2009/07/20...1:58

Es ist nicht alles schlecht im Kapitalismus oder Tabuthemen der ostdeutschen Gesellschaft

Zu den Kommentaren

Nach Beendigung der Arbeit an der Medienkiste „Ampelmännchen“ setze ich mich nicht mehr so intensiv mit der DDR-Geschichte auseinander. Sie ist für mich auf dem Weg zur „Fußnote der deutschen Geschichte“, wie es Stefan Heym, der allerdings bedauernd, formuliert hat. Wenn man im KaDeWe einkaufen und am Kudamm essen gehen kann, lebt es sich in Ostberlin ja nicht schlecht.

Das beeinträchtigt keineswegs meinen Respekt und meine Bewunderung für Menschen, die in der Diktatur mutig waren, die in der Bundesrepublik angekommen sind, sich durchbeißen, Ideen realisieren, nicht nur die Schattenseiten des Kapitalismus bejammern.

Immer deutlicher sehe ich eine wesentliche Schwachstelle der DDR-„Aufarbeitung“ im Schweigen zu bestimmten Themen. Für die ostdeutsche Gesellschaft wird eine Homogenität vorgegaukelt, die es nie gab. Drei Erlebnisse dazu:

Eine Historikerin erzählt von einem Zeitzeugenprojekt: Mütter berichten der Forscherin, wie großartig die DDR-Schule war, wie solidarisch die Elternabende verliefen. Aber schon nach wenigen Minuten kommt Widerspruch: „Hast du vergessen, was passierte, als das und das angesprochen wurde?“

„Nein“, antwortet mir jemand, wenn ich nach der behaupteten hohen Qualität der sozialen Beziehungen frage, die besser als im heutigen „kalten“ Kapitalismus gewesen wäre. „Klar hat man dem Nachbarn etwas mitgebracht, wenn gerade eine Mangelware zu haben war.“ Aber man war sich immer bewusst, dass die Kinder sich in der Schule verplappern konnten, dass die Stasi mit am Tisch saß. Wenn das „Nett-Miteinander“ nachträglich so hoch gehängt wird, denkt man da auch an die zuvorkommenden Kellner, die hilfsbereiten Handwerker, die höflichen Vopos, die freundlichen Verkäuferinnen? Da bespitzelt der Vater den Sohn, die Ehefrau den Ehemann, der Bruder den Bruder.

„In der DDR war Angst dein Partner, der zum Leben dazu gehörte. Vorsicht mit dem, was man sagte, war bei allen Gesprächen geboten. Vorsicht und Misstrauen als Sozialverhalten, das war eine lebensnotwendige Fähigkeit in meiner alten Heimat.“

(Evelyn Senarclens de Grancy, Feuer unter den Füßen, p. 284)

Beim Nachwendetreffen mit Freundinnen und Klassenkameradinnen erzählt die mit Zuchthaus bestrafte Ausreiseantragstellerin ihre Geschichte lieber nicht, wenn es heißt: „Ja, wir Ostfrauen halten zusammen.“ Da könnten eine Zuchthausstory und traumatische Erfahrungen den Austausch angenehmer Erinnerungen stören.

Dass das Projekt der Überleitung der MfS-Mitarbeiter in die Marktwirtschaft, das Mielke im Oktober 1989 anstieß, im wesentlichen erfolgreich war, darüber redet man nicht. Die Mär vom bescheidenen Leben der Nomenklatura in Wandlitz feiert fröhliche Urstände, auch Bärbel Bohley erzählt sie. Dass die Nomenklatura damals wie heute bestens versorgt ist, fällt nur den SED-Opfern auf. Während die DDR-Zulage für „Opfer des Faschismus“ von 700 € (dynamisiert!) locker ausgezahlt wird, sogar an Honecker nach Chile überwiesen wurde, wird bei den SED-Opfern mit spitzem Bleistift gerechnet und nur bei wirtschaftlicher Bedürftigkeit gezahlt. ehemalige SED-Minister und Stasispitzel erhalten, sofern sie der Regierung de Maizière angehörten eine „Ehrenpension“ von bis zu 850€.

Der letzte SED-Vorsitzende ist Liebling der Talkshows und gibt die Themen vor: Nicht das Vermögen von SED und Massenorganisationen, sondern die 2% Vermögensanteile der Blockparteien.

Schon früh hat die verstorbene brandenburgische Sozialministerin Regine Hildebrandt gezeigt, wie man die Widersprüche und Unterschiede in der ostdeutschen Gesellschaft unter den Teppich kehrt: Durch Schüren von Ost-West-Ressentiments.

Im Stil Sellerings, Thierses und Schwans könnte man den Spieß umdrehen:

Es ist nicht alles schlecht im Kapitalismus.

Der Kapitalismus ist kein Unrechtssystem.

Ein Schuss Gier, ja, aber man muss auch die Errungenschaften sehen.

Den Kapitalismus nur aus der Opferperspektive zu schildern, verzerrt die Wahrnehmung.

Wir gehen mal wieder der „Systemfrage“ der Linken auf den Leim. Sie haben ihr System gerade krachend an die Wand gefahren.

1 Kommentar

  • Woher haben Sie eigentlich alle diese lustigen Erkenntnisse? Selbst ausgedacht? Soviel Unsinn kann ein Hirn allein doch gar nicht produzieren…
    …oder dem fundierten, sachlichen Bildblog ;-) entnommen?

    Merken Sie eigentlich gar nicht, wie lächerlich das alles ist? – oder ist es Absicht und damit perfide?!


Eine Antwort schreiben