Dienstag, 6 Mai , 2008...2:25 Uhr nachmittags
Schulbibliotheken in Talkshows
Der Bundespräsident, der der Politik gerne sehr konkret sagt, wo es lang zu gehen hat, nach dem sich aber niemand richtet, sprach sich kürzlich, nach einem Gespräch mit der dbv-Vorsitzenden, für eine Besserstellung der Bibliotheken aus, sogar die Schulbibliotheken hat er erwähnt.
Das erinnerte mich an meinen Leserbrief, den ich aus Anlass einer KJL-Beilage, in der mal wieder die Uralt-Zahlen von den 10% der deutschen Schulen … aufgegriffen und bedauert wurden, an die ZEIT geschickt hatte. Der Brief ist zeitlos, daher ziehe ich ihn nochmal aus der Sammelmappe:
Sonderheft zur Kinderliteratur: “Lies! Mir! Vor!”, ZEIT Nr. 19
Jetzt wird Pisa aber zurechtgerückt! Gleich zwei deutsche Initiativen zum Vorlesen: die der ZEIT und der Stiftung Lesen und die der Körber-Stiftung und des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Auf den Kongressen, den Podien und in den Talkrunden zum Stand der Lesekultur findet sich auch immer jemand, der (mehr) Schulbibliotheken fordert. Das wird höflich beklatscht.
Wenn dann die Kameras abgeschaltet sind, Scheinwerfer erloschen und die Bodyguards der vorlesenden Promis die Absperrungen aufgehoben haben, kehren die “grauen Mäuse” der Leseförderung, die Lehrer, Eltern und Bibliothekarinnen, die sich um Schulbibliotheken kümmern, zurück in ihre Räume an den Rändern der Schulen, machen das, was sie schon seit Jahren machen: vorlesen, Autoren einladen, Lesenächte und Schreibwerkstätten organisieren, Schülerinnen und Schüler zum Lesen animieren. Fast immer ehrenamtlich und nur mit Flohmarktgeldern versorgt, weil es in Deutschland keine gesetzlichen Regelungen für Schulbibliotheken gibt.
Deshalb träumen sie nachts von Dänemark, Schweden, Finnland, Österreich, Malaysia, USA und Südtirol, wo das ganz anders ist. Die “grauen Mäuse” aus den Schulbibliotheken freuen sich schon auf das nächste Event. Sie klatschen dann wieder, wenn jemand ein gutes Wort für die Schulbibliotheken einlegt.

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