Die Bildungsinitiative Teach First Deutschland will hoch qualifizierte Studentinnen und Studenten für einen zweijährigen Einsatz in Brennpunktschulen gewinnen. Die Bundesländer Berlin, Hamburg und NRW zahlen in dieser Zeit deren Gehalt von 1700 € brutto. Die sogenannten Fellows (diese Initiative hat ihr Vorbild in USA und UK) lernen in sechs Wochen, wie man Unterricht plant, hält und auswertet.
Vorbildliches Engagement, denke ich. Der Schule geht es ja wie der Fußball-Bundesliga. Jeder redet mit und weiß, wie es besser ginge. Da schadete es nicht, wenn die zukünftige Businesselite mal genauer hinsähe.
Für zukünftige Manager/innen ist es auch karrierefördernd, wenn sie nachweisen können, dass sie soziales Engagement besitzen und mit schwierigen Schüler/innen umgehen können.
In den USA werden solche Fellows regulär in Schulen eingesetzt, um unbesetzte Lehrerstellen abzudecken. Erste Studien bescheinigen Schülern bei diesen Studenten bessere Lernerfolge als bei langjährig praktizierenden Lehrern. (Ich verkneife mir eine Anmerkung.)
Getragen wird die Initiative von Lufthansa, Deutscher Post und Vodaphone. Die jungen Mitarbeiter/innen der Geschäftsführung verkörpern selbst schon die anvisierte Führungselite: Globale Ausbildung und Praxis, überwiegend in den Bereichen Kommunikation, Marketing und Unternehmensberatung.
Der Schnellkurs im Unterrichten (6 Wochen) ist wohl nötig, peinlich wäre es, wenn sich herausstellte, dass das effizienter ist als ein mehrjähriges Studium. (Obwohl, bei der gegenwärtig praktizerten Modularisierung an den Universitäten wird auch nicht viel mehr Zeit für Unterrichtplanung usw. aufgewendet.)
Was mich aber noch mehr stutzen lässt, ist diese Aussage im Programm:
„Im zweiten Jahr erfolgt in enger Kooperation mit den Partnerunternehmen ein arbeitsbegleitendes Coaching- und Weiterbildungsprogramm. Das Programm soll die Fellows gezielt auf Führungsaufgaben im Bildungssektor und in anderen Bereichen vorbereiten.“
In meiner Zeit als Lehrerausbilder habe ich mich oft geärgert über die auch von der GEW vertretene Auffassung, die Lehrerausbildung sei zu eindimensional auf Schule ausgerichtet, man müsse Lehrer/innen von Anfang so ausbilden, dass sie auch außerhalb von Schule Berufschancen hätten. Ich wünschte mir damals im Gegenteil eine intensivere Vorbereitung meiner Referendare auf den Einsatz in Schule und Unterricht.
Jetzt wird der Spieß gewissermaßen umgedreht. Dass man im Schnellkurs Lehrer werden kann, ist nicht neu. Jetzt braucht man die Lehrer auch nicht mehr als Führungskräfte in Schule und Schulverwaltung. Da kommen zukünftig in der Hertie School of Governance, bei der Bertelsmann-Stiftung und Roland Berger ausgebildete Kommunikations- und Marketingprofis mit Schulpraktikum in Frage. Ein Trost: Die Bezahlung von Grund- und Hauptschulrektoren dürfte für MBAs völlig unattraktiv sein. Aber 16 Schulministerien, ein Dutzend Institute, Hunderte Schul- und Oberschulämter brauchen Führungskräfte.
Der „Teaser“ (Werbefilm) für TeachFirst




1 Kommentar
2009/05/05 um 9:25
[...] Eine interessante Variante von Spitzenkräften in die Schule hier! [...]