Abiturquote ausländischer Schüler in Brandenburg am höchsten

Im Schuljahr 2003/04 haben in Brandenburg 44,8 % der ausländischen Jugendlichen das Abitur erlangt, bei den deutschen waren es 29,4%

(Die Abiturquote ausländischer Schülerinnen und Schüler in den Westländern liegt bei 8,9%!)

Diese Daten des brandenburgischen Landesbetriebs für Statistik müssten bei PISA-Astrologen für Begeisterung sorgen: Brandenburg als neues Mekka für erfolgreiche Beschulung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund? Was können wir von Brandenburg lernen? Die Abwesenheit von Leistung verachtenden Alt-68ern in den Lehrerzimmern? (Das vermutet PISA-Forscher Boos laut Super-Illu für PISA-Sieger Sachsen als eine Ursache!)

Es ist viel banaler:

Aus demographischen Gründen sind Klassenfrequenzen und Lehrer/Schülerrate günstiger als im Westen.

„Ausländerghettos” wie in Westdeutschland fehlen in Brandenburg.

In Brandenburg ist die Zusammensetzung der Schülerschaft mit Migrationshintergrund völlig anders als in den westlichen Bundesländern. Die  Westdeutschland prägenden Arbeitsmigranten fehlen fast völlig. Es sind überwiegend Kinder von jüdischen Kontingentflüchtlingen aus Russland (Dort stieg der Antisemitismus nach der russischen „Wende” an) und Kinder vietnamesischer Vertragsarbeiter (60000 gab es in der DDR, 20000 sind geblieben. Hinzu kommen polnische Schülerinnen und Schüler, die Brandenburger Schulen besuchen.

Die russischen Migranten sind meist gut ausgebildet, häufig Akademiker. Die vietnamesischen Kinder schneiden in jedem Land, in dem sie die Schule besuchen, gut ab, unabhängig vom Bildungsgrad der Eltern. (Wobei mich Günther Brée darauf aufmerksam macht, dass es nach seiner Erfahrung die vietnamesischen Kinder aus katholischen Familien sind, nicht aus buddhistischen, die in der Schule erfolgreich sind.)

Quelle: Karin Weiß, Ausländische Schüler in den neuen Bundesländern – eine Erfolgsstory, in: Georg Auernheimer (Hrsg.), Schieflagen im Bildungssystem. Die Benachteiligung der Migrantenkinder, Wiesbaden, 2. Aufl. 2006, pp.179 -192.

Vielleicht sollten Bildungsforscher einmal untersuchen, welche Programme Eltern helfen könnten, zum Schulerfolg ihrer Kinder beizutragen, anstatt Studien über die anhaltende Diskriminierung von Migrantenkindern in den Schulen anzufertigen.

 

Nebenbei: Man sollte übrigens die Schulbibliotheken nicht allzu eng mit PISA verkuppeln.

Wenn sich herumspricht, dass die (vermeintlichen; s.o.!) momentanen Siegerbundesländer Sachsen, Thüringen und Brandenburg kein überragendes Schulbibliothekswesen haben, sieht die Schulbibliothekslobby alt aus.

Es gibt genug andere Gründe für Wissens- und Informationszentren in Schulen.

Ein Gedanke zu “Abiturquote ausländischer Schüler in Brandenburg am höchsten

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