Wir sind mitten in der Sommerpause und es regnet gerade. Daher kann man weder auf der Wiese noch am Strand liegen. Vielleicht passt da eine leichte Lektüre.
Es sind wahre Begebenheiten aus Schulbibliotheken, aus der Beratungs- und Lobbyarbeit. Erzählt wird in der Ich-Form. Aber es sind verschiedene Erzähler, denen das Erzählte widerfahren ist. Hier die dritte Lieferung:
Location Schulbibliothek
Nachdem ganz ohne ihr Zutun eine Schulbibliothek eingerichtet wurde, wird die immer etwas überhebliche Fachschaftsleiterin Deutsch an dieser Schule aktiv. Sie dreht in der Bibliothek einen Videofilm mit einer Schülergruppe. Die Szene: Eine Schlägerei in der Bibliothek, umgestürzte Regale, auf dem Boden liegende Bücher.
Wo hätte sie ohne Bibliothek gedreht?
Schule und Bibliothek oder Schulbibliothek?
Zum Auftakt des millionenschweren Projekts „Schule und Bibliothek“ einer einflussreichen Stiftung findet in einer hessischen Stadt das erste Treffen von Lehrer/innen mit Mitarbeitern der städtischen Bibliothek statt. Ein Vertreter des Kultusministeriums ist eingeladen. In seinem Grußwort erwähnt er die Landesarbeitsgemeinschaft Schulbibliotheken in Hessen. Von ihr hören die in die Stadtbibliothek geschickten Kolleginnen und Kollegen aus den Schulen der Stadt zum ersten Mal. Sie wollen mehr wissen. Was machen die? Wie kann die LAG ihnen in der Schule helfen?
Der Jungmanager der Stiftung wird sichtlich ungehalten. Er will, dass man über sein Projekt „Schule und Bibliothek“ redet und nicht über Schulbibliotheken.
Kein Anschluss
Als ich einen Schulbibliothekslehrgang vorbereite, rufe ich im Sekretariat einer Schule an, in der es eine kombinierte Stadtteil- und Schulbibliothek gibt. Ich bitte die Sekretärin, mich mit der Bibliothek zu verbinden. „Ich kann Sie nicht durchstellen“, sagt die Sekretärin, „das ist keine Nebenstelle von uns.“ „ Dann geben Sie mir die Amtsnummer der Bibliothek!“ „Die hab ich nicht. Rufen Sie am besten die Stadtverwaltung an und lassen sich weiterverbinden.“



