Zur Klärung dieser Frage wurde jetzt ein Forschungsinstitut gegründet. Das wurde aber auch Zeit. Erste Erkenntnisse liegen vor.
Ich habe mich mit dieser Frage als Lehrer und Lehrerausbilder auch immer auseinander gesetzt. Gerne erinnere ich mich an zwei Schulaufsichtsbeamte, die wussten, was gute Lehrer ausmachen sollte, sie während der Ausbildungsphase erkannten und die als Schulaufsichtsbeamte auch noch die Gestaltungsmacht hatten, den einen oder anderen an die richtige Schule zu bringen. (An den sieben in Frage kommenden Stellen in diesem Satz habe ich der besseren Lesbarkeit auf die weibliche Form verzichtet.)
Gute Schulräte sind heute dem Algorithmus der Software im Zentralrechner des Kultusministeriums genauso unterworfen wie gute Schulleiter und gute Lehrer.
Was man in diesem Zusammenhang lesen könnte:
Richard Sennett, Die Kultur des neuen Kapitalismus (insbes. der Abschnitt “Die Architektur der Institutionen”).
Was dort über die neuen flexiblen Organisationsformen im Management und ihre Folgen für die Menschen und die Kommunikation gesagt wird, gilt auch für Schulämter.
Andres Gruschka, Verstehen lehren, ist eine sarkastische Abrechnung mit den neuen technokratischen Strategien.
Er entzaubert die Vokabeln Standard, Kompetenz, Evaluation, Ranking. Mit der Suche nach Bildung und gutem Unterricht hätte das wenig zu tun (S. u. a. die Matrix von Klieme u.a. auf S. 56). Er zeigt am Beispiel der Fremdsprachenkompetenz und der Kompetenzbereiche im Fach Deutsch: Wenn man diese operationalisiert, landet man bei Lernzielen, wie sie seit Jahrzehnten in den “alten” Lehrplänen stehen: Gesprächsregeln einhalten, gezielte Fragen stellen, sich konstruktiv an einem Gespräch beteiligen.
So wie bei Sennett deutlich wird, dass der “gute Schulrat” nur Sand im Getriebe einer betriebswirtschaftlich optimierten Schulaufsicht wäre, wird bei Gruschka deutlich, dass der “gute Lehrer” beim jetzt nötigen “Teaching to the test” gar nicht gebraucht wird.
Ein lustiger Titel, aber mit ernsten Erzählungen, Briefen, Gedichten von Lehrern und Schülern über Schule: “Plötzlich brach der Schulrat in Tränen aus” hrsg. von Ulrich Zimmermann und Christine Eigel. Auch hier geht es letztlich immer um den guten Lehrer.


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