Ich wollte keinen Bücherbus, sondern einen Truck.
1994 durfte ich ihn bauen. Nach dem Scheitern der Pläne für schulbibliothekarische Arbeitsstellen in jedem Landkreis war der Truck ein Rettungsversuch. Eine mobile Beratungs- und Fortbildungseinrichtung für Schulbibliotheken und Leseförderung, das „Lesemobil“. Ich kannte den niedersächsischen Lesebus und hielt dessen Raumaufteilung für wenig originell und untauglich für Fortbildung. Ein Sattelschlepper mit ausfahrbarer Kabine als Seminarraum sollte es sein und eine zünftige Zugmaschine. Wenn die auf den Schulhof führe, würden alle Schülerinnen und Schüler zu Leserinnen und Lesern.
Aber es waren „Kröten“ zu schlucken: Wir mussten das Fahrzeug mit den Theater-, Musik-, Kunstpädagogen und den Videofilmern teilen. Außerdem reichte das Geld nicht für einen klassischen US-Truck a la Mack, Freightliner oder Kenworth. Es wurde ein untermotorisierter MAN-Sattelschlepper, der die mobile Theaterbühne, das Beleuchtungsset und die Videokoffer mit Mühe über die Hügel des Hintertaunus zog. Das Handy für den Fahrer und den Windabweiser auf dem Kabinendach musste ich wieder abbestellen, das Ministerium sparte an jeder Ecke.
Das Fahrzeug, Kulturmobil genannt, fährt die Schulen noch heute an und bietet Fortbildung in den genannten künstlerischen Bereichen. Die „grauen Mäuse“ des Schulbibliothekswesens sind schon lange nicht mehr dabei. Sie erfüllten die Quoten nicht. Zu ihren Veranstaltungen kamen 5 oder 7 Lehrer/innen, zu den Musik- oder Theaterkursen 18 oder 25. Das Wort Schulbibliothek auf der Außenhaut wurde überpinselt.
Ich erinnere mich daran, weil ich gerade Fotos von einem digitalen Büchertruck der Bibliothek von Charlotte und Mecklenburg County, NC, USA, sehe. 
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