Das von der Bertelsmann-Stiftung angeregte NRW-Projekt „Bildungspartner NRW Bibliothek und Schule“ hat die Dokumentation seines Kongresses vom November 2007 ins Netz gestellt. (Den Hinweis verdanke ich Karsten Schuldt.) Das eine oder andere Lesenswerte für Schulbibliotheksmenschen ist sicher dabei, auch wenn, wie bei der Stiftung inzwischen üblich, das Wort Schulbibliothek so gut wie nicht mehr vorkommt. (Vorsicht: Es kommt vor, aber es handelt sich fast ausschließlich um Links, darunter auch zur LAG Schulbibliotheken!)
Letztlich aber, wie schon beim Vorgängerprojekt „Schule und öffentliche Bibliothek“ und den Vorvorgängerprojekten (Ich finde gerade keinen Link, aber es gibt eine Fülle von Publikationen zum Thema Bildungspartnerschaft bei der Stiftung und der NRW-Landesregierung.), ist es verblüffend, unbefriedigend und ärgerlich:
Was da von Professoren, Medienberatern, Staatssekretären in Hochglanzbroschüren vorgestellt wird, sind Sachen, die es schon lange gibt: Bücherkisten, Bibliotheksführungen, Lesenächte. Sie heißen jetzt etwas flotter: Medienkiste, Bibliotheksrallye. Wenn alles über die Schuljahre verteilt gemacht wird, heißt es Spiralcurriculum. Und wissenschaftliches Begleitmaterial (Umfragen zu Nutzerverhalten, Kundenorientierung, Vorher-nachher-Messungen) wird mitgeliefert.
Sehen wir es positiv: Erst wenn die Sache durch diese Vernetzungsprojekte geadelt ist, wird sie in der Öffentlichkeit und bei den „Entscheidungsträgern“ wahrgenommen.
Jedenfalls haben wir in Hessen in den letzten 20 Jahren nichts falsch gemacht: Die exzellente Autorin und Leseförderexpertin Gudrun Sulzenbacher wurde zu dem Kongress eingeladen. Bei der LAG in Hessen war sie schon oft.
Man kann von Glück sagen, dass Lesenacht und Medienkiste in Gütersloh nicht zum Patent angemeldet wurden.
Dennoch, nicht „Zusammenarbeit Schule und Bibliothek“ sollte es heißen, sondern „Zusammenarbeit Schulbibliothek und öffentliche Bibliothek“. Die Unternehmensberater des Bibliothekswesens, die mit jenem Titel eine Marketing-Strategie erfunden haben, die Kundenzahlen, Ausleihkennziffern und die Finanzierung öffentlicher Bibliotheken verbessern soll, überheben sich und überfordern die Bibliothekarinnen und Bibliothekare. Der Tanker Schulwesen mit 11 Millionen Schülerinnen und Schülern, 800.000 Lehrerinnen und Lehrern, 500.000 Schulklassen und 35.000 Schulen soll über Kooperationsverträge zur Bildungspartnerschaft mit nicht ganz 2000 hauptamtlich geleiteten öffenlichen Bibliotheken gewonnen werden. Lassen wir die Zahlen sprechen… Den Rest besorgen die Bibliotheksdezernenten der Städte und Gemeinden, wenn Ihnen und ihren Juristen verbindliche Kooperationsverträge vorgelegt werden.
Die Schulen dürsten nach Schulbibliotheksinformationen, das erfahren die LAG-Schulbibliotheksberater tagtäglich, die Anfragen kommen aus dem ganzen Bundesgebiet. Wir freuen uns, dass unsere Idee eines regelmäßigen Schulbibliothekskongresses in anderen Bundesländern aufgegriffen wird, dass es mehr Landeslizenzen für Katalogsoftware gibt.
Wir brauchen die Zusammenarbeit mit den öffentlichen Bibliotheken, wir brauchen schulbibliothekarische Arbeitsstellen in Stadtbibliotheken und Kreis-Medienzentren. Wir brauchen dort und in großen Schulbibliotheken Diplom-Bibliothekare und -Bibliothekarinnen mit schulpädagogischen Kompetenzen.
Was wir nicht brauchen, sind Lobbyisten, die von Wildwuchs reden, wenn sie Schulbibliotheken in Deutschland meinen.




1 Kommentar
2008/11/11 um 4:32
[...] veranstaltete kürzlich eine Tagung, bei der es mehr um die kommunalpolitisch gerne gehörte Bildungspartnerschaft Bibliothek und Schule und weniger um Schulbibliothek ging. Den Vorschlag, einmal eine Tagung zu [...]