Wer plagiiert, wird exmatrikuliert

Studenten, die in ihren Arbeiten täuschen, werden exmatrikuliert und können sogar mit Bußgeldern belegt werden. Nicht geregelt sind Sanktionen bei Professoren und Bundesverteidigungsministern.

Gestern hat irgendwo im TV eine Professorin darauf hingewiesen, dass 1200 Fußnoten eher auf einen Literaturbericht und nicht auf die eigenständige wissenschaftliche Leistung schließen lassen, die die Promotionsordnungen verlangen. Ich schlage vor einfach einmal fragen, welche neuen Erkenntnisse die Dissertation des Freiherrn gebracht hat.

Da die Promotion bei Politiker/-innen eine Sache des Reputationsmanagements ist, schaut man traditionell nicht so genau auf die Promotionsordnung. F. J. Strauß, der einen missliebigen Gesprächspartner  einmal fragte, ob er überhaupt Abitur hätte, wurde zum notorischen “Dr. inns.” an der Universität Innsbruck promoviert, mit einer Arbeit zum Jagdrecht, Helmut Kohl anderswo über die Entstehungszeit der CDU (47 Seiten. incl. Literaturverzeichnis). Letzterer sorgte dafür, dass seine Dissertation nicht mehr auffindbar war, als er Bundeskanzler wurde.

Die Diss. v. Karl Theodor Frh. von und zu Guttenberg als Graphik, Seiten mit Plagiaten in rot.

Update 22.2.11.: Zu Guttenberg verzichtet dauerhaft auf den Doktortitel. Er habe “Blödsinn geschrieben” und entschuldigt sich “von Herzen”, bei denen, die er womöglich durch fehlende Quellenangabe verletzt habe.

Damit wird wohl auch die feinsinnige Unterscheidung hinfällig, die ein Prof. Dr. -Ing in einem Leserbrief an die FAZ (Mo., 21.2.11, p 28) vorgeschlagen hat: Es sei in Dissertationen üblich, sich mit dem Stand der Wissenschaft auseinanderzusetzen, und dazu wäre es erforderlich, ja zwingend, seitenweise aus anderen Quellen zu “quotieren”. Quellenangaben für solche verwendeten Textbausteine wären üblich, aber nicht zwingend erforderlich, besonders dann nicht, wenn sie “mehr erläuternder Natur” wären. Ein Plagiat läge erst vor, wenn ein “relevanter fremder Beitrag als eigene wissenschaftliche Leistung” ausgegeben würde.

Diese Unterscheidung wäre die Lösung für das angebliche Copy-paste-Problem an den Schulen! Im Unterricht geht es i. d. R. darum, etwas zu referieren, etwas zu erläutern, was andere ge- oder erfunden haben. Es wird “quotiert”, niemand hat die Absicht zu plagiieren.

Leid tun mir die anderen Doktoranden der Uni Bayreuth und ich werde mit Interesse verfolgen, wie sich der Fall Guttenberg auf die schulische Copy-and-paste-Kultur auswirkt. Was sagen die jubelnden Kelkheimer ihren Kindern? “Nicht erwischen lassen!” oder sich “von Herzen” entschuldigen?

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