Die Schulbibliothek wird zur Lernwerkstatt

Schulbibliotheken als Lernräume werden zum Thema. Das ist gut so. Gewinnen sie dadurch doch an Bedeutung für die Schule, vor allem für die Reform der Schule.

Siehe dazu auch frühere Beiträge, hier, hier und hier!

Die beste Schulbibliothek ist dann nicht mehr die nach IFLA-Standards, die mit mindestens 5 oder 10000 Medieneinheiten oder die Zweigstelle der Stadtbibliothek in der Schule.

Die Schulbibliothek, das ist ihr wichtigstes Merkmal, wird Teil eines größeren Ganzen, einer pädagogischen Werkstatt.

Wer Basedow1764 kennt, weiß, dass jetzt eine historische Reminiszenz kommt. Hier ist sie: Wir haben in Hessen als Junglehrer/innen einige Berufsjahre dafür verwendet, die Förderstufe attraktiv zu machen, die Verlängerung der gemeinsamen Schulzeit in Klasse 5 und 6, bei gleichzeitiger differenzierter Organisation dieser Jahrgangsstufe. (Das blieb schulpolitisch eine Episode.)

Es gab damals Jahrgangsebenen, d. h. jeweils zwei 5. und 6. Klassen bekamen gegenüberliegende Klassenräume und der Platz dazwischen, fast so groß wie ein Klassenraum, wurde „möbliert“, so dass er als Lern- und Aufenthaltsraum genutzt werden konnte. (So weit der Brandschutz das erlaubte.)

30 Jahre später erfahre ich, was daraus werden kann, wenn Architekten, Schulleitung und Kollegium darüber gründlich nachdenken, ein Konzept entwickeln und das realisieren. Die Grundschule, in der das gelungen ist, steht in Welsberg/Südtirol. Mit Erlaubnis des Schulleiters, Herrn Josef Watschinger, darf ich ein paar Fotos zeigen. Eine Dokumentation wird von Schule und Architekten demnächst ins Internet gestellt.

Architekt Klaus Hellweger sagt: „Qualität entsteht dann,

  • wenn die Architektur das pädagogische Konzept der Schule spiegelt,
  • wenn die Räume und deren Gestaltung die Umsetzung der pädagogischen Philosophie unterstützen und
  • wenn die Räume und Raumgefüge vielfältig bespielbar sind und eine Weiterentwicklung von Schule zulassen.”

Die „Zwischenräume“ zwischen den Klassen sind zum „Herz“ der Schule geworden. Es sind Lernwerkstätten: Jede verfügt über eine interaktive (mobile) Tafel. Die Bibliothek ist in die Lernwerkstätten integriert. Es gibt Lesenischen mit Büchern zum Schmökern. Die Lernwerkstätten haben den Charakter eines Wohnraums. Die Klassenräume und die Lernwerkstätten sind mit flexiblem Mobiliar ausgestattet.

Sicher lassen sich Einwände finden. Den Brandschutz habe ich schon erwähnt. In einer kleinen Schule geht es eher als in einer großen. Wie viele Lernwerkstätten müssen es sein?

Nun, in fortgeschrittenen Grundschulen ist jeder Klassenraum eine Lernwerkstatt. Das hängt aber vom Engagement der jeweiligen Klassenlehrerin ab. Wenn es dagegen wie in Welsberg zu einem pädagogischen Raumkonzept kommt, muss nicht jede einzelne Lehrerin allein versuchen, in ihrem viereckigen Klassenraum eine Lernatmosphäre zu schaffen.

Wer in neuere Waldorf-Schulgebäude geht, sieht, dass es dort so etwas wie eine Piazza gibt, um die herum alle wichtigen Räume angeordnet sind.

Welsberg-Raumpläne und Fotos

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