Neuer OECD-Alarm wird gelassen aufgenommen

Der OECD-Bildungsbericht 2011 zeigt für Deutschland wieder angeblich erschreckende Ergebnisse, wenn man die Maßstäbe der OECD-Bildungsökonomen anlegt, die mit ihren Leistungsvergleichsstudien normieren, wie Qualität von Schule, Universität und Berufsausbildung zu bewerten ist. Man scheint man aber gelassener mit dem OECD-Alarmismus umzugehen als früher.

Es sind die altbekannten Indikatoren:

Zu wenig Geld für Bildung. Wenn man das Bruttoinlandsprodukt auf die Zahl der Schüler/-innen bezieht, gibt Deutschland 26,8 %  davon für Bildung aus, Finnland 26,3.

So süffige, holzschnittartige Parolen wie in Potsdam: “Bildung sta(d)t Schloss!” (D. h. Das statt für den Landtagsneubau in der Hülle des Stadtschlosses Geld in die Potsdamer Schulen zu stecken) gehen am Problem vorbei. Berlin gibt vergleichsweise viel Geld für Bildung aus und gehört im Ländervergleich zu den Schlusslichtern beim Schulerfolg.

Wie tückisch Statistik sein kann, zeigt dies: Die Bundesländer kommen zu einer höheren Bildungsquote, als der Bund für Deutschland errechnet. Sie rechnen Lehrerpensionen und Gebäudekosten mit. Es wäre ein Forschungsvorhaben wert, zu vergleichen, welche Kosten die einzelnen OECD-Staaten als Bildungsausgaben anführen.

Zu wenig Akademiker. In USA, wo es so gut wie keine Berufsschulen gibt, muss man studieren, um Zahntechniker oder Krankenschwester zu werden. Völlig klar, dass die USA laut OECD das bessere Bildungssystem haben: mehr Akademiker als Deutschland.

Update 12/2011: Die EU wird für Krankenschwestern das Abitur als Voraussetzung verlangen.

Die nicht-akademische Berufsausbildung, das duale Ausbildungssystem, wird von den OECD-Bildungsökonomen gering geschätzt. Es gibt andere Fachleute, die dieses System, das es auch in der Schweiz und Österreich gibt, der Akademisierung von Berufsausbildung für überlegen halten. (Siehe dazu auch unten bei den Kommentaren meinen Eintrag v. 9.11.11!) Nachtrag: Die Firma SEAT in Spanien übernimmt das duale System. Die Arbeitsmarktchancen Jugendlicher sind besser, als wenn sie nur schulisch ausgebildet werden.

Es gibt genügend Baustellen im deutschen Bildungswesen und ein Blick über den Zaun lohnt sich immer.

Der Hype um Ganztagsschulen bringt wenig für die Qualitätssteigerung. Ihr Hauptverdienst ist, dass sie berufstätige Mütter entlasten. Die meisten Ganztagsschulen fahren nachmittags ein Betreuungsprogramm, mehr nicht. Aber auch wenn der Unterricht sich über den ganzen Tag erstreckt, gibt es bisher keine wesentlichen Effekte. Bei Kindern aus bildungsfernen Schichten kann die längere Aufenthaltsdauer in der Schule immerhin für mehr Ausgleich sorgen.

Der Einzug der Bildungsökonomen und Unternehmensberater in die Pädagogik hat die Zahl hoch dotierter Planstellen erhöht und zu Instituten für Evaluation und Qualitätsmessung geführt. Gleichzeitig fehlen qualifizierte und angemessen bezahlte Schulleiter/-innen und die Belastung der Lehrkräfte steigt.

In Hessen wurde das Lehrerfortbildungsinstitut mehrfach umgebaut und umbenannt, schließlich ganz abgeschafft, ähnlich erging es dem Bildungsplanungsinstitut. Dafür wurden ein Amt für Lehrerbildung (AfL) und eins für Qualitätssicherung (IQ) geschaffen, jeweils mit Dutzenden neuer A-15-Stellen. Zuletzt sollte eine Schulleiter-Akademie geschaffen werden. Schon wird die Auflösung von AfL und IQ erwogen. Die millionenteure Evaluation der Schulen scheint sich nicht lohnen, Berichte bestehen aus Satzbausteinen und Meinungen junger Inspektor/-innen. (Die mussten in Schulen ausgerechnet in den Wochen vor den Sommerferien diskutiert werden, wenn wegen der Abschlussprüfungen und Versetzungskonferenzen schon genug zu tun ist.)

Nachtrag Februar 2013: Die FDP hat kurz vor dem Ende ihrer Mitregierung das hessische Landesschulam und Lehrkräfteakademie durchgesetzt. Es ist der Zusammenschluss von nachgeordneten Instituten und Ämtern. Er bringt neue, gut bezahlte Stellen und wieder einen jahrelangen Prozess der Organsiationsänderung, sofern nicht eine neue Regierung den Umbau stoppt.

Dieser bürokratische Überbau kreist um sich selbst, ist beschäftigt mit ständig neuen Projekten, überzieht die Schulen mit Planungs-, Lenkungs- und Koordinationsgruppen, füllt Matrizen mit Bildungsstandards und Kompetenzen statt mit Lerninhalten. Und zwar auf nationaler Ebene (IQ Klieme, Berlin) und noch einmal in nahezu jedem der 16 Bundesländer, für Hauptschule, für Realschule, fürs Gymnasium. (Als ich die ersten Bildungsstandards las, z. B. Geschichte Baden-Württemberg oder war es Rheinland-Pfalz?, traute ich mich nicht laut zu sagen, dass da letztlich nichts anderes drin stand als in den alten Stoffplänen und den Feinzielformulierungen der Stundenvorbereitungen. Inzwischen steht das so in Wikipedia.)

Die Regierung von Brandenburg will die Privatschulen stutzen, statt deren Innovationspotential zu nutzen oder gar zu erwägen, ob die nicht Schule effizienter organisieren könnten als der Staat. (Siehe die Niederlande!)

Siehe auch:

Update 6.12.11: Die OECD hat eine neue Untersuchung veröffentlicht, in der Deutschland eine wachsende Ungleichheit zwischen Reichen und Armen bescheinigt wird. Ich habe es mir inzwischen angewöhnt, bei OECD-Untersuchungen genauer hinzusehen. Im Statistischen Jahrbuch finde ich nichts, was den OECD-Alarm rechtfertigte. In Deutschland ist die Kluft geringer als im OECD-Durchschnitt. Ein weiterer Aspekt ist, dass die Zahl der Alleinerziehenden und Alleinstehenden mit niedrigem Einkommen zugenommen hat. Das ist eine gesellschaftliche Entwicklung, auf die man reagieren muss, aber darauf alarmistisch zu reagieren ist fragwürdig. Warum macht die OECD das? Wer sitzt da in den Lenkungsgremien? (Wenn ein Goldman-Sachs-Mann EZB-Chef ist, dann weiß man, wessen Interessen die EZB verfolgt.)

Wie schon bei der angeblich erschreckend niedrigen deutschen Abiturientenquote das duale Bildungssystem unterschlägt die OECD dieses Mal, dass es in Deutschland eine soziale Sicherung gibt, die allenfalls noch von den skandinavischen Ländern übertroffen wird, jedenfalls über dem OECD-Durchschnitt liegt.

Nachtrag 24.5.13: Etwa die Hälfte der Schüler/-innen in Deutschland schließt mit dem Abitur ab (Bei Mädchen über 55%.) Der OECD ist das nicht genug, was sie Deutschland seit Jahren vorwirft. Der wirtschaftliche Wohlstand eines Landes hänge von hohen Schulabschlüssen ab. Nun weist der Bildungsforscher Klaus Bölling in der FAZ v. 23.5. auf eine Studie von Marie Duru-Bellat hin, die nachweist, dass die ständige Ausweitung des Schulbesuchs keineswegs zu Wachstum, höherem Einkommen und einem höheren Bruttosozialprodukt führt. In Frankreich erhalten zwei Drittel der Schüler das Abitur (Ein höherwertiges und ein einfacheres, in Italien erhalten 72% der Schüler der S II, also auch die Berufsschüler, nach einer Prüfung in drei Fächern das Abitur.)

Die Jugendarbeitslosigkeit ist in Italien schon seit Jahren hoch. Länder mit einer niedrigen Abiturientenquote, wie Österreich und die Schweiz, müssten demnach ärmer sein als Frankreich oder Italien und eine höhere Jugendarbeitslosigkeit haben. Das trifft nicht zu.

Über Basedow1764

Die älteste Forderung nach Schulbibliotheken ist bei dem Schulreformer Johann Bernhard Basedow (1724 - 1790) zu finden. Daher der Name dieses Weblogs.
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8 Antworten zu Neuer OECD-Alarm wird gelassen aufgenommen

  1. xyz schreibt:

    die OECD schätzt das nicht gering – das ist ohne Wertung! Die duale Ausbildung ist nunmal nur eine Sekundarstufe 2 und die macht man anderswo nur schulisch. Danach kommt höhere Bildung. Höhere Bildung international umfasst alles, was postsekundär und tertiär nach langer Schulbildung erfolgt.

    das ist ganz sachlich. Da wird nichts geringgeschätzt. Es ist nur eine Sekundarstufe 2, die man anderswo halt schulisch absolviert. Der Beruf kommt anderswo postsekundär/tertiär.

    warum soll jemand auch mehrfach eine Sekundarstufe besuchen? Faktisch ist die duale Ausbildung wie eine Highschooloberstufe, nur das sie eben ohne Allgemeinbildung ist.
    Das ist das ungewöhnliche daran.
    aber wie ich schon sagte, sind die Azubis im Schnitt schon 19,8 Jahre alt, wenn sie ihre Ausbildung anfangen – ziemlich alt für eine Sekundarstufe.

  2. xyz schreibt:

    die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland liegt in Wirklichkeit bei 17% — das kann der Berufsschullehrerverband auch gern bestätigen.

    das hat was mit Statistik zu tun, denn in Ländern mit Berufsbildungssystemen werden die Azubis mit einberechnet, anderswo halt nicht

  3. xyz schreibt:

    Das Bildungsniveau in Deutschland ist zu niedrig! Die Ausbildung in Deutschland ist schon längst POSTSEKUNÄR, d.h. obwohl es eigentlich eine Sekundarstufe 2 ist, sind die Absolventen immer öfter bereits Erwachsene im ABITURALTER – also in einem Alter, in dem man anderswo studiert. Momentan liegt es bei 19,8 Jahren im Schnitt, nur noch ca. 30 % sinkender Tendenz sind unter 18.

    die Ausbildung selbst ist aber eigentlich eine Sekundarstufe 2/Highschoolebene – nur eben eine Highschool OHNE echte Bildung, also ohne Allgemeinbildung, ohne weiteren Abschluss etc… sie erfüllt damit internationale Standards einfach nicht – und diese Standards gelten weltweit, von Korea bis Dänemark…

    ja, auch in Östereich mittlerweile, da man da ganz oft nämlich ein Abitur/Studienberechtigung und Allgemeinbildung mitbekommt in der Berufsschule

    “In USA, wo es so gut wie keine Berufsschulen gibt, muss man studieren, um Zahntechniker zu werden. “””

    die Dental Technology ist WELTWEIT ein Studium, von USA bis Asien, von Australien bis Niederlande. Weltweit ist das ein Studium… das liegt am technischen Fortschritt, der Berufe verändert.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Zahntechnik

    Künftige Entwicklungen der Zahntechnik gehen in Richtung besonders biokompatibler Werkstoffe, einer Verbesserung und Vereinfachung der Verfahrenstechniken sowie einer weiterhin verbesserten Individualisierung des Zahnersatzes, um jeden Eindruck des „Künstlichen“ zu vermeiden. Dazu bedarf es einer optimalen Zusammenarbeit von Patient, Zahnarzt, Praxispersonal und Zahntechnikern. Weil immer mehr Patienten auf einen nicht nur natürlich aussehenden Zahnersatz, sondern auch auf dessen festen Halt und eine hohe Funktionstüchtigkeit Wert legen, steigt seit Jahren der Anteil des auf Implantaten befestigten Zahnersatzes an. Diese Tendenz wird sich weiter fortsetzen.

    Die Zahntechnik wird sich in den nächsten Jahren auch dahingehend verändern, dass in das zwar hoch technisierte, aber dennoch manuell geprägte Handwerk eine zunehmend hochspezialisierte Automatisierung Einzug halten wird. Derzeit sind schon verschiedene CAD/CAM-Systeme auf dem Markt, die die Kiefersituation durch mechanisches Abtasten, Laser- oder optische Scans aufnehmen, um den Zahnersatz am Bildschirm zu konstruieren. Diese Daten werden einer Produktionsmaschine übergeben, die den Zahnersatz aus verschiedensten Materialien fräst oder sintert. Gerüstwerkstoffe wie Zirkon, Zirconiumoxid, Aluminiumoxid, Titan etc., die sich durch eine besondere Festigkeit auszeichnen, kommen zunehmend zum Einsatz.

    und man muss sich immer vor Augen führen: Akademisierung ist Verwissenschaftlichung ist Professionalisierung. Warum soll der Zahntechniker nicht daran teilhaben? Warum soll er nur Praktiker sein und nicht selber mit Entwickeln und neue Verfahren konzipieren???

    dieses altmodische Bild aus dem 19. Jahrhundert muss weg: es gilt nicht mehr, einer führt nur aus und ein andere denkt — das ist überholt! Übrigens waren die Erfinder der Dampfmaschine und andere Techniker keine Ingenieure , sondern HANDWERKER! Das waren die ersten Techniker, das ist all das, was man in DE abwertet (für nur “praktisch Begabte”)

    dental technology = global ein Studium! Teilweise sogar an Eliteuniversitäten:

    http://www.otago.ac.nz/courses/qualifications/bdenttech.html

    http://www.hotcoursesabroad.com/study/degrees/malaysia/bachelor-degree/dental-technology-courses-at-international-medical-university-imu/loc/114/slevel/12-2-3/cgory/pf.4-4/sin/ct/cid/142540/programs.html

    Das NIVEAU ist Höher als in Deutschland! Da haben auch mehr ein Abitur. Deutschland braucht mehr Bürger mit langer Schulbildung.

  4. Basedow1764 schreibt:

    Die OECD arbeitet mit Erfolg daran, das deutsche Bildungswesen umzubauen: Die EU hat aufgrund der OECD-Befunde einen Brief an die Bundesregierung geschrieben, in der ermahnt wird, doch den Bildungsgrad der Menschen im oberen Sekundär- und im Tertiärbereich anzuheben, da er unter dem EU-Durchschnitt läge. Gemeint ist: Mehr Abiturienten, mehr Studenten.
    Was EU und OECD nicht wahrhaben wollen: Das duale Ausbildungswesen sorgt bei 50% der jungen Leute für den Einstieg ins Berufsleben.
    Die Jugendarbeitslosigkeit liegt in Deutschland bei 9%. In Staaten mit einer weitaus höheren Abiturientenquote liegt sie bei 20 bis 40% (UK, F, I, Spanien).

  5. DonBib schreibt:

    Eine kleine Anmerkung zu „Bildung sta(d)t Schloss!“: man sollte nicht den Titel einer Initiative ohne die Kenntnis des inhaltlichen Konzeptes der ehemaligen Initiative zweckentfremden, oder kürzer: das war ein bißchen einfach.

    Sinn der Initiative war es damals zu verdeutlichen, dass es in Potsdam / Brandenburg eine unsinnige Prioritätenverschiebung gibt. Der Zustand der Schulen in Potsdam war zu Beginn der Diskussionen um die Ausgaben für den neuen Landtag in einem miserablen Zustand, gleiches gilt für die SLB, gleiches gilt für die Unis. Gleichzeitig entschied sich die Politik, seiner zentralen politischen Einrichtung einen Protzbau zu errichten. Da darf man schon nach Prioritäten fragen oder?

    Seitdem hat sich sicherlich nun einiges getan. Vielleicht hat eine solche Initiative auch dazu beigetragen?

    Die Frage, wie bei unterschiedlichen lokalen Voraussetzungen und gleichem Geldeinsatz das gleiche Ergebnis herauskommen soll, wird ja gern insbesondere in den südlichen Bundesländern ignoriert.

  6. pandabaerlin schreibt:

    “So süffige, holzschnittartige Parolen wie in Potsdam: „Bildung sta(d)t Schloss!“ (D. h. Das Geld für den Landtagsneubau in der Hülle des Stadtschlosses in die Potsdamer Schulen stecken.) gehen am Problem vorbei. Berlin gibt vergleichsweise mehr Geld für Bildung aus und gehört im Ländervergleich zu den Schlusslichtern beim Schulerfolg.”
    Das finde ich genauso richtig wie falsch. Sicher stimmt es, dass der Bildungserfolg nicht alleine von den Investitionen abhängt, und dass Berlin unglaubliche Defizite bei der richtigen Investitionsfindung und -strategie hat.

    Allerdings ist die Statistik nur zur Hälfte wahr, denn etliche Gelder gehen an die Universitäten und da einiges auch in die Forschung, kommt also dem durchschnittlichen Schüler überhaupt nicht zugute. Und außerdem hat eine Stadt wie Berlin ohnehin von Haus aus einen höheren Investitonsbedarf als andere Bundesländer, da der hohe Anteil an Migranten und Kindern aus den so schön als “bildungsfernen Schicht” bezeichneten Familien enorm hoch ist. Um diese zu integrieren bedarf es, oder besser: bedürfte es einiger Anstrengungen, die aber bedauerlicherweise kaum oder gar nicht geleistet werden.

    Und die Parolen aus Potsdam werden wohl deswegen auch Berlin irgendwann erreichen – – dann natürlich zu spät. Denn auch in meinen Augen ist es kaum einzusehen, warum man 800 Millionen für ein Stadtschloss ausgeben muss, wenn sich eine wesentlich elegantere Alternative deutlich günstiger finanzieren ließe. Genauso wie übrigens die umstrittene Autobahn A100 mehr als 400 Mio. Euro kosten soll, weil man noch immer an Verkehrskonzepte aus längst vergangenen Zeiten glaubt, in denen die Autobahn das Allheilmittel für den Verkehrsinfarkt galt.

    Den Privatschulen stehe ich persönlich eher skeptisch gegenüber. Es dürfte für die meisten von ihnen trotz straffer Organisation mit ihren insgesamt deutlich geringeren finanziellen Mitteln deutlich schwieriger sein ein adäquates Bildungs- und Lernangebot zu bieten. Und ob der Staat private Schule subventionieren muss während gleichzeitig die staatlichen Einrichtungen zugrunde gehen ist zumindest diskutabel. Vor allem muss es eine strenge Kontrolle der Lerninhalte und
    -methoden geben, damit nicht irgendwann ein BMW-Gymnasium Schüler produziert die nicht mehr wissen wer Goethe ist, weil es für die freie Wirtschaft keine Rolle spielt.
    Positiv bleibt aber, dass eine gut funktionierende Privatschule auch ein Impulsgeber für die Umstrukturierung staatlicher Strukturen sein kann. Aber auch das interessiert ja meistens keinen. Das Festhalten an altbewährten Rezepten, die zwar meistens alt sind, sich aber nicht bewährt haben, hat eine lange Tradition und viele Verteidiger.

    Und die Frage, was Ausbildungsberuf sein sollte und was ein Studium voraussetzen sollte, sollte zumindest in einigen Bereichen noch einmal überdacht werden. Für einige Bereiche muss wohl doch ein obligatorisches Studium eingeführt werden. In anderen muss man die Ausbildung zumindest deutlich verändern.

    Insgesamt ein sehr schöner und interessanter Artikel.

    • Basedow1764 schreibt:

      Berlin hat laut Statistischem Bundesamt eine Migrantenquote/Migrantinnenquote von 24,3, Baden-Württemberg von 26,2. In Stuttgart haben 40% der Einwohner/-innen Migrationshintergund und 56% der Schüler/-innen. In Berlin 26% der Einwohner/-innen und 42% der Schüler/-innen.
      Gleichwohl hat Berlin spezifische Probleme, wie die Ballung von Migrant/-innen in einigen Stadtteilen und es hat, anders als B.-W., nicht das Lehrstellenangebot der vielen großindustriellen und mittelständischen Betriebe. Das wirkt in die Schule hinein, das weiß ich selbst aus den Betriebspraktika meiner Schüler/-innen: Die Kontakte zu den Betrieben während der Schulzeit, die Aussichten auf eine Lehrstelle motivieren (oder disziplinieren zumindest).

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