Fly Iberia?

Wenn einer eine Reise tut…

Der Warteraum in Bogotá für die Iberia-Maschine nach Madrid ist übervoll, Reisende stehen oder sie sitzen auf dem Fußboden. Der Abflug verschiebt sich um 90 Minuten. Einzige Abwechslung: Alle paar Minuten wird ein Passagier zum Schalter gerufen. Und dann müssen alle den Raum verlassen und sich für eine zweite Körper- und Kofferkontrolle anstellen. Der Grund für die Verspätung ist zu ahnen, wird aber nicht verraten: Die Maschine aus Madrid ist noch nicht da.

Durch die Verspätung schrumpft die Zeit für den Transit in Madrid bedrohlich. Für die Wegstrecke im Terminal von Gate zu Gate braucht man 27 Minuten. (Bisher hielt ich Paris Charles de Gaulle für den strapaziösesten Umsteigeknoten, gefolgt von München.) Dazu kommen noch drei Passkontrollen und eine Koffer-/Körperkontrolle. (Einen Gürtel trage ich nicht mehr bei Transitflügen, muss aber dann die Hose festhalten beim Rennen. Vielleicht sollte ich die Hosenträger wieder aktivieren?)

Ich spreche zwei Frauen vom Iberia-Kabinenpersonal an. Ihr Rat: Ich könnte es schaffen, wenn ich mich ein bisschen beeilte. Ich könnte 15 Minuten vor Abflug am Gate sein. “Normalerweise wird das Gate 15 Minuten vor Abflug geschlossen”, sage ich. Naja, könne schon sein, dass ich den Flieger verpasse.

Keine Abfrage, ob die Maschine nach Berlin vielleicht Verspätung hat, keine Durchsage, dass das Gate noch ein paar Minuten offen bleiben solle. Kein Angebot, dass ich mich nach vorne, an den Ausgang, setzen darf. Ein Fahrzeug, das in solchen Fällen Reisende von Gate zu Gate bringt, ist wohl nicht möglich, weil es sich um eine Einreise in die EU handelt. Danach frage ich gar nicht erst. Das Interesse der Damen an meinem Problem ist sowieso schon erloschen.

Ich wandere dann kurz vor dem Andocken auf eigene Faust nach vorn, was aber gar nicht gut ankommt, da man ja noch angeschnallt bleiben muss. Zurück, Marsch, Marsch! Ich rette mich auf den nächsten freien Platz. Immerhin habe ich ca. 150 Paxe überholt.

Statt 27 Minuten brauche ich nur 22 Minuten. Inklusive Aufzug, Rolltreppen, Monorail, dreier Passkontrollen, einer Kofferkontrolle, vorbei am Transitschalter der Iberia, an dem ca. 80 Umsteiger in zwei Schlangen stehen. Mehrere Reisende hetzen genauso wie ich durch die Hallen. Wir rufen uns gegenseitig unsere Flugziele zu.

Exakt zur geplanten Abflugzeit bin ich am Gate. Da ist die nächste Schlange. Über die freue ich mich aber. Der Flieger hat Verspätung! Die Maschine kam zu spät rein. Ich frage die Stewardess schweißgebadet und mit hochrotem Kopf,  ob es eine Dusche im Flieger gäbe. Nein, aber zu Hause hätte sie eine. Ich gehe auf das Angebot nicht ein. Während des Landeanflugs tröpfelt Wasser von der Decke, aber es war keine richtige Dusche.

Dass ich um die Kopfhörer (Beim Hinflug funktionierten sie nicht) und das kärgliche Frühstückspäckchen bitten musste, weil ich beim Austeilen übersehen wurde, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Immerhin hatte ich auf beiden Flügen Sitze mit viel Beinfreiheit. Danke an das Goethe-Institut in Bogotá!

So komme ich wie geplant in Berlin an. Beim Gepäckband gibt es eine Panne. Das wird nach 35 Minuten Wartezeit mitgeteilt. Schließlich sind alle Koffer auf dem Band, nur meiner nicht. Der  steht noch in Madrid. Zum Glück hatte ich den Autoschlüssel im Handgepäck. In Berlin demonstrieren gerade Taxifahrer wegen der hohen Gebühren am neuen Flughafen. Die Warteschlangen am Taxistand sind daher lang.

Wie sagte die Tonbandstimme im Flieger: “Es war uns ein Vergnügen, Sie an Bord gehabt zu haben.” Ich habe verstanden, wie Iberia das meint.

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