Lesetipp: Erich Maria Remarque

Ich fing an mit dem Film “Nacht von Lissabon“, der gerade in einer DVD-Ausgabe erschienen ist. 1970/71 entstand er und wurde damals im ZDF gezeigt. Vorlage ist  die gleichnamige Erzählung von Remarque. Die Namen der Schauspieler sagen mir noch etwas: Erika Pluhar, Horst Frank, Martin Benrath, Vadim Glowna, Charles Régnier.

Als Bonusmaterial gab es eine Dokumentation zum Leben Remarques. Daraufhin las ich die Biographie von Wilhelm von Sternburg: “Als wäre alles das letzte Mal“. Es folgte ein Wiederlesen von “Im Westen nichts Neues“, in 16. Auflage.

Was für ein trauriges Leben Remarque führte! Trotz des Ruhms, des Geldes, das ihm vor allem “Im Westen nichts Neues” brachte, trotz der Reisen und vielen schönen Frauen, die er hatte.

Wie reaktionär war doch die frühe Bundesrepublik! Der Film “Im Westen nichts Neues” wurde zum zweiten Mal zensiert. Jahre zuvor hatten die Nazis Aufführungen gestört. Der Autor hatte Deutschland rechtzeitig verlassen. An seiner Statt wurde seine Schwester ermordet.

Mit seinen Büchern war er unterschiedlich erfolgreich. Sie waren aber fast immer umstritten, die Reaktionen oft gehässig. Den Kommunisten fehlte der Klassenstandpunkt, den Nationalisten missfiel die realistische Darstellung des Krieges. Remarque hatte als Journalist begonnen und dies nicht ohne Erfolg.

Politisch ließ er sich nicht vereinnahmen. Seine Themen waren Menschen im Krieg, auf der Flucht, in der Emigration, im Konzentrationslager. Damit machte er sich nicht nur Freunde und Bewunderer. Wie bei vielen Emigranten gab es auch bei ihm nach dem Zweiten Weltkrieg keine Geste des Wilkommens, der Wertschätzung. Auch die “ZEIT”, die in den Anfangsjahren der Bundesrepublik ihre Entstehung als intellektuelles Aushängeschild des “Dritten Reiches” nicht verbergen konnte, ließ kein gutes Haar an ihm. Remarque verfolgte das Geschehen sehr genau. Ihn deprimierte der schonende Umgang mit den Nazis und ihr nahezu bruchloser Übergang in neue Ämter.

Auch die DDR hielt auf Distanz. In dem 1952 entstandenen KZ-Roman “Der Funke Leben” steht eine Szene (p. 210), die bezeichnend ist für seine politische Hellsichtigkeit. Im Gespräch mit einem Kommunisten fragt ein Häftling: “Sag mir lieber, was mit denen geschähe, die gegen euch sind, wenn ihr gewinnen würdet und die Macht hättet? Oder denen, die nicht für euch sind?” – ” Da gibt es verschiedene Wege” – “Ich kenne welche. Du auch. Töten, Foltern, Konzentrationslager – meinst du die auch?” – “Unter anderem. Je nachdem, was notwendig ist.” – “Es ist ein Fortschritt im Ziel. Und auch in der Methode… Wir tun nichts aus Grausamkeit. Nur aus Notwendigkeit.”

Ein Gedanke zu “Lesetipp: Erich Maria Remarque

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s