Wieso heißt die Website der hessischen LAG Schulbibliotheken eigentlich “schulbibliotheken.de“?
Das ist eine lange Geschichte aus der guten, alten Zeit des frühen Internets, aber leider kein Schnee von gestern:
Die Digitalisierung in der LAG begann sehr früh. Das ist dem Engagement der Informatiker unter den Lehrern zu verdanken, vor allem dem Kollegen Rolf-Reiner Laasch.
Informatiker unter den Lehrern haben in den Schulen für den Anschluss ans Internetzeitalter gesorgt, lange bevor Bildungspolitik und Bildungsverwaltung sich des Themas angenommen hatten. Sie haben alte Rechner aus Firmenkellern aufgerüstet, an Wochenenden Computerräume verkabelt, Online-Dienste eingerichtet, die man noch nicht einfach anklicken konnte, sondern über einen Algorithmus erreichte oder auch nicht.
Mit der Lese-AG habe ich mich wegen der Verbindung zu einer Schule am Baikalsee und einem New Yorker Jugendbuchautor zuerst an meinem häuslichen Rechner getroffen, weil es in der Schule keinen Internetanschluss gab. Vom Elternbeirat wurde schließlich ein Compuserve-Account bezahlt. Als dann von „Schulen ans Netz“ Mitte der 90er ein nagelneuer Rechner kam, durften den unsere Informatiker nicht anschließen, sondern zwei Telekomtechniker. Warum haben wir bald gemerkt. Unser Compuserve-Account funktionierte nicht mehr. Nur über die Telekom kamen wir ins Netz. Diese sponserte ihren Account nur ein Jahr, dann mussten wir beim Landkreis begründet die Kostenübernahme beantragen.
Einen elektronischen Katalog hatte ich 1992 angelegt, 1997 kam die LAG-Homepage, 1998 die mailing list hids, 2004 gab es die ersten LITTERA-WebOPACs in Hessen. Vieles hätten wir in Hessen gar nicht gemacht, wenn die frühen Verwalter der deutschen Schulbibliotheksszene im Deutschen Bibliotheksinstitut aktiver gewesen wären. So haben wir z. B., weil es das kaum gab, Fortbildungslehrgänge angeboten und den Verwaltern der nationalen Ebene Kooperation vorgeschlagen. Ohne Echo. Jahre später wurden wir gefragt, warum keine hessischen Teilnehmer zu Schulbibliotheksseminaren von dbv/dbi kämen. (Als Referenten waren wir allerdings gefragt.) Weil die Themen für uns längst abgehakt waren!
Für´s Blättchen “schulbibliothek aktuell” (sba) durften wir liefern. Aber es gab auch immer wieder Hämisches über Hessen zu lesen, was bisweilen sogar das Kultusministerium erzürnte.
Wir hatten wegen einer mailing list angefragt. Ohne Echo. Dann machten wir eine, dann gab es zwei.
Wir hatten Mitte der 90er Jahre dem Büro, das übrigens auf Initiative eines hessischen Deutschdidaktikers, Prof. Doderer, entstanden war, vorgeschlagen, zusammen eine Bücher-Empfehlungsliste für Schulbibliotheken zu machen. Das Büro machte dann seine. Da wir nichts mehr von ihnen gehört hatten, wir gleichzeitig unsere.
Wir hatten damals schon sechs Jahre Fortbildungsveranstaltungen in der Lehrerfortbildung durchführen können und schlugen dem dbi vor, einmal etwas zusammen zu machen. Aber weder das staatliche Hessische Lehrerfortbildungsinstitut noch die LAG wurden darüber informiert, dass das dbi längst eine eigene Veranstaltung in Hessen plante.
Da es in der Schulbibliothekskommission (Damals hieß die noch so!) des dbi durchaus Interesse an der hessischen Entwicklung gab, luden wir sie ein, organisierten einen Tagungsraum und sogar eine Einladung zu einer Weinprobe mit dem Kultusminister. Hinterher erzählte mir ein Ministerialbeamter pikiert, ein Mitglied der Kommission habe beim Minister angerufen und gebeten, einen Vertreter des öB-Dezernats des Wissenschaftsministeriums zur geselligen Weinprobe hinzuzuziehen.
Ähnlich wie bei den genannten Vorfällen lief es mit der Homepage. Wenn die Verwalter nicht fünf Jahre verschlafen hätten, hätten wir nie die Website aufgebaut.
Für das Stichwort „Schulbibliothek“ gab es damals bei Altavista eine sehr übersichtliche Zahl von Treffern. Vorneweg jahrelang die Website einer „Türmli-Schule“ in der Schweiz. Wir hielten eine Schulbibliotheks-Info-Seite für dringlich. Eine Kommunikation per Infobriefe und Rundschreiben aufbauen wollten wir nicht. Das Ganze alleine stemmen wollten und konnten wir aber auch nicht. Das war doch ein Thema für das ganze Land und damit für das nationale Schulbibliotheksbüro! Wir drängten das Büro nahezu, mit uns gemeinsam eine Informationsseite zu machen. Wie so oft, gab es keine Reaktion.
Die LAG nannte ihre Website, deren Start sie noch einige Monate hinausgezögert hatte, schulbibliotheken.de. Noch immer bestand die Hoffnung auf eine Kooperation. Wir Hessen, denen man gerne eine gewisse Tumbheit nachsagt, glaubten immer noch, einen offenen, freundschaftlichen Kontakt zu haben.
Sechs Jahre nach schulbibliotheken.de startete die dbv-Seite „schulmediothek.de“.
Im Vorfeld erreichte uns auf Umwegen der Vorwurf, wir würden die Domain schulbibliotheken.de blockieren und sollten sie herausgeben. Wir wären noch nicht einmal abgeneigt gewesen, auch wenn wir uns über eine richtige Anfrage oder Bitte mehr gefreut hätten. Genauso informell gaben wir über Dritte zurück, darüber könne man reden, aber nach mehrjährigen(!) Ankündigungen in der Presse hätten wir gerne mehr über die geplante Website erfahren. Im dbv-Netzwerk gab es einen Text, in dem Anforderungen an eine solche Seite zusammengetragen worden waren, natürlich ohne Erwähnung der schon bestehenden hessischen. Es gab weder offiziell noch gerüchteweise eine Reaktion. Schließlich verloren wir die Lust und ließen – natürlich ebenfalls informell – verlauten, dass wir die Domain nur gegen Bares hergäben.
Inzwischen gelingt schulmediothek.de die Verlinkung zur LAG und wir machen es umgekehrt. Wir sind ja froh, dass es eine solche Informationsseite mit fundierten bibliotheksfachlichen Informationen gibt und nicht die LAG die Beratung für ganz Deutschland leisten muss. (Viele Jahre hatte die Stiftung Lesen alle Anfragen zu Schulbibliotheken an uns weitergeleitet.)
Wenn ich schon dabei bin:
Nicht ganz glücklich erscheint mir die Favoritenrolle der ekz auf schulmediothek.de. Aber die sitzt ja auch in der Expertengruppe Bibliothek und Schule des dbv, die sich auch für Schulbibliotheken zuständig sieht.
Im bibliotheksfachlichen Netzwerk wird ständig ein Projekt (IMeNS) lobend erwähnt, in dem versucht wird, die Software “bibliothekca” der Fa. Bond in Hessen als Standard einzuführen. Die landesweit eingeführte Schulbibliothekssoftware LITTERA (1400 von 2100 Schulen) gilt in bibliothekarischen Kreisen nicht so viel. Und bei IMeNS werden die Schulen vorrangig unterstützt, die von LITTERA zu bibliotheca wechseln.
Wir hatten eine Kommission zustande gebracht, die für jeden Landkreis mit insgesamt ca. 70 bibliotheksfachlichen Arbeitsplätzen vorschlug, eine sba vorschlug, nach dem Vorbild der Frankfurter schulbibliothekarischen Arbeitsstelle.
Wir haben einen der ersten Schulbibliothekstage in Kooperation mit der sba Frankfurt gemacht, sba-Mitarbeiterinnen sind seit Jahren Referentinnen auf den hessischen Schulbibliothekstagen.
Mangelnden Kooperationswillen kann man uns wirklich nicht nachsagen. Aber es scheint, dass die gar nicht erwünscht ist.
Schulbibliothekstage, die ohne Plazet des dbv stattfinden, wie der in Brandenburg und in Schleswig-Holstein, werden auf der dbv-Website schulmediothek.de nicht angekündigt. Der 1. bayerische, weil ein korrekter, nämlich mit dbv und ekz im Logo, wird demnächst deutschlandweit als Großtat bejubelt werden.
Nachtrag Juli 2009: Die Schulbibliothekstage in Schleswig- Holstein und Berlin-Brandenburg werden inzwischen auf schulmediothek.de angekündigt.
Es ist schade, dass das Pflänzchen “Schulbibliothek”, das in Deutschland ja ein Mauerblümchen ist, Exerzierfeld für verbandspolitische Egoismen und damit zusammenhängende kommerzielle Interessen ist.
Man kann die ganze Geschichte auch kurz erzählen: Es hat sich seit damals nicht viel geändert. Der dbv werde sich öffnen und Kontakte aufnehmen, „soweit dazu ein Bedürfnis“ bestehe. Das hatte mir ein dbv-Schulbibliotheksexperte 1994 gesagt. Das Bedürfnis bestand nie. Es ist schade, dass die dbv-Funktionäre Probleme damit haben, wenn sich “Unbefugte” beim Thema Schulbibliotheken einmischen! Wir bekamen das vom ersten Tag an zu spüren, es hält bis heute an. Zum Glück sind neue gute Kontakte in die bibliothekarische Szene entstanden.
Nachtrag Februar 2012: Ich habe einige kleinere redaktionelle Überarbeitungen vorgenommen. Wem der Beitrag unhöflich und undiplomatisch vorkommen mag: Basedow1764 ist in erheblichem Umfang für mich selbst Archiv und Tagebuch.
In der Sache war es eine bemerkenswerte Erfahrung, wie Engagement und Begeisterung ignoriert und sogar mit Aggression bedacht wurden.


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Zeichen und Wunder…
Beide Termine finden sich jetzt auf http://www.schulmediothek.de – über die Art der Darstellung und die verwirrende Verlinkung schweigt des Sängers Höflichkeit, denn wenn eine Hand ausgestreckt wird, sollte man sie ergreifen und nicht drauf schlagen
Zu 1. Es ist wohl nur eine kleine Nachlässigkeit, aber in der Kommission sitzen hoffentlich nur natürliche Personen und keine juristischen – egal ob Gast oder Mitglied… Man stelle sich vor, da müsste ein Kommissionsmitglied gehen, nur weil es den Arbeitgeber wechselt… Hygiene beginnt im Kopf
Im Übrigen gehe ich davon aus, dass sich dies als Umkehrschluß aus § 18 Ziff.2 der dbv Satzung ergibt, der die Zusammenarbeit der Kommissionen mit Institutionen regelt..
Zu 2. Herrn Schlamps Kritik bezog sich nur und ausschließlich auf die Seite http://www.schulmediothek.de – nicht auf die Seite des dbv. Ihre Richtigstellung setzt also dort an, wo gar kein Vorwurf ist. Und seine Kritik ist im Hinblick auf die fehlenden Eintragungen bislang bedauerlicherweise richtig.
Zwei Richtigstellungen:
1. die ekz sitzt nicht in der dbv-Expertengruppe Bibliothek und Schule, auch nicht in der ab 1.7.2009 neu eingesetzten dbv-Kommission Bibliothek und Schule, sondern hat dort einen Gaststatus.
2. Der Termin des 1. Brandenburger Schulbibliothekstag wurde im Terminkalender des dbv angekündigt. Der Termin des 19. Hessischen Schulbibliothekstag wurde im Terminkalender des dbv angekündigt. Die 2. Fachtagung Schule- Bibliothek – Schulbibliothek in Erfurt wurde im Terminkalender des dbv angekündigt….im Terminkalender des dbv werden – soweit bekannt – Termine aufgenommen, die für dbv-Mitglieder von Interesse sind.
Sie sind einfach unbelehrbar… immer wider den Stachel löcken…
http://basedow1764.wordpress.com/2008/10/02/dbv-stort-sich-am-brandenburgischen-schulbibliothekstag/