Zeitungsartikel und Urheberrecht

Im Perlentaucher ist zu lesen:

Aus den Blogs, 04.04.2012

Der Prozess der FAZ und der SZ gegen den Perlentaucher hat unerwartete Konsequenzen für die Buchverlage, berichtet Ilja Braun im Blog der Linkspartei. Der Internetbuchhändler libri.de hat in einer Rundmail alle Verleger gebeten, Zitate der FAZ und SZ, die in Klappentexten stehen, zu entfernen – es sei denn, es liegt eine Vereinbarung mit den Zeitungen vor.

Bundesgerichtshof und OLG Frankfurt hatten dem Perlentaucher zwar weitgehend Recht gegeben, aber gleichzeitig entschieden, dass im Prinzip jedes Zitat einzeln auf seine Rechtmäßigkeit geprüft werden müsse. Braun kommentiert: “Grundsätzlich kann der Online-Händler nach dem Urteil des OLG Frankfurt nicht ausschließen, dass im Einzelfall doch einmal ein Text, der aus einer Rezension zitiert, gegen Rechte der Autoren verstößt. Gerade Werbetexte (sog. Blurbs) erfüllen nämlich häufig nicht die hohen Anforderungen, die das Zitatrecht stellt.”

Vorsicht, liebe Wandzeitungsmacher/-innen in Schulbibliotheken, falls Ihr den Artikel aus der Lokalzeitung über Euch aushängen wollt. Erst fragen!

Dass der Urheberrechtsschutz solche Blüten treibt, macht das Eintreten für ihn gegen die Kostenloskultur im Internet nicht einfacher.

Die FAZ erlaubt die Verwendung ihrer Texte und längerer Zitate gegen nach Verwendungsdauer gestaffelte Gebühren. Bis zu einem Drittel des Textes gilt als Auszug, der weniger kostet als der ganze Text. Nichtkommerzielle Nutzer/-innen zahlen die Hälfte.

Der Zeitungsverlegerverband teilt seine Sichtweise hier mit. Links auf Online-Texte der Zeitungen sind nicht kostenpflichtig, Textkopien zur privaten Nutzung ebenfalls nicht.

Die nichtkommerzielle Nutzung in Schulen dürfte gute Chancen haben, erlaubt zu bleiben, schließen werben die Zeitungsverleger in den Schulen Leser/-innennachwuchs. Auch zitiert darf werden. Wobei das Zitieren in kommerzieller Absicht und ohne Einbettung in ein eigenständiges Werk wie auf Buchumschlägen nicht gemeint ist.

Die derzeitige Verwirrung spielt den Verlegern in die Hände: Ihr neues Leistungsschutzrecht würde ihrer Meinung nach Klarheit schaffen.

Bisher habe ich nur beim Handelsblatt die Information gefunden, dass die Verwendung des Contents in der Schule lizenzfrei ist.

Ein Versuch der ZEIT, die konträren Positionen sachlich vorzutragen. Wenngleich die Alternativvorschläge, z. B. Kulturflatrate oder unter mehreren Pseudonymen  veröffentlichende Künstler mehr gut gemeint als gut sind. Kein Wunder, dass Frau Weisband erst einmal auf der sicheren Seite publizieren will.

Ein Punkt im Parteiprogramm der Piraten, falls man ihrer Pressemitteilung glauben darf , gefällt mir schon: Dass der Bildungsbereich von Urheberrechtsabgaben ausgenommen bleibt. Diese Position haben auch schon Kultusministerien vertreten, aber sich nicht durchsetzen können.

Ein Gedanke zu “Zeitungsartikel und Urheberrecht

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