2008/07/04...4:44

Schulbibliotheken im Hessischen Landtag. Eine Blütenlese

Zu den Kommentaren

April 1999 bis April 2008 Siebel, SPD: … Sie (Wissenschaftsministerin Wagner; basedow1764) haben die Chance vertan, sich mit Frau Wolff zusammenzusetzen und Richtlinien für Schulbibliotheken zu entwerfen. 29.10.2002 Plenarsitzung:15/118 TOP-Nr.:2 TOP: Regierungserklärung der Hessischen Ministerin für Wissenschaft und Kunst betreffend “Kulturpolitik: Aufbruch in Hessen” Anmerkung: Eine Richtlinienkompetenz der Landesregierung gab es damals schon nicht mehr. Sie war auf Betreiben der kommunalen Gebietskörperschaften gestrichen worden.


Klär, SPD: Wie gedenkt die Landesregierung die Zukunft des Schulfernsehens zu regeln? Karin Wolff, Kultusministerin: Frau Kollegin Klär, die Frage des Schulfernsehens ist im Rahmen eines umfassenden Medienkonzepts zu klären, in dem auch die Programme des Berufsschulfernsehens und der Schulbibliotheken einerseits wie auch die Programme der Kreisbildstellen und der Medienkompetenzzentren andererseits einzubeziehen sind. Dieses Konzept wird in den nächsten Wochen beraten werden. 6.6.2001, Plenarsitzung 15/74, Regierungsbefragung Anmerkung 2008: Kennt jemand dieses Papier?


Habermann, SPD: Gebt die Mittel an die Schulen, lasst die Schule frei entscheiden, was sie mit diesen Mitteln macht – ob sie Vertretungskräfte einsetzen will, ob sie anderes Personal an den Schulen einsetzen will und beispielsweise eine medienpädagogische Ausstattung der Schulbibliothek erreichen möchte. 16.05.2006 Plenarsitzung:16/100 TOP-Nr.:44 Drs-Nr.:16/5544 TOP: 44. Antrag der Fraktion der Abg. Habermann, Hartmann, Quanz, Dr. Reuter, Riege, Ypsilanti (SPD) und Fraktion betreffend Unterrichtsgarantie plus zurückziehen


Walter, SPD: Denn bislang haben Sie Ganztagsschule verstanden als Vormittagsschule plus möglicherweise Mittagessen und dann am Nachmittag zwei Stunden unter Aufsicht in der Schulbibliothek. Das ist, ganz zurückhaltend gesagt, ein Etikettenschwindel, … Datum der Sitzung:23.04.2003 Plenarsitzung:16/2 TOP-Nr.:1 TOP: 1. Regierungserklärung des Ministerpräsidenten Koch betreffend “Verantwortung für heute – Visionen für morgen” Anmerkung: Die Schulbibliothek geriet zwischen die parteipolitischen Fronten, weil die CDU-Kultusministerin von der Opposition verdächtigt wurde, vorrangig Schulbibliotheken aus dem Ganztagsschulprogramm des Bundes zu fördern und die Mittel nicht in eine breiter angelegte Ganztagsschulförderung zu stecken.


Irmer, CDU: Zu den Vertretungsmitteln, die Sie eben mit Krokodilstränen angemahnt haben, liebe Frau Hinz: Wir haben das Fünffache für Vertretungsmittel zur Verfügung im Vergleich zu Ihrer Regierungszeit. Wir haben 5,6 Millionen Euro für neue Medien und die Einrichtung von Schulbibliotheken. (Sic lt. Protokoll; basedow1764) 27.11.2003 Plenarsitzung:16/22 TOP-Nr.:39 Drs-Nr.:16/913 TOP: 39 Beschlussempfehlung und Bericht des Kulturpolitischen Ausschusses zu dem Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN betreffend Landesservicestelle Schule – Jugendhilfe Anmerkung: Mit dem Betrag sind die Zuschüsse zu Bibliotheksneubauten in Ganztagsschulen gemeint.


Kölsch, CDU: Auch das bestätigt die IGLU-Ergänzungsstudie: Dies ist der richtige Weg, denn natürlich sind dort immer noch Defizite vorhanden…. Die Bedeutung des Lesens wird übrigens wieder deutlich herausgearbeitet. Besonders viele und gute Schulbibliotheken gibt es in Hessen. Auch das wurde hier bescheinigt. – So viel übrigens zu dem Thema Zuschuss des Bundes für Ganztags­schulen. Hier hat die Kultusministerin richtig gehandelt, indem sie in die Schulbibliotheken investiert hat. (Beifall bei Abgeordneten der CDU) Datum der Sitzung:29.01.2004 Plenarsitzung:16/28 TOP-Nr.:35 Drs-Nr.:16/1814 Antrag der Fraktion der CDU betreffend eine Aktuelle Stunde (IGLU-Studie: Unterrichtsgarantie und Anstrengungen für mehr Qualität an Hessens Schulen zeigen ersten Erfolg!)


Habermann, SPD: Zu regeln sein wird auch die Verteilung der Mittel aus dem Bundesprogramm “Zukunft, Bildung und Betreuung”, die allein in diesem Kalenderjahr 20,8 Millionen Euro betragen. Der ständige Verweis darauf, dass Sie die Einrichtung von Schulbibliotheken präferieren, ist sicherlich wenig hilfreich. (Beifall bei der SPD) Die Schulen brauchen vielfältige infrastrukturelle Investitions­maßnahmen wie neue Räume, Arbeitsräume, aber auch Möglichkeiten, ein Mittag­essen durchzuführen. Datum der Sitzung:06.05.2003 Plenarsitzung:16/3 TOP-Nr.:3 Drs-Nr.:16/36. Erste Lesung des Gesetzentwurfs der Fraktion der SPD für ein Gesetz zur Änderung des Hessischen Schulgesetzes.


Kölsch, CDU: Dazu gehört auch der Auf- und Ausbau von Schulbibliotheken. Die IGLU-Studie hat es gerade wieder eindrucksvoll bestätigt. Datum der Sitzung:19.02.2004 Plenarsitzung:16/31 TOP-Nr.:46 Drs-Nr.:16/1919. Antrag der Fraktion der SPD betreffend eine Aktuelle Stunde (Hessische Wirtschaft fragt: Wo bleiben die Ganztagsschulen?)


Gefunden mit Hilfe des Landtagsinformationssystems http://www.hessischer-landtag.de/index.cfm?rubrik=6 .

Nicht aufgeführt sind die mehrfachen Großen Anfragen zum Thema Schulbibliotheken, die i.d.R. von der LAG Schulbibliotheken angeregt wurden, und die Frage des Abg. Lenz, Vorsitzender des Deutschen Biliotheksverbandes, Landesverband Hessen, ob denn Bibliotheksbesuche von Schulklassen in den Lehrplänen stünden.

Nachtrag 2009:

Neue Fragen des Abgeordneten Lenz:

“Wie gestalten sich derzeit die administrativen Zuständigkeiten für Schulbibliotheken und Leseförde­rung in Hessen?”

Mein Antwortvorschlag:

Seit 1947 unverändert: Keine Zuständigkeit des Hauses. Keine Initiative des Landtages bekannt, dies zu ändern.

“Welche außergewöhnlichen Projekte im Bereich Kooperation zwischen Öffentlichen Bibliotheken und Schulen gibt es darüber hinaus? Kann bspw. das IMeNS-Modell des Lahn-Dill-Kreises auf an­dere Land­kreise übertragen werden?

Mein Antwortvorschlag:

Die Beantwortung fällt nicht in die Zuständigkeit des Hauses.

Das Ministerium merkt aber bei aller gebotener Zurückhaltung, da es die Zuständigkeit der Schulträger tangiert, an: IMeNS ist im Vergleich zu den Aufwendungen für LITTERA sehr teuer. Ein größerer pädagogischer Nutzen für die Schulen ist aber nicht erkennbar.

Den Schulträgern ist es allerdings unbenommen, neben LITTERA, das die Mehrheit der Schulen auch im LDK weiterhin nutzt , eine weitere Software anzubieten und die Schulen, die das tun, personell und finanziell zu bevorzugen.

Basedow1764 wird berichten, wenn die Anfrage beantwortet werden wird. (Wahrscheinlich vor der parlamentarischen Sommerpause.)

Trotz alledem:

20 Jahre der Kontakte  zu den bildungspolitischen Sprecher/innen der Parteien haben sich für die LAG Schulbibliotheken ausgezahlt: In den Antworten zu bisher fünf Landtagsanfragen sprachen sich alle Landesregierungen für den Ausbau und die weitere Förderung von Schulbibliotheken aus.

Der Hessische Landtag begrüßte 2007 den Kauf der Landeslizenz für die Bibliothekssoftware LITTERA (1992). LITTERA wird inzwischen in mehr als der Hälfte der hessischen Schulen für die Bibliothek und/oder die Lehrmittelsammlung (LMF) genutzt.

Dass eine Landesregierung betont, sie sei nicht zuständig, aber gleichzeitig stolz darauf ist, dass Hessen so viele Schulbibliotheken hat, ist ja auch besser, als wenn sie nur auf Turnhallen stolz wäre.

8 Kommentare

  • [...] Projekte in Hessen Zu den Kommentaren Vor etwa einem Jahr hatte ich eine Blütenlese zum Thema “Schulbibliotheken” im Landtag zusammengestellt. Im Nachtrag wurde eine neue [...]

  • [...] Siehe auch in diesem Blog:  Zur Zusammenarbeit von Schule und Bibliothek und  Schulbibliotheken im hessischen Landtag. [...]

  • [...] kann darauf hoffen, dass Bundes- und Landespolitiker sich irgendwann einmal auf das Thema stürzen, wenn es nur lange genug Resolutionen gegeben hat. Bisher hat sich das [...]

  • [...] diese Geschichte ließe sich auch ein Vortrag halten: Mehrere Große Anfragen zum Thema Schulbibliotheken im Landtag, der Schulbibliotheksentwicklungsplan einer Kommission des [...]

  • „Unter Blinden ist der Einäugige König.“ Dieser Spruch fällt mir immer ein, wenn die lebendige Schulbibliothekslandschaft in Hessen gelobt wird.

    Als die LAG Ende der 80er, Anfang der 90er, aktiv wurde, weil die bibliotheksinteressierten Lehrer keinen Ansprechpartner fanden, gelang es u. a., die Schulbibliotheken in eine Koalitionsvereinbarung zu bekommen, eine Landeslizenz für eine Bibliothekssoftware einzukaufen, ca. 400 Lehrkräfte zu schulbibliothekarischen Themen fortzubilden, einen Referenten im Kultusministerium dauerhaft mit Schulbibliotheken zu befassen, einen Kongress zu starten, der heute die größte deutschsprachige Veranstaltung dieser Art in Europa ist.

    Eine von der LAG geforderte Kommission des KM hatte Anfang der 90er ein Konzept zur Einrichtung schulbibliothekarischer Arbeitsstellen in jedem Landkreis erarbeitet. Es geriet leider zu umfangreich, da die Maßstäbe einer öffentlichen Bücherei angewandt wurden: Von der Leiterin über die Stellvertreterin, Bibliotheksassistentin bis zur Hilfskraft zum Foliieren, jeweils mit definierter Zimmergröße. Der Kultusminister schüttelte nur den Kopf.
    Schließlich konnten wir eine ½ Stelle für das ganze Land herausholen (Und für ein paar Jahre die Arbeit im Kulturmobil).

    Um das Thema den Landespolitikern einzuhämmern, haben wir mit verschiedenen Parteien drei oder vier Anfragen formuliert. Natürlich muss man bedauern, dass dabei nicht mehr herausgekommen ist. Die meisten Bundesländer aber haben das bisschen aus Hessen nach 15, 20 Jahre noch nicht erreicht.

    Leider stockt die Entwicklung auch in Hessen. Die Idee der “Kooperationsverträge” von dbv/Bertelsmann-Stiftung verschafft den Ländern ein Alibi: „Die Schule muss mit einer öffentlichen Bibliothek einen Vertrag schließen. Wir haben damit nichts zu tun.“ So oder so ähnlich höre ich es aus BW, Hessen und BRB.

  • Wenn man sich das Thüringer Bibliotheksgesetz anschaut, kann man auch sagen: Steter Tropfen auf hohlen Stein.

    Bibliotheken sind eben noch lange nicht auf der Tagesordnung, wie Claudia Lux immer und immer wieder fordert.

    Sind das übrigens alle Erwähnungen des Wortes “Schulbibliothek” in den Protokollen des hessischen Landtags in dieser Zeit?

  • Richtig! Vor ein paar Jahren hätte ich noch gesagt: Steter Tropfen höhlt den Stein.

  • Was haben hessische Schulen denn von diesem Stolz? Irre ich mich sehr, wenn ich vermute: Nichts?


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