Graue Mäuse in der Schulbibliothek?

Für meine Bemerkung, die in Schulbibliotheken Engagierten seien die “grauen Mäuse der Leseförderung” erntete ich Unverständnis. (Es geschah in Vor-SocialMedia-Zeiten. Gift und Galle spuckende Blogger/-innen gab es wenigstens noch nicht.) Gemeint war: Wenn es irgendwo eine Leseförderaktion mit Promis gibt, wird der rote Teppich ausgerollt, Scheinwerfer brennen gleißendhell und wohlwollende Medienkommentare über vorbildlich agierende Promis folgen. Die, die tagaus, tagein in Schulbibliotheken das Lesen fördern, bleiben meist unbeachtet.

Das fällt mir ein, weil ich gerade wieder einmal von einem Menschen, der sich, nicht ohne Einfluss, mit Schule und Bildung beschäftigt, diesen Satz gehört habe: “Ich bin ja oft in Schulen, aber noch nie hat mir jemand davon erzählt, dass es Probleme bei den Schulbibliotheken gäbe.”

Da sind sie wieder, die grauen Mäuse. So ist es doch vielfach. Der Minister kommt zur Visite, der Schulleiter schaut beim Bürgermeister vorbei, die Industrie- und Handelskammer vermittelt Patenfirmen, der Arbeitgeberverband schickt Coaches in die Schulleitungen. Wird bei solchen Begegnungen über die Schulbibliothek geredet? Doch eher über den Turnhallenneubau, fehlende Musikinstrumente, die Kletterwand, die Schulhofverschönerung (in Berlin: über sanierungsbedürftige Schultoiletten). Aber über die Schulbibliothek? Es mag sein, dass das in den letzten Jahren ein wenig besser wurde. Natürlich gab es schon immer einen Scheck vom Förderverein oder der Sparkasse.

Die zahlreichen Schulbibliotheksbauten, die in Hessen im Zuge der Verwendung der Ganztagsmittel des Bundes gebaut wurden, verdanken sich keineswegs mehrheitlich dem leidenschaftlichen Einsatz örtlicher Schulleitungen oder Elternbeiräte.

Die Lufthansa verfährt bei überfüllten Flügen, bei Chaos am Check-In-Schalter nach der Devise: “Die lautesten Schreier schnell abfertigen, damit sie weg sind!” Mag dieser Vergleich auch als unpassend empfunden werden. Aber ein Körnchen Wahrheit steckt doch wohl drin. Wer sich nicht zu Wort meldet, wird übersehen.

Ich will die für Schulbibliothek Verantwortlichen motivieren, sich für die Bibliothek/Mediothek einzusetzen, beim Schulleiter, in den Schulgremien, in der lokalen Öffentlichkeit, bei der Schulverwaltung.

Eine der amerikanischen Schulbibliothekarinnen, die bei der Berliner AG der Schulbibliotheken zu Gast waren, sagte, ihre Haupttätigkeit sei PR für die Bibliothek.

Ich habe jahrelang dem Schuldezernenten meines Landkreises Vorschläge zum Thema gemacht, immer wieder in den Medien für Berichte zu Schulbibliotheken gesorgt. Mit scheinbar wenig Erfolg. Viele Jahre später wird mir berichtet, dass der Dezernent als Bewerber um den Landratsposten im Wahlkampf auch von den Schulbibliotheken spricht!

Vielleicht gibt es mehr solcher Erfahrungen zu berichten. Es macht doch Mut.

Siehe auch

Über Basedow1764

Die älteste Forderung nach Schulbibliotheken ist bei dem Schulreformer Johann Bernhard Basedow (1724 - 1790) zu finden. Daher der Name dieses Weblogs.
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