte. Um uns herum, in Österreich, in Dänemark, ganz zu schweigen von den angelsächsischen Ländern, war die nationalstaatliche Ebene maßgeblich, die Kultusministerien, der Gesetzgeber. Nicht zuletzt hatten wir guten Kontakt zu Prof. Klaus Doderer, dem Deutschdidaktiker und Gründer des Frankfurter Instituts für Jugendbuchforschung, der in den 70ern den Anstoß zur Schaffung der Beratungsstelle gegeben hatte. Sie war zuerst an seinem Institut angesiedelt, bevor sie zum Deutschen Bibliotheksinstitut kam. Nachdem das Wissenschaftsministerium nach der Evaluation dieses Instituts Anfang der 90er nicht zufrieden war und es nicht mehr finanzierte, kam auch das Ende der Beratungsstelle. Kurze Zeit überwinterte das dbi beim Berliner Senat. Eine Zeitlang wurde in der Zeitschrift kjl+m ein Beihefter mit Schulbibliotheksthemen eingefügt, was aber bald auslief. Die Tradition, die Hessen abzuwatschen, behielt man bei.

Die Schulbibliothekskommission der Beratungsstelle wurde vom Deutschen Bibliotheksverband übernommen und hieß fortan “Expertenkommission zur Zusammenarbeit von Bibliothek und Schule”. Nachdem das Pendel zuerst stark in Richtung des Namens der Kommission ausgeschlagen war, liegt ihr jetzt doch auch wieder die Schulbibliothek am Herzen.

Schnee von gestern, z. d. A, zurück ins Archiv.

Schreiben vom Januar 1998 an den damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog mit der Bitte, die bevorstehende Schließung der Beratungsstelle für Schulbibliotheken” beim Deutschen Bibliotheksinstitut zu verhindern. (pdf)

Über Basedow1764

Die älteste Forderung nach Schulbibliotheken ist bei dem Schulreformer Johann Bernhard Basedow (1724 - 1790) zu finden. Daher der Name dieses Weblogs.
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