2008/11/28...5:27

Nashville, TN: Stadtbibliothek soll die Schulbibliotheken übernehmen

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In Nashville hat der Bürgermeister auf einer Pressekonferenz vorgeschlagen, dass die Stadtbibliothek sich um das Schulbibliothekssystem der Stadt kümmert (137 Schulen, 200 Angestellte).

Für den Bürgermeister ist Schule ein wichtiges Thema geworden, da die die Stadt zu wenig Fortschritte im nationalen „No Child Left Behind“-Programm macht. Außerdem könnte ein gemeinsamer Medieneinkauf für die Sekundarstufe Synergieeffekte bewirken. die Stadtbibliotheksdirektorin weist auch darauf hin, dass dadurch ein Zugang zu den OPACs der Stadtbibliothek und der Universitätsbibliotheken möglich wäre.

Erwartet wird außerdem, dass durch die Übernahme der Schulbibliotheken in die Regie der Statbibliothek die Schulbibliotheken nachmittags länger geöffnet bleiben und das außerschulische Angebot der Stadtbibliothek für Teenager auf alle Schulbibliotheken ausgeweitet wird.

Vertreter des städtischen school boards (Ein entsprechende Einrichtung gibt es in Deutschland nicht) begrüßen die Fusion, wenn sie eine Qualitätssteigerung für die Schulbibliotheken bringe und die Schulbibliotheken nachmittags zu soziokulturellen Zentren würden.

Sie hätten sich nur gewünscht, dass der Bürgermeister vor der Pressekonferenz auch einmal mit Ihnen darüber geredet hätte. Der Bericht auf der Internetseite des US-bibliotheksverbandes hier.

Egal, wie die Begleitumstände sind: Das hört sich anders an als die Kooperationsverträge des dbv mit einigen Kultusministern. Darin kommen Schulbibliotheken so gut wie nie vor.

2 Kommentare

  • Ich stimme Ihnen zu.

    Was mich bei der Entwicklung in Deutschland aber irritiert, ist, dass es den Strategen bibliothekarischer Verbände nicht mehr um die Schulbibliothek zu gehen scheint, sondern um eine „Bildungspartnerschaft“ zwischen öffentlicher Bibliothek und Schule.

    Die 10 – 15000 Schulbibliotheken sind nicht Gegenstand der Kooperationsverträge. Sie fallen heraus. Nach Auffassung der Repräsentanten öffentlicher Bibliotheken erfüllen sie bei Leitung und Ausstattung überwiegend keine bibliotheksfachlichen Kriterien. Eine Förderung oder Weiterentwicklung dieser Einrichtungen ist nicht erwünscht. Die öffentlichen Bibliotheken sollen deren Aufgaben (Lesetraining, Leseförderung, Medien- und Informationskompetenzerwerb) übernehmen.
    Das Ziel ist klar: Die Kultusminister sollen den öffentlichen Bibliotheken dafür Haushaltsmittel zur Verfügung stellen. Damit sind wir wieder bei den Kosten.

    Den Landesregierungen und Schulträgern sind Kooperationsverträge willkommen. Befreit es sie doch von lästigen Fragen nach der Schulbibliothek. Sie verweisen jetzt auf die Kooperationsverträge: Die Schulen sollen sich mit den Stadtbibliotheken ins Benehmen setzen. Der Staat und die Schulträger haben damit nichts zu tun.

    Somit geht die erste Stufe dieser Strategie auf: Bildungspartnerschaft statt Schulbibliothek.

    Bei der zweiten Stufe hapert´s schon: Geld haben die Kultusministerien für den Bildungspartner nicht. Die Rechnung der Strategen geht nicht auf.

    Was in Nashville passiert ist etwas völlig anderes. Anscheinend ist es dort klar, dass die Stadtbibliothek so ausgestattet ist oder wird, dass sie das Schulbibliothekswesen effizient weiter entwickeln und ausbauen kann.

  • Ist doch klar, warum Schulbibliotheken kaum vorkommen. Für diese braucht man erstens Räume, zweitens Personal und drittens Geld. Pardon – man braucht vor allem Geld für Personal und Räume und den Bestand, der ja dann auch immer aktuell gepflegt werden soll. Wir wissen ja: Kulturelle Einrichtungen sind ein freiwillige Leistung der Kommunen. Und wenn diese kein Geld haben, dann kommen Schulbibliotheken halt gar nicht vor…
    (Sehen wir mal davon ab, dass es in NRW noch nicht mal eine LAG gibt, die bei dem Thema aktiv ist. Insofern beneide ich Hessen und Rheinland-Pfalz ein wenig, die sind etwas fitter als wir in NRW in diesen Dingen. Leider.)
    Ad Astra


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