2008/04/17...6:17

Macht das Web 2.0 Schulbibliotheken überflüssig?

Zu den Kommentaren

Diese Frage wurde mir gerade auf einer eLearning-Tagung gestellt. Es ging dort um die Web 2.0 – Tools wiki, weblog, social bookmarking, um wisdom of the crowds, um das interaktive, kommunikative Web 2.0 mit seinen tags, die Kategorienbildung und Hierarchisierung überflüssig machen würden. Die Lernenden organisierten mit Hilfe dieser Tools ihren Lernprozess und tauschten sich untereinander aus. Eine Bibliothek bräuchten sie nicht mehr.

Was antwortet man da?

Mir fällt Folgendes ein:

1. Ein bissiger Kommentar.

2. Diese Diskussion ist nicht neu: Vor 15 Jahren wollten US-amerik. Unis ihre Bibliotheken schließen, weil ja ab jetzt alles im Internet stünde. Davon ist schon lange nichts mehr zu hören. Im Gegenteil, es gibt jetzt erste Stimmen, die besagen, dass ein nichtdigitaler “Wissensspeicher” billiger und langlebiger sei als die digitalen Archive.

3. Wir brauchen Orte, an denen offenes und vernetztes Lernen für die möglich ist, die als bildungsfern gelten. Prof. Himmelmann von der FH Lausitz hat ein solches Lernzentrum für Erwachsene konzipiert. Die Zahl der Menschen, die sich keinen Laptop, kein iPhone oder Blackberry werden leisten können, wächst. Ebenso die Zahl der Analphabeten.

5. Privatschulen diskutieren diese Frage nicht. Sie haben alle Schulbibliotheken. Auch die staatliche hessische Vorzeigeschule Schloss Hansenberg. In der Parallelgesellschaft der leistungstragenden Eliten weiß man, was gut und richtig ist.

6. Ein Kinderbuch auf dem Monitor lesen?

7. Der Besen wurde nicht überflüssig, als man den Staubsauger erfand, das Fernsehen hat das Kino nicht aus der Bahn geworfen, auch das Theater gibt es noch.

8. Trotz globaler digitaler Echtzeit-Kommunikation siedeln nahezu alle Banken in Frankfurt und London und nicht überall. Warum?

Nachtrag:

Angriff ist die beste Verteidigung:

Die Schulbibliothek wäre überflüssig, weil das Internet die umfassendere, aktuellere, schnellere Bibliothek wäre. Die Schüler/innen als digital natives wären im Internet zu Hause, sie bräuchten die Schulbibliothek nicht mehr.

Wieso eigentlich nur die Schulbibliothek? Man bräuchte die ganze Schule nicht mehr, wenn es so wäre.

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