2009/09/07...9:37

Keine DDR-Aufarbeitung mehr, sagt die SPD Brandenburgs

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Eine Wahlkundgebung muss man einmal miterlebt haben. Zumal hinterher Klaus Doldinger und Passport auftreten sollen. Abends im Fernsehen sieht man dann mit Staunen, welche tollen Bilder die Kameras produzieren.

Jemand drückt mir das SPD-Wahlprogramm in die Hand, als Dreingabe ein tiefrotes T-Shirt mit Steinmeier und Platzeck, dem berühmten SDS-Plakat „Alle reden vom Wetter …“ nachempfunden.

Erst wollte ich das „Regierungsprogamm 2009 – 2014″ gar nicht lesen. Um die Wartezeit auf Steinmeier zu überbrücken, tat ich es dann. Was mich schließlich interessiert, ist der Umgang mit der DDR.

Die baden-württembergische Landesregierung hat gerade eine neue Internet-Website dazu für die Schulen geöffnet.  Die brandenburgische SPD hatte im letzten Herbst im Landtag dem Vorschlag, den Schulen im Jahre 2009 ein Materialpaket zur Verfügung zu stellen, abgelehnt.

Die Brandenburger Schüler/innen hatten bei der Schroeder-Untersuchung schlecht abgeschnitten. Zwar wurde Prof. Schroeder ins Bildungsministerium zu einer offenen Diskussion eingeladen. Für die Öffentlichkeit gab es aber in der Staatskanzlei eine Veranstaltung, in der Prof. Borries die Untersuchung von Prof Schroeder auseinandernehmen durfte. (Dass Schroeder im Ergebnis letztlich recht hat, sagte er damals nicht, das sagte er erst später in einer Fachzeitschrift.)

Was sagt die SPD nun in ihrem „Regierungsprogramm 2009 – 2014″ zu diesem Thema?

NICHTS!

Beim Durchsuchen des Heftchens stoße ich auf die Landeszentrale für politsche Bildung. Die hat immer wieder interessante Veranstaltungen zum Thema und stellt gute Materialien zur Verfügung. „Die Landeszentrale wird sich auf den Kampf gegen den Rechtsextremismus konzentrieren“ (p 25) steht im regierugnsprogramm der brandenburgischen SPD.

Sehen wir es dialektisch: Prof. Schroeder war aufgefallen, dass Jugendliche mit Neo-Nazi-Einstellungen in besonders hohem Maße die DDR positiv sehen.

Auf Klaus Doldinger habe ich verzichtet. (Die „Rechords“ – sic! – aus Potsdam im Vorprogramm waren auch nicht schlecht.)

Stattdessen im CDU-Wahlprogramm gesucht und gefunden:

„Die intensive Aufarbeitung der NS-Diktatur war und ist die unabdingbare Voraussetzung für die Entwicklung unserer Demokratie. Für die DDR ist eine solche Aufarbeitung nicht weniger wichtig, denn Werte wie Freiheit, Rechtstaatlichkeit und Toleranz gewinnen ihre Bedeutung nur in Abgrenzung zu beiden Diktaturen des 20. Jahrhunderts auf deutschem Boden. Die Aufarbeitung der DDR-Geschichte ist daher von großer Bedeutung, vor allem um den Schülern ein realistisches Bild zu vermitteln – ohne Verklärungen oder Verharmlosungen, aber auch ohne kollektive Schuldzuweisungen“ (p 26).

Es geht also doch.

Nachtrag 9.11.09: Nach seiner Entscheidung, mit den Sozialisten zu koalieren, hat MP Platzeck mehrfach mitgeteilt, es werde keine Verklärung der DDR stattfinden. Da nickte auch Frau Kaiser.

2 Kommentare

  • Jetzt wird auch klar, warum die Brandenburger SPD schon längere Zeit in Sachen DDR-Aufarbeitung herum eiert und einen Schlussstrich zieht: Der arme MP Platzeck muss eine rot-rote Koalition machen, nachdem Thüringen dafür ausfällt. Die linker gewordene Bundes-SPD braucht ein rot-rotes Bundesland.

    • In der Stadt Potsdam hat gerade die SPD-Fraktion den CDU-Antrag abgelehnt, den Platz der Einheit (der an die Vereinigung von KPD und SPD 1946 erinnert!) in Platz der Deutschen Einheit umzubenennen.
      Im Landtag hatte die SPD-Fraktion vor einem Jahre den CDU-Antrag abgelehnt den Schulen Bücher- und Medienkisten zur SED-Diktatur zur Verfügung zu stellen.
      Wenn der Ministerpräsident jetzt ständig beteuern muss, es gäbe auch weiterhin keine Verklärung der DDR, wird das von seiner Koaltionspartnerin unterstützt. Verklären wollen auch die Sozialisten. nicht. Nur sagen, wie es aus ihrer Sicht war.


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