2008/03/07...8:50

information literacy und große Unterrichtsvorbereitung

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Auf der Suche nach Ideen und Argumenten, die Schulbibliothek als Lernort zu definieren und zu konzipieren, stoße ich immer wieder auf englischsprachige Veröffentlichungen.

Ein Beispiel: Learning-Centered Libraries: Implications from Research von Barbara K. Stripling, ehem. Leiterin von Library Power, Public Education Foundation, einem PR-Programm des amerikanischen Bibliotheksverbandes ALA, gedruckt in School Library Media Quarterly Nr. 3 (1995)

(Library Power ist ein Programm der Reader´s-Digest-Stiftung, die damit in den 90er Jahren wesentlich dazu beitrug, aus US-amerikanischen Schulbibliotheken moderne Lern- und Informationszentren zu machen. Die Internetseite ist nur noch im Cache von Google. Die Stiftung bietet aber eine pdf-Datei zum download.)

Stripling referiert eine Dissertation von Judy M. Pitts, „Personal Understandings and Mental Models of Informa -tion: A Qualitative Study of Factors Associated with the Information Seeking and Use of Adolescents,“ (Ph.D. diss., Florida State Univ., 1994) und zieht daraus Folgerungen für die Arbeit in der Schulbibliothek.

Die wichtigste zuerst: Im Arbeitsprogramm der Schulbibliothek dreht sich alles ums Lernen, nicht um die Bibliothek. Ausgangspunkt aller Überlegungen muss das sein, was man aus der Lernforschung weiß. Daraus lässt sich ableiten, welches Leitbild sich die die Bibliothek gibt. Lernen, so sage die Forschung, sei im weitesten Sinne Verhaltensänderung, neues Wissen verändere vorhandene Einstellungen. Lernen sei mehr als Sammlung von Informa -tionen, die mit der Schülerin/dem Schüler letztlich nichts zu tun hätten. Es müsse ein aktiver kognitiver Prozess statt- finden, damit sich Vorerfahrungen, Einstellungen, die „mentalen Modelle“ veränderten. (Die meisten Veröffent- lichungen legen den Konstruktivismus als Lerntheorie zugrunde.)

Ein wichtiges Ergebnis der Pittschen Untersuchung sei, dass das Training der Informationssuche nicht von Lerninhalten (der Fächer) getrennt werden könne, wenn wirklich etwas gelernt werden solle. Lernen finde im sozialen Zusammen- hang statt, Lerngruppe und Erwachsene gäben Rückmel- dung, Unterstützung und Kritik. Sowohl die stoffliche Seite als auch das methodische Vorgehen unterliege einer – sich wiederholenden – Struktur. Nicht nur das Endprodukt, sondern auch der Lernweg sei wichtig.

Das große Verdienst solcher Forschungsarbeit ist, dass sie darauf aufmerksam macht, dass Lernen ein zeitintensiver Prozess ist, den die Schülerinnen und Schüler zwar selbst meistern müssen, aber begleitet von Fachlehrern und Teacher-Librarians, die die Knackpunkte auf diesem Weg kennen und kompetent helfen: Fragestellungen finden oder einengen, Thesen formulieren, Lernschritte zu organisieren, mit provozierenden, Widerspruch hervorrufenden Fragestellungen den Lernprozess anzustoßen und zu begleiten.

 

Vieles in den Beiträgen zur information literacy ist für Pädagogen nicht neu, erinnert mich an das, was ich vor bald 40 Jahren im Lehramtsstudium gehört habe. Im Referen- dariat war es dann die „große Unterrichtsvorbereitung“ nach Heimann, Otto, Schulz oder Klafki, die uns zwang, die Fragen zu beantworten, mit denen die Schulbibliotheksprofessorinnen und -professoren in der angelsächsischen Welt heute ihre Studenten konfrontieren: Wel­ches Vorwis- sen bringen die Schüler mit? Was hat das Thema mit ihrer Lebens­welt, ihrer Zukunft zu tun? Was an dem Thema ist bedeutsam? Wie gehe ich metho­disch vor? Wie ist der kognitive und soziale Entwicklungsstand der Schülerinnen und Schüler?

 

Was nicht (mehr) geht ist, dass Lehrer/innen nur sagen: „Bis Ende nächster Woche kriege ich das Referat über …“ Und (amerikanische) Schulbibliothekare: „Schau im Katalog nach. Da findest Du was zu Deinem Thema!“

 

Wie schön, dass die Diskussion nach Deutschland überschwappt. Die Expertengruppe „Schule und Bibliothek“ des Deutschen Bibliotheksverbandes bietet die öffentlichen Bibliotheken als Vermittler von Informationskompetenz und kritischem Denken an. Viel Spaß bei der großen Unterrichtsvorbereitung!

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