Die nationalen Leistungstests haben es anscheinend nicht verhindert, dass britische Schüler/innen schlechter geworden sind. 20 % der 11jährigen erfüllen die Mindestanforderungen des Englischtests nicht. Die Matheleistungen sind trotz der investierten Riesensummen nicht nennenswert gestiegen. (Auch die Kommentare sind lesenswert!)
Lehrer und deren Interessenvertretungen haben schon immer auf die Tests geschimpft: Teaching to the test beherrsche den Schulalltag. In mock exams werde der kommende Test geübt. Das beherrsche den Lehrplan.
In Schottland werden die Tests nicht mehr durchgeführt, in Wales sind sie wohl schon aus den Gesetzen und Verordnungen gestrichen worden, in England werden sie zumindest eingeschränkt und teilweise durch schulinterne Bewertungen ersetzt.
Da die deutsche Bildungspolitik immer hinter den Angelsachsen herhinkt, müssen wir wohl noch eine Weile die Tests und zentralen Prüfungen optimieren.
Was machen unsere Bildungsjournalisten? Wieder eine Volte? Die „Zeit“ hatte jahrelang gegen die Gesamtschule vom Leder gezogen. Inzwischen reitet sie an der Spitze der Schulreform. In der „Zeit“ wurde gefeiert, dass englische Grundschulen dank der veröffentlichten Schulrankings von Jahr zu Jahr besser würden. Auch die „Zeit“ bläst schon zum Rückzug. Mal sehen, was Thomas Kerstan zur neuesten englischen Debatte schreibenwird. (Ich habe die regelmäßige Lektüre der „Zeit“ schon vor geraumer Zeit eingestellt. Die „FAS“ hat mehr lesenwerte Artikel und bildungpolitisch weiß ich, wo ich bei ihr dran bin.)
Ich werde nie vergessen, wie der hessische Ministerpräsident Koch einmal auf einer Bildungstagung seines Kultusministeriums intervenierte. Man wollte es besser machen als die vorher regierenden Sozialdemokraten und hatte mit einer hochkarätig besetzten Tagung eine neue Schulpolitik einläuten wollen: Outputsteuerung, Zentralabitur, Vergleichstests, Qualitätsrahmen usw. usw.
Und dann riet ausgerechnet der als Hauptredner eingeladene finnische Bildungsfachmann, zuerst Schule und Unterricht zu ändern und ganz am Schluss zu testen und die Testergebnisse mit jeder einzelnen Schule in Ruhe zu erörtern, anstatt sie gleich in die Zeitung zu stellen.
Da sprang der MP auf, eilte zum Pult und sagte: „Wir fangen mit den Tests an!“
Da Hessen sich bildungspolitisch gerne an Schottland orientiert, wird sich wohl bald was ändern.
Allerdings wurde bisher selektiv abgeschrieben: Aufgaben und Anforderungen aus schottischen Schulgesetzen finden sich in hessischen Erlassen. Die Abschnitte, in denen geregelt wurde, wer das bezahlt und welche Stabsstellen die Schulleitung dafür bekommt, wurden nicht übernommen.



