Die Bertelsmann-Stiftung macht laut Jürgen Kaube, FAZ v. 31.10.2007, seit Jahren einen zwiespältigen Eindruck. Es gebe kaum ein gesellschaftspolitisches Thema, zu dem sie nicht umfangreiche Vorschläge gemacht habe. Sie habe Kommissionen eingesetzt, Gutachten vorgelegt, Institute gegründet, zu Konferenzen eingeladen. Sie betreibe Standortranking, tadele Nationen und biete ihre Lösungsvorschläge an. Sie operiere an den Grenzen von privatwirtschaftlich, gemeinnützig, staatsnah und halbwissenschaftlich, prominenzorientiert und kommunal.
Für die öffentlichen Bibliotheken ist die Stiftung zum think tank geworden. Auch hier legt sie Gutachten vor, hat ein Bibliotheksranking erfunden und führt Projekte durch.
Waren es vor Jahren noch modellhafte Schulbibliotheken (Ägypten, Gütersloh), so geht es jetzt darum Schulen als Medien- und Bildungspartner der öffentlichen Bibliotheken zu gewinnen.
Folgerichtig wird erwartet, dass die Länder ihre Bildungshaushalte für die öffentlichen Bibliotheken öffnen.
Wichtige Ergebnisse der Studie „Medienpartner Bibliothek und Schule“:
„Die Medienvorsorgung von Schulen ohne ausgebaute eigene Schulbibliothek kann maßgeblich und dauerhaft verbessert werden.„ (p 93)
„Die Verankerung von Bibliotheksbesuchen im schulischen Lehrplan empfiehlt sich …. (p 95)
Beide Zitate aus:
Bertelsmann Stiftung, Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW (Hrsg.), Kooperation macht stärker: Medienpartner Bibliothek & Schule, © 2005 Verlag Bertelsmann Stiftung,Gütersloh
„Vor allem dort, wo ausreichend ausgestattete Schulbibliotheken fehlen, sollte deshalb die Kooperation mit der öB … in die Medienkonzepte der Schulen einfließen.“ (aus dem Flyer zum Projekt)
Dies zu lesen, wird die Schulträger landauf, landab erfreuen.
Und zum Schluss noch eine dazu passende Begebenheit aus Hessen:
Schule und Bibliothek oder Schulbibliothek?
Zum Auftakt des millionenschweren Bertelsmann-Projekts „Schule und Bibliothek“ findet in einer hessischen Stadt das erste Treffen von Lehrer/innen und Vertretern der städtischen Bibliothek statt. Ein Vertreter des Kultusministeriums ist eingeladen. In seinem Grußwort erwähnt er die Landesarbeitsgemeinschaft Schulbibliotheken in Hessen. Von ihr hören die in die Stadtbibliothek geschickten Kolleginnen und Kollegen zum ersten Mal. Sie wollen mehr wissen: Was machen die? Wie kann die LAG uns in der Schule helfen?
Der Manager der Stiftung wird sichtlich ungehalten. Er will, dass man über sein Projekt „Schule und Bibliothek“ redet und nicht über Schulbibliotheken.
Update 20.10.08: Auf einer Tagung der Konrad-Adenauer-Stiftung im Herbst 2008 vertreten auch Schulbibliotheksexperten der dbv-Arbeitsgruppe „Biliothek und Schule“ diese Auffassung. Die zahlreich anwesenden Kommunalpolitiker/innen haben es befriedigt zur Kenntnis genommen.
Als ich das öffentlich mache, verweist der oberste Schulbibliotheksexperte der Expertengruppe „Schule und Bibliothek“ des dbv auf ein Papier seiner Expertengruppe, in der man sich für Schulbibliotheken ausgesprochen habe. Wie denn nun?




3 Kommentare
2009/09/04 um 3:47
[...] Bibliothek und Schule? Zu den Kommentaren In Nordrhein-Westfalen spricht die Bertelsmann-Stiftung in der Bildungspolitik ein Wort mit. Weniger vorsichtig ausgedrückt: Was in Gütersloh ausgedacht [...]
2009/07/29 um 5:27
Die Uni Siegen steigt aus dem von der Bertelsmann-Stiftung veranstalteten Hochschulranking aus.
U. a. begründet man den Ausstieg damit, dass man sich dem wachsenden Einfluss der Firma Bertelsmann auf die universitäre Lehre entziehen will.
(FAZ v.29.7.09, p N 5)
2008/10/12 um 7:19
[...] Siehe auch hier. [...]