Samstag, 12 Januar , 2008...1:15 Uhr nachmittags
Lesetipp Wirtschaftsbücher
Wie soll man mehr Wirtschaft unterrichten, wenn man selbst keine ökonomische Grundbildung hat?
Dabei ist es angeblich ganz einfach: Die Bürger sollen länger arbeiten, weniger verdienen, mehr ausgeben, lebenslang lernen, mobil sein, Kinder kriegen. Der “exzessive Sozialstaat” (Prof. Dr. Sinn) muss zurückgefahren werden, die Unternehmenssteuern heruntergefahren, weitere Bereiche (Bildung, Rente) privatisiert werden. So sagen es die wirtschaftsnahen Stiftungen, die “Experten” in den Talkshows und die Unterrichtsmaterialien vom Handelsblatt und idw, sowie die allermeisten Politkerinnen und Politiker.
Wer noch der “alten” GL-Fachdidaktik verhaftet ist und Konflikte analysieren oder kontroverse Positionen behandeln will, hat es schwer. Die Umbenennung des Faches in „Politik und Wirtschaft“ - POWI - war genial. Der Primat der Politik wurde ausgehebelt. Wirtschaft existiert neben der Politik. Politik gestaltet nicht mehr alle Lebensbereiche. Oder wie ist die Umbenennung gemeint?
Die neueren hessischen POWI-Lehrbücher enthalten m. E. weniger Wirtschaftsthemen als die früheren GL-Bücher. War die angebliche Vernachlässigung wirtschaftlicher Themen in der Schule nur ein Vorwand um den Politikunterricht zu entpolitisieren?
Zwei Buchtipps für die Unterrichtsvorbereitung und die Schulbibliothek:
Flassbeck, Heiner, 50 einfache Dinge, die Sie über unsere Wirtschaft wissen sollten.
2006, 176 S., EUR 17,90, Westend Verlag, ISBN 3-938060-08-5
Müller, Albrecht, Machtwahn, Wie eine mittelmäßige Führungselite uns zugrunde richtet.
19,90 Euro, 365 Seiten, 2006, Droemer Verlag, ISBN 3-426-27386-1
Vom selben Autor (früherer Mitarbeiter von Karl Schiller und Helmut Schmidt) eine spannende Internetseite .
Auf dieser Website wird auf ein lesenswertes Interwiew mit dem Sozialwissenschaftler Götz Eisenberg hingewiesen - aus anlass seines Buches über jugendliche Amokläufer. Der Satz passt auch in diesen Zusammenhang:
“Schulen müssten gegen den Zugriff der Industrie geschützt sein, damit ein Kind lernen kann, ohne immerzu an seine Tauglichkeit, Verwertbarkeit zu denken.”
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