In Nordrhein-Westfalen spricht die Bertelsmann-Stiftung in der Bildungspolitik ein Wort mit. Weniger vorsichtig ausgedrückt: Was in Gütersloh ausgedacht wird, setzt die Landesregierung um. So war das auch mit der Medienpartnerschaft „Bibliothek und Schule“. Wenigstens einen neuen Namen durfte das Land kreieren: „NRW-Bildungspartnerschaft Bibliothek und Schule“.
Entsprechend der Reihenfolge im Projektnamen ging es vor allem um eine Aufgabenverlagerung von der Schule in die öffentliche Bibliothek und deren Stärkung durch Haushaltsmittel aus dem Kultushaushalt. Schulträger erhielten die frohe Botschaft, dass sie die Schulbibliothek einsparen könnten. So las es sich in den Bertelsmann-Broschüren, so verkündeten es Schulbibliotheksexperten(!) auf Tagungen.
Jetzt legt der Landtag in Düsselsdorf ein Papier vor: „Das öffentliche Bibliothekswesen in NRW“ .
Darin geht es neben einer Bestandsaufnahme um die zukünftige Entwicklung. Die öffentlichen Bibliotheken sollen kundenorientierter werden, mit längeren Öffnungszeiten und mehr Service. Sie sollen Lernort für Erwachsene werden, mit Gruppenarbeitsräumen, individuellen, ungestörten Arbeits- und Leseplätzen u.a.m. Sie sollen für Erwachsene das werden, was gute Schulbibliotheken weltweit für Schüler/innen sind: Lern-, Kultur- und Kommunikationszentren.
Noch einmal wird bekräftigt, dass das Bildunspartnerschaftsprojekt ein voller Erfolg war: Es werde in 100 Kommunen „nachhaltig“ umgesetzt. Die Projektergebnisse seien bibliothekarisches Standardwissen (p 5).
Auf Seite 9 geht es wieder um Schule:
Die Ganztagsschule mache die „bibliothekarische Versorgung“ innerhalb der Schule immer wichtiger. Auch für die Gestaltung der freien Zeiten zwischen dem Unterricht sei eine Bibliothek in der Schule wichtig.
Es müssten also neue Formen der Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Bibliothek und Schulbibliothek(!) entwickelt werden.
Man kann wieder über Schulbibliotheken reden. Vielleicht wird sogar die Stiftung mit einem neuen Projekt (wieder) Vorkämpferin für Schulbibliotheken werden?
Lieber NRW-Landtagspräsident, schicke das Papier doch bitte an den hessischen dbv-Landesvorsitzenden und CDU-Landtagsabgeordneten Lenz. Uns hat er es ja nie geglaubt. Und auch an Ministerpräsident Platzeck in Brandenburg, der der Ansicht ist, Kooperationsverträge erübrigten ein Schulbibliothekswesen.



